Gesundheit

Grippeschutz: Deswegen ist eine Impfung so wichtig

5 Tipps zum Schutz vor Infektionen

So schützen Sie sich vor Erkältungs- und Grippeviren.

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Berlin.  Grippe ist mehr als Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Für viele Menschen kann sie zum Risiko werden. Wem Experten zu einer Impfung raten.

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Kalte Tage, volle Busse und Bahnen, ein geschwächtes Immunsystem – die Hochsaison für Grippeviren liegt nicht mehr in allzu weiter Ferne. Die Viren, die sich bei niedrigen Temperaturen und trockener Luft besonders wohl zu fühlen scheinen, werden Hunderttausenden Menschen in den kommenden Monaten hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bescheren.

Und obwohl eine Influenza in den meisten Fällen ohne Folgen ausklingt, sterben doch jedes Jahr in Deutschland Menschen. In der besonders heftigen Grippesaison 2017/2018 hat es nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) 25.100 Tote durch die Influenza gegeben. So viele wie seit 30 Jahren nicht.

Gleichzeitig waren in ebenjener Grippesaison nur wenige Menschen geimpft. Das legen Zahlen der Techniker-Krankenkasse (TK) nahe. So hatten sich 2017 laut dem TK-Innovationsreport nur 10,2 Prozent der TK-Versicherten gegen Influenza immunisieren lassen. In der Altersgruppe der über 60-Jährigen lag die Quote bei 33,4 Prozent – dabei ist das Risiko eines schweren Verlaufs bei älteren Menschen besonders hoch. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wer sollte sich gegen Grippe impfen lassen?

Die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt besonders älteren Menschen ab 60, Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel und Menschen mit chronischen Krankheiten wie Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Impfung gegen die saisonale Influenza.

„Gerade ältere oder geschwächte Menschen haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit Komplikationen wie einer Lungenentzündung oder einem Herzinfarkt“, sagt Thomas Harder aus dem Fachgebiet Impfprävention des RKI. Auch Schwangere seien aufgrund der Veränderung im Körper empfänglicher für virale Erkrankungen, schwere Verläufe würden begünstigt.

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Ein Risiko für das ungeborene Kind bestehe durch die Impfung nicht – der für Erwachsene in Deutschland zugelassene Impfstoff ist ein sogenannter Totimpfstoff. Er enthält also nur abgetötete Krankheitserreger oder auch nur Teile, die sich nicht mehr vermehren können.

Säuglinge profitieren sogar von einer Immunisierung der Mutter, weil die durch die Impfung gebildeten Antikörper über die Plazenta an das Ungeborene weitergegeben werden. Der Säugling hat also die ersten Monate nach der Geburt einen Grippe-Impfschutz.

Auch Menschen, die Kontakt zu Risikogruppen haben, sollten sich impfen lassen – zum Beispiel medizinisches Personal: „Die Impfung schützt einerseits das Personal selbst vor der Influenza, reduziert aber auch die Weiterverbreitung des Virus, beispielsweise im Krankenhaus“, sagt Harder.

Bei gesunden Erwachsenen unter 60 Jahren und Kindern verläuft eine Influenza in der Regel ohne schwere Komplikationen, bei einem Drittel sogar ohne typische Symptome wie Fieber, trockenen Husten und Gliederschmerzen. Deswegen empfiehlt die Stiko für sie eine Impfung nicht explizit. Wer sich dennoch impfen lassen möchte, sollte mit seiner Krankenkasse klären, ob sie für die Kosten aufkommt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Immunisierung?

Das RKI rät zwar zu einer Impfung bereits im Oktober oder November. Da die Grippewelle in den vergangenen Jahren meist um den Jahreswechsel begonnen hat, hätte das Immunsystem dann ausreichend Zeit, den Schutz auszubilden. Das dauert in der Regel 10 bis 14 Tage. Doch laut RKI kann auch eine Impfung im Dezember und sogar noch danach sinnvoll sein, schließlich dauert eine Grippewelle in der Regel mehrere Monate.

Weil sich die Grippeviren durch Mutation ständig so verändern können, dass das Immunsystem sie nicht mehr erkennt und die Zusammensetzung des Impfstoffs daher jedes Jahr neu bestimmt wird, sollten sich die Risikogruppen laut Stiko auch jedes Jahr aufs Neue impfen lassen. Die Schutzwirkung lässt außerdem nach, je länger die Immunisierung zurückliegt.

Wie wird die Zusammensetzung des jeweils aktuellen Impfstoffs bestimmt?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt jedes Jahr meist im Februar eine Empfehlung für die Zu­sammensetzung des Impfstoffs für die kommende Grippesaison ab. Grundlage für diese WHO-Emp­fehlung sind Daten, die weltweit zu zirkulierenden Influenzaviren erhoben werden. Dabei sind seit Jahrzehnten vier Subtypen für die Influenza verantwortlich: Bei der Influenza Typ A sind es H1N1 und H3N2 und bei Influenza Typ B spricht man von den Linien B-Victoria und B-Yamagata.

Von diesen vier Gruppen wiederum treten weltweit verschiedene Varianten auf, die sich insbesondere durch ihre Struktur auf der Oberfläche unterscheiden. Der jeweilige saisonale Impfstoff enthält Bestandteile der Virusvarianten, die für die kommende Grippesaison erwartet werden. Seit 2018 empfiehlt die Stiko eine Impfung mit einem Vierfachimpfstoff. Anders als der bis dahin empfohlene Dreifachimpfstoff schützt er vor Varianten aller vier Gruppen.

Wie zuverlässig ist der Impfschutz?

Die Schutzwirkung der Influenza-Impfung ist nach Angaben des RKI weniger hoch als bei anderen Impfungen. Das liegt unter anderem daran, dass sich trotz der WHO-Empfehlung zur Zusammensetzung des Impfstoffes die zirkulierenden Virenstämme noch einmal verändern können – sogar während einer Grippesaison kann das passieren. Dennoch gebe es keine andere Impfung in Deutschland, durch die sich mehr Leben retten ließen, sagte RKI-Präsident Professor Lothar H. Wieler anlässlich des Influenza-Saisonberichts.

Bei sehr guter Übereinstimmung zwischen zirkulierenden Viren und dem Impfstoff ist laut RKI bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung von bis zu 80 Prozent beobachtet worden. Bei älteren Menschen ist die Immunantwort nicht so stark ausgeprägt. Trotzdem könnten sie ihr Erkrankungsrisiko durch eine Impfung halbieren, und in Studien habe sich gezeigt, dass eine Erkrankung bei geimpften Menschen oft milder verlaufe.

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Wie sollten sich Erkrankte verhalten?

Haben ansonsten gesunde Erwachsene oder Kinder eine Grippe, sollten sie von anderen Menschen Abstand halten. Heißt: mindestens zwei Meter. Eine Ansteckung erfolgt über Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Deswegen sollten Kranke nur in den Ärmel husten und niesen und regelmäßig ihre Hände waschen. Das RKI empfiehlt außerdem, regelmäßig zu lüften und Einwegtaschentücher zu verwenden. Während der akuten Phase der Erkrankung sollte man zu Hause bleiben.

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