Darlehen

Geld gegen Pfand: Diese Risiken birgt der Gang ins Leihhaus

In einem Pfandleihhaus werden Goldringe gegen Geld eingetauscht (Symbolbild).

In einem Pfandleihhaus werden Goldringe gegen Geld eingetauscht (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Stefan Puchner / picture alliance / dpa

Berlin  Im Leihhaus lassen sich finanzielle Engpässe schnell und unbürokratisch überbrücken. Verbraucherschützer warnen aber vor hohen Kosten.

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Wer ein Darlehen benötigt, kann statt zur Bank auch ins Leihhaus gehen. Mit einem Pfand lassen sich finanzielle Engpässe schnell und unbürokratisch überbrücken. Verbraucherschützer aber warnen: Wegen der hohen Kosten sollten Pfandkredite nur für kurze Zeit aufgenommen werden.

Das Prinzip ist denkbar einfach: Es gibt Geld gegen einen Wertgegenstand als Pfand. Um eine Bonitätsprüfung wie bei Banken – mit Schufa-Auskunft und Gehaltsnachweis – kommt der Kunde so herum. Der hinterlegte Wert dient schließlich als Sicherheit. Tilgt der Kunde den Kredit, bekommt er sein Pfand zurück.

Oft wird Schmuck ins Pfandhaus gebracht

Die Palette der Pfänder reicht vom Handy für 50 Euro bis zur Louis-Vuitton-Tasche oder dem Bechstein-Flügel für zigtausend Euro. „Alles, was beweglich ist und einen Wert hat, kann als Pfand hinterlegt werden. Das ist oft Schmuck, kann aber auch ein Gemälde, Porzellan, eine Skulptur, ein technisches Gerät oder eine Münzsammlung sein. Da gibt es keine Beschränkungen“, sagt Wolfgang Schedl, Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP).

In der staatlichen Pfandleihverordnung ist der Zins festgelegt, den der Kunde berappen muss: ein Prozent pro Monat. Schon seit 1961 ist dieser Zinssatz unverändert. Hochgerechnet auf ein Jahr ergibt sich ein Zins von zwölf Prozent – etwa so viel, wie ein Dispokredit bei vielen Banken kostet. Aber Vorsicht: Zum Zins kommt im Leihhaus eine Gebühr hinzu, deren Höhe die Unternehmen für Darlehen ab 300 Euro frei vereinbaren können.

Pfandkreditbetrieb ist „abgesichert wie Fort Knox“

Laut ZDP beträgt die Gebühr häufig zwischen etwa zwei und 2,5 Prozent. Die Aufwendungen, insbesondere für das Schätzen, Lagern und Versichern der Pfänder, werden damit abgedeckt. „Ein Pfandkreditbetrieb ist heute so abgesichert wie Fort Knox“, sagt ZDP-Geschäftsführer Schedl. Nur für Darlehen bis 300 Euro gelten staatliche Höchstgebühren, beispielsweise 3,50 Euro für einen 150-Euro-Kredit. „Es ist der Zins von monatlich einem Prozent plus die Gebühr von etwa 2,5 Prozent, die den Pfandkredit so teuer machen – bis zu rund 40 Prozent, hochgerechnet auf ein Jahr“, warnt Josephine Holzhäuser, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Leihhaus kalkuliert Sicherheit ein

Ihr Rat: „Ein solches Angebot sollte wirklich nur als allerletzter Ausweg in einer finanziellen Notlage angenommen werden.“ Und: Nur wer sicher weiß, dass er sein Loch in der Kasse durch andere Einnahmen in Kürze wieder schließen kann, sollte einen Pfandkredit als Zwischenlösung in Erwägung ziehen, sagt Holzhäuser.

Wichtig ist, auf die Höhe des Darlehens gemessen am Pfandwert zu achten. Ringe, die über 1000 Euro wert sind, werden nicht automatisch einen Kreditbetrag von über 1000 Euro einbringen. Das Leihhaus kalkuliert ein Sicherheitspolster ein, dessen Höhe vom Pfand abhängt. Der Grund: Löst der Kreditnehmer sein Pfand nicht aus, wird es versteigert – mit ungewissem Erlös. Das Darlehen ist daher in der Regel niedriger als der geschätzte Wiederverkaufswert des Pfandes, wobei sich der Abschlag von Leihhaus zu Leihhaus unterscheiden kann.

Leihhaus-Klientel ist Abbild der gesamten Gesellschaft

Wer möglichst viel Geld aufnehmen möchte, sollte deshalb seinen Wertgegenstand von mehreren Anbietern taxieren lassen – vorausgesetzt, er hat die Zeit dazu und die Anfahrten sind nicht zu weit, rät Finanzexpertin Holzhäuser. Bescheiden sein, sollten hingegen alle, deren tatsächlicher Kreditbedarf unter dem Pfandwert liegt. „Wir empfehlen in solchen Fällen, die angebotene Darlehenssumme nicht voll auszuschöpfen, um sich nicht finanziell zu übernehmen und vielleicht in eine Schuldenspirale zu geraten“, so die Verbraucherschützerin.

Doch der Anbieterverband ZDP widerspricht: Bei einem Pfandkredit bestehe die Gefahr einer Überschuldung gerade nicht. „Im Unterschied zur Bank haftet der Kunde nicht persönlich mit seinem vollen Vermögen für den Kredit, sondern nur mit dem Pfand. Löst er das Pfand nicht aus, wozu er nicht verpflichtet ist, verbleiben ihm keine Schulden“, sagt ZDP-Geschäftsführer Schedl. Im Übrigen sei die Vorstellung falsch, dass nur ärmere Leute, die außer dem Pfand nichts mehr haben, ins Leihhaus gingen: „Das Klientel ist ein Abbild der gesamten Gesellschaft: vom Studenten über den Existenzgründer bis zum Zahnarzt.“

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