Datenmissbrauch

Wie Facebook gezielt traurige Jugendliche ausforschte

Facebook hat in Australien mit den Postings die Psyche von Jugendlichen ausgewertet.

Foto: © Dado Ruvic / Reuters / REUTERS

Facebook hat in Australien mit den Postings die Psyche von Jugendlichen ausgewertet. Foto: © Dado Ruvic / Reuters / REUTERS

Sydney  Neuer Ärger um Facebook: Das Netzwerk forschte nach Nutzern, die sich schlecht fühlen. Die brisanten Daten sollten bei Werbung helfen.

Wer traurig ist, sich einsam oder wertlos fühlt, der könnte etwas gebrauchen, das ihm wieder ein besseres Gefühl gibt. In Facebooks Logik heißt das: Wenn es um die Psyche von Jugendlichen nicht sonderlich gut bestellt ist, greifen sie vielleicht eher zu materiellen Problemlösern – und sind damit eine prima Zielgruppe für Werbekunden. Das wollte Facebook für seine Zwecke nutzen. Das Unverständnis darüber ist groß.

Öffentlich wurde die Strategie, weil der Zeitung „The Australian“ ein Facebook-Papier („Vertraulich: nur zum internen Gebrauch“) vom Jahresanfang zugespielt wurde. Darin wird hervorgehoben, wie sich mit dem sozialen Netzwerk gezielt die Momente ansteuern lassen, „in denen junge Leute einen Schub fürs Selbstvertrauen brauchen“. Facebook identifizierte auf der Grundlage ungezählter Postings und Beiträge, wer sich gestresst, niedergeschlagen, besorgt, überwältigt, oder nutzlos fühlen könnte – und damit ein lohnendes Objekt gezielter Werbebotschaften wäre.

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Daten von 6,4 Millionen junge Leuten ausgewertet

Freimütig ist in dem Papier laut „The Australian“ die Rede davon, dass Facebook die Daten zur Psyche von 6,4 Millionen Oberstufenschülern, Studenten und jungen Australiern und Neuseeländern unter dem Gesichtspunkt von Werbung sammelte. Ohne das Einverständnis der Betroffenen, versteht sich.

In einer ersten Reaktion gegenüber der Zeitung entschuldigte sich Facebook. Inzwischen sieht das Unternehmen dazu aber offenbar keinen Anlass mehr: Die Daten seien nur anonym erhoben worden und würden den Werbetreibenden nicht zur Verfügung gestellt, heißt es. Es sei darum gegangen, Unternehmen zu zeigen, wie sich Nutzer im sozialen Netzwerk ausdrücken. Also ganz harmlos, also?

Ein früherer hochrangigerer Facebook-Manager meldet da aber Zweifel an. Im „Guardian“ schreibt Antonio Garcia-Martinez: „Die harte Realität ist, dass Facebook die Nutzung seiner Daten so lange nicht begrenzt, wie es keinen solchen Aufschrei gibt, der nicht verstummt.“

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Facebook hat mit Psyche von Nutzern experimentiert

Facebook hatte bereits einmal heftige Kritik einstecken müssen, weil Wissenschaftler für das Unternehmen ein Experiment mit der Psyche von Nutzern gestartet hatten, ohne dass die davon wussten: Einem Teil der ausgewählten Facebook-Mitglieder wurden gezielt mehr positive Nachrichten aus dem Freundeskreis angezeigt, dem anderen Teil setzte das Netzwerk mehr negative Nachrichten vor. Heraus kam, dass Menschen mit vielen positiven Einträgen angeblich auch dazu neigen, selbst positive Beiträge zu verschicken.

Überwiegend zustimmend aufgenommen wurde dagegen ein Tool, mit dem Facebook Leben retten will: Künstliche Intelligenz soll erkennen, wenn ein Nutzer suizidgefährdet ist . Das soll von Facebook-Mitarbeitern geprüft werden, die den Nutzer gegebenenfalls kontaktieren. (law)

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