Online-Enzyklopädie

Nazi-Passagen gelöscht: Wikipedia sperrt Landtag Sachsen

Das Online-Lexikon Wikipedia hat alle Rechner aus dem Verwaltungsnetz von Sachsen für die Bearbeitung von Einträgen blockiert.

Das Online-Lexikon Wikipedia hat alle Rechner aus dem Verwaltungsnetz von Sachsen für die Bearbeitung von Einträgen blockiert.

Foto: imageBROKER/Valentin Wolf / imago/imagebroker

Berlin  Ein Nutzer aus dem sächsischen Verwaltungsnetz hat pikante Passagen im Wikipedia-Artikel über Sachsen gelöscht. Das hat Konsequenzen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat alle Nutzer aus dem sächsischen Verwaltungsnetz für die anonyme Bearbeitung von Einträge gesperrt, wie das Portal „t-online.de“ zunächst berichtete. Die Sperre geht auch aus dem sogenannten Sperr-Logbuch der Wikipedia hervor.

Am Mittwoch hatte ein Nutzer aus dem Netzwerk der Landesverwaltung den Wikipedia-Eintrag über den Freistaat Sachsen bearbeitet. Pikanterweise löschte er ausgerechnet Passagen aus dem Text, in denen es um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in dem ostdeutschen Bundesland ging.

Passagen über Rassismus gelöscht

Der unbekannte User tilgte zum Beispiel den Satz: „Einer Studie der sächsischen Regierung zufolge sind im Vergleich zum Bundesdurchschnitt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der sächsischen Bevölkerung deutlich überrepräsentiert.“

Auch für diese Aussage fehlten laut dem Nutzer die Belege, weswegen er sie aus dem Artikel herauslöschte: „Ferner gibt es in keinem anderen Bundesland so viele Immobilien, die dauerhaft von Rechtsextremisten zu politischen Zwecken genutzt werden.“

Prinzipiell kann jeder Nutzer einen Beitrag zur Online-Enzyklopädie leisten, indem er Einträge ausbaut oder Fehler beseitigt. Sogenannte Administratoren, die Hüter der Wikipedia, wachen über die Änderungen. Werden Einträge aus ihrer Sicht unzulässig bearbeitet, können sie Nutzer sperren. Wenn eine IP-Adresse zu einem größeren Netzwerk wie dem sächsischen Verwaltungsnetz gehört, blockiert die Website gleich alle Computer.

Sprecher bestätigt Zugriff aus Verwaltungsnetz

Der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Andreas Kunze-Gubsch, bestätigte gegenüber dem MDR, dass der Zugriff aus dem Sächsischen Verwaltungsnetz kam. „Das heißt, alle Ministerien, alle nachgeordneten Behörden und der sächsische Landtag könnten theoretisch an Rechnern darauf zugegriffen haben.“

Das Innenministerium sei dabei zu recherchieren, betonte Kunze-Gubsch, ob man eingrenzen könne, aus welchem Haus oder von welchem Rechner genau das passiert sei. Aktuell seien etwa 62.000 Arbeitsplätze der Landesverwaltung, der Kommunen und der Schulen am Sächsischen Verwaltungsnetz angeschlossen. (les)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben