Lungenkrankheit

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

Videografik: So wird das Coronavirus übertragen

Das neuartige Coronavirus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Vor allem bei engem Körperkontakt ist die Ansteckungsgefahr groß. Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen können einer Infektion vorbeugen.

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Berlin.  Das Coronavirus breitet sich in Europa immer weiter aus – auch in Deutschland. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

  • Das Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht weltweit Atemwegserkrankungen namens Covid-19
  • Es ging von China aus und hat inzwischen fast die ganze Welt erreicht
  • In Europa tritt über die Hälfte der weltweiten Neuerkrankungen auf, besonders betroffen sind Italien, Spanien, Deutschland und Frankreich
  • Wie reagiert Deutschland auf das Coronavirus?
  • Wie kann man sich vor der Ansteckung schützen?
  • Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Virus

Das neuartige Coronavirus breitet sich weiter aus. Nach China sind nun besonders Europa und Nordamerika betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass die Gesundheitssysteme überlastet werden könnten. In Norditalien hatte das bereits schreckliche Folgen.

Auch in Deutschland steigt die Zahl der Infektionen immer weiter. Vor allem bei geschwächten Menschen kann die Infektion mit dem neuen Coronavirus tödlich verlaufen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

Was ist das Coronavirus und wie gefährlich ist es?

SARS-CoV-2 ist die offizielle Bezeichnung für das neue Virus, das eine schwere Lungenerkrankung ( genannt Covid-19 ) auslösen kann. Der zunächst 2019-nCoV genannte Erreger tauchte erstmals in China auf und gehört zu den Coronaviren. Diese Viren sind eine Gruppe von Erregern, die Erkrankungen der Atemwege auslösen – von Erkältungen bis hin zu Sars, das in etwa einem Zehntel der Fälle tödlich verlief.

Zu den Symptomen des neuartigen Coronavirus gehören laut Weltgesundheitsorganisation WHO Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Die Inkubationszeit beträgt im Mittel fünf bis sechs Tage.

Die Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus übersteigt inzwischen die Opferzahl der SARS-Epidemie aus den Jahren 2002 und 2003. Die neue Virus-Variante ist eng verwandt mit dem damaligen Erreger, der ebenfalls in China zum ersten Mal auftrat.

Weltweit erkrankten rund 8000 Menschen an dem SARS-Erreger – etwa jeder zehnte Patient starb. Die WHO sprach auch damals schon von einer Pandemie.

Wer ist besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus anzustecken?

In China haben Experten die Daten von mehr als 44.000 Coronavirus-Patienten untersucht. Von ihnen waren mehr als tausend Menschen gestorben. Die Ergebnisse zeigen, dass manche Risikogruppen besonders gefährdet sind, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Das gilt insbesondere für Männer ab 50.

Das Geschlecht scheint insbesondere für das Sterberisiko eine Rolle zu spielen. Es wurden zwar etwa gleich viel Männer und Frauen mit dem Virus infiziert, aber bei den Männern lag die Sterblichkeitsrate bei 2,8 Prozent; bei den Frauen nur bei 1,7 Prozent. Je älter ein Infizierter, desto höher sein Risiko an der Erkrankung zu sterben: Menschen ab 80 Jahren sind laut den chinesischen Experten dem Sterberisiko unmittelbar ausgesetzt.

Neben Alter und Geschlecht zeigen die Ergebnisse, dass auch Vorerkrankungen einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung und auf das Sterberisiko haben. Die höchste Sterblichkeitsrate gibt es bei Infizierten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – hier liegt sie bei 10,5 Prozent.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

Das neue Coronavirus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, also ein Einatmen von Erregern, die ein Erkrankter beispielsweise beim Husten verteilt. Eine Übertragung ist auch über die Hände möglich.

Wie man sich auch vor dem Coronavirus schützt, erklärt das Robert-Koch-Institut: mit regelmäßigem Händewaschen und auch desinfizieren und ein bis zwei Meter Abstand zu Erkrankten halten. Helfen kann es, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugsknöpfe nicht anzufassen.

Atemmasken gegen das Coronavirus sind dagegen laut den Epidemiologen vor allem dann sinnvoll, wenn man andere vor Ansteckung schützen will. Dafür ist es wichtig, dass die Masken eng anliegen, gewechselt werden, wenn sie feucht sind, und die Träger nicht unbewusst die Maske berühren und so Viren weitertragen. Wer im Handel keine mehr bekommt, kann selbst aktiv werden: Nähanleitung für einfache Atemschutzmasken.

Beweise, dass eine Maske den Träger vor Ansteckung schützt, gibt es dagegen nicht. Die WHO warnt sogar vor einem „falschen Sicherheitsgefühl“, das die Masken erzeugen könnten.

An wen soll man sich wenden bei Coronavirus-Verdacht?

Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem Gesundheitsamt melden. Gleiches gilt für Reisende aus Risikogebieten, bei denen Symptome auftreten.

Alle anderen wenden sich an das Amt oder den Hausarzt, der bei Verdacht auf Sars-CoV-2 eine Laboruntersuchung veranlassen kann. Was man über den Coronavirus-Test wissen muss. Allerdings sollten Betroffene vor dem Gang in die Praxis unbedingt dort anrufen, so Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen.

In Fällen, bei denen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus vermutet wird, wird der Arzt den Patienten isolieren. Diese Maßnahme sorgte dafür, dass Menschen sich aus Angst vor einer Coronavirus-Quarantäne bereits mit Hamsterkäufen für den Ernstfall eindeckten.Hier erklären wir, was häusliche Quarantäne bedeutet – und ob man sich vorbereiten sollte.

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Coronavirus-Hotline eingerichtet. Die Telefonnummer lautet (030) 34 64 65 100. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantwortet im Internet Fragen rund um das neuartige Coronavirus.

Wie ist die Coronavirus-Situation in Deutschland?

Das Coronavirus breitet sich auch in Deutschland immer stärker aus. Die Zahl der infizierten Menschen liegt bei über 66.000. Mehrere Länder verbieten Deutschen inzwischen die Einreise.

Die Zahl der Toten scheint hingegen vergleichsweise gering zu sein. Die ersten an Covid-19 erkrankten Deutschen hatte es in München gegeben, kurz darauf gab es größere Ausbrüche in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. In NRW war der sprunghafte Anstieg von der Infizierung eines Ehepaares ausgegangen. Bevor ihre Infizierung festgestellt wurde, nahmen die beiden – bereits ansteckend – unter anderem an einer Karnevalsveranstaltung mit rund 400 Gästen teil.

Spahn: Deutschland steht "am Beginn einer Coronavirus-Epidemie"
Spahn- Deutschland steht am Beginn einer Coronavirus-Epidemie

Wie reagiert Deutschland auf das Coronavirus?

Die Bundesregierung, das Innenministerium und das Gesundheitsministerium haben einen Krisenstab eingerichtet. Hatte dieser zunächst Regeln für Reisende und Migranten erlassen, sind die Maßnahmen inzwischen weit drastischer.

Seit dem 23. März sind Ansammlungen von mehr als zwei Personen verboten. Ausgenommen sind Angehörige, die im gleichen Haushalt leben. Die bundesweite Kontaktsperre gilt zunächst bis zum 5. April. Kontaktverbot: Das sind die neuen Regeln – und die Strafen.

Zuvor hatte die Bundesregierung bereits verfügt, dass alle Geschäfte, die nicht der Versorgung dienen, geschlossen werden. Auch Schulen und Kitas sind in allen Bundesländern geschlossen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an alle Bürger, Sozialkontakte weitgehend zu vermeiden. Für die Wirtschaft wurden Hilfskredite in unbegrenzter Höhe zugesagt. Eine Ausgangssperre wie in Italien oder Spanien gibt es aber noch nicht.

Das Gesundheitssystem in Deutschland ist prinzipiell sehr gut, das betonen sowohl Jens Spahn als auch Experten immer wieder, seitdem die ersten Coronavirus-Fälle in Deutschland aufgetaucht sind. Dennoch greift die Regierung zu den drastischen Maßnahmen, um nicht zu viele Infektionen auf einmal zu riskieren – denn dann würden die Intensivbetten und das Pflegepersonal irgendwann nicht mehr ausreichen.

Wie versucht Deutschland Coronavirus-Infektionen frühzeitig zu erkennen?

In Italien verbreitete sich das Virus zunächst unbemerkt. Das hielten Experten auch in Deutschland für möglich. Deshalb hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) damit begonnen, Stichproben von Personen mit Atemwegserkrankungen auch auf das Coronavirus zu testen. Experten zufolge gilt Deutschland als eines der Länder mit der größten Testkapazität. Aber bedeutet das auch, dass jetzt der Corona-Test für alle kommt?

Das RKI richtete eine Koordinierungsstelle ein, um die betroffenen Akteure wie Ärzte, Kliniken, Notfallambulanzen, die medizinischen Dienste an Flughäfen, Gesundheitsämter und Labore zu vernetzen.

Daneben gibt es laut RKI auch die Möglichkeit, Menschen zu testen, wenn sie sich in einem anderen Land aufgehalten haben, in dem sich das Virus verbreitet oder die Kontakt zu einem Erkrankten hatten. Betroffene sollten sich zum Abklären telefonisch an ihren Hausarzt oder die Corona-Hotline ihrer Stadt, ihres Kreises oder Bundeslands wenden.

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Gibt es Auswirkungen auf den Flug- und Bahnverkehr?

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus ist der Flugverkehr dramatisch zurückgefahren worden. Zahlreiche Airlines strichen Flüge und legten zum Teil sogar Sparprogramme auf.

Flugzeugcrews sind zudem verpflichtet, Personen, die während des Fluges mit Fieber auffallen, am Zielflughafen zu melden. Generelle Kontrollen gibt es bisher aber nicht. Viele Einreisende aus Drittstaaten wurden an den Airports durchgewunken. Nun sind aber neue Regeln für Corona-Kontrollen an Flughäfen geplant.

Auch die Deutsche Bahn nutzen immer weniger Reisende. Das Unternehmen hat seine Kulanzregeln erweitert. Wer Fahrten für den Zeitraum bis zum 30. April gebucht hat, kann sich die Tickets erstatten lassen oder sie bis zum 30. Juni flexibel nutzen. Für Sparpreis-Tickets entfällt dafür die Zugbindung. So reagiert die Deutsche Bahn auf das Coronavirus.

Die EU-Kommission entschied zudem, einen Einreisestopp für 30 Tage zu verhängen. Zahlreiche Länder haben Grenzkontrollen eingeführt oder ihre Grenze ganz dicht gemacht.

Wo hat das Coronavirus seinen Ursprung?

Seinen Ursprung hat das Virus nach Angaben der chinesischen Behörden auf einem Fischmarkt in Wuhan, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Man geht davon aus, dass eines der Wildtiere Quelle des Virus ist. Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

Coronavirus: Welche Maßnahmen ergreift die chinesische Regierung?

Die chinesischen Behörden haben Städte in der zentralchinesischen Provinz Hubei abgeriegelt, insgesamt standen etwa 56 Millionen Menschen unter Quarantäne. Zu den isolierten Städten gehörten unter anderem Jingzhou (5,6 Millionen Einwohner), Xiaogan (5 Millionen Einwohner) und Wuhan (11 Millionen Einwohner), in dem das Virus ausgebrochen war. Mitte März sank die Zahl der Neuinfektionen stark, bis aus China schließlich verlautete, dass sich keine Menschen mehr neu angesteckt hätten. In Wuhan begann man, die Notfallkrankenhäuser zu schließen.

Die Abschottung war eine beispiellose Maßnahme. „Das ist einmalig in der neueren Geschichte, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nach Angaben eines Sprechers kein vergleichbarer Fall bekannt.

Neben den Maßnahmen in der betroffenen Provinz wurden die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land verschärft. Attraktionen wie etwa der Palast in Peking und das Disneyland in Shanghai wurden vorerst für Touristen geschlossen. In Hongkong wurden öffentliche Veranstaltungen abgesagt, die Sonderverwaltungszone hat den Notstand ausgerufen.

Im gesamten öffentlichen Nahverkehr Chinas wurden Messstationen eingerichtet, in denen Passagiere auf Symptome getestet werden. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion sollen sofort in eine medizinische Einrichtung gebracht werden.

Hat die chinesische Regierung rechtzeitig reagiert?

Die Bevölkerung in der Volksrepublik hegt tiefes Misstrauen gegen die Berichterstattung der staatlichen Medien und Angaben der Gesundheitsbehörden. Viele haben Angst, dass die wahre Bedrohung des Virus-Ausbruchs von offizieller Seite heruntergespielt wird. Schließlich war die Informationspolitik der Kommunistischen Partei Chinas beim verheerenden Sars-Ausbruch 2002 überaus intransparent – was die Epidemie damals verschärfte. Damals kamen etwa 800 Menschen dadurch ums Leben. Das neue Virus soll nach derzeitigem Stand eine harmlosere Variante sein.

Die Gesundheitskommission hatte zunächst eine Reisewarnung nach Wuhan ausgesprochen, die Behörden haben zudem Gesundheitsscanner an Bahnhöfen und Flughäfen installiert, und Präsident Xi Jinping hat in einer Rede seine Parteikader dazu ermahnt, „der Gesundheit der Bevölkerung vorderste Priorität“ einzuräumen. Bis schließlich die beinahe vollständige Abriegelung von Wuhan folgte.

• Hier geht es zur Reise- und Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amtes für China

(Theresa Martus, Julia Emmrich, Amelie Marie Weber, Fabian Kretschmer und Bettina Funk)

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