Pandemie

Corona: Drogeriemarktkette dm verkauft Antikörpertest

Dm verkauft Corona-Antikörpertests

Die von dm verkauften Corona-Antikörpertests sind ein DIY-Kit zur Blutabnahme. Die Probe wird ins Labor gesendet und die Testergebnisse gibts direkt nachhause. Das klingt zu gut um wahr zu sein? Alles, was Sie zum Thema wissen müssen, erfahren Sie hier ...

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Berlin.  Die Drogeriekette dm verkauft im Internet einen Corona-Antikörpertest. Und begründet dies mit dem Verantwortungsgefühl.

Die Drogeriemarktkette dm ist auch in Deutschland in das Geschäft mit dem Verkauf von Antikörpertests zum Nachweis einer überstandenen Corona-Infektion eingestiegen. Im Online-Angebot – und nur dort – findet sich ein Test von Cerascreen zum Preis von 59,95 Euro zuzüglich Versandkosten. Doch Verbraucherschützer und Fachleute warnen.

Das baden-württembergische Sozialministerium will das Angebot des Coronavirus-Antikörpertests bei dem Drogeriemarkt prüfen. Nach Rechtsauffassung des Ministeriums ist eine Abgabe nur an Fachpersonal zulässig, wenn solche Testkits einen diagnostischen Zweck haben. Man habe Schritte eingeleitet, um den Sachverhalt zu klären, teilte das Ministerium am Montag mit. Zuvor hatte die Zeitung „Badische Neueste Nachrichten“ darüber berichtetet.

Der zuständige dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer erklärt die Motivation des Händlers schriftlich: „Wir bei dm möchten gegenüber unseren Kunden unserer Verantwortung als kompetenter Anbieter von Gesundheitsprodukten gerecht werden“, heißt es in einer Mail. Daher habe sich dm dafür entschieden, ein Antikörper-Testkit ins Sortiment aufzunehmen, mit dem getestet werden kann, ob sich bereits Antikörper gegen das Coronavirus gebildet haben. Auch in Österreich hatte dm bereits Coronatests vertrieben.

dm: Corona-Test kann kostenlos ins Labor geschickt werden

Was genau die Käuferinnen und Käufer erwartet, ist in der Produktbeschreibung auf der dm-Webseite beschrieben: „Im Einsende-Testkit ist alles enthalten, was Sie brauchen, um sich eine Blutprobe zu entnehmen und kostenfrei an ein Partner-Labor von Cerascreen zurückzusenden“, heißt es dort. Die eingesandte Probe werde in einem akkreditierten medizinischen Fachlabor auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 getestet. Cerascreen setze dabei auf die Messung langlebiger Immunglobulin G-Antikörper.

Diese Antikörper bilden sich frühestens zwei Wochen nach der Infektion und bleiben länger im Blut als andere. Nach ungefähr vier Wochen erreichen sie ihren Höhepunkt, danach sinkt ihre Konzentration im Körper langsam und geringfügig ab. „Können diese Antikörper festgestellt werden, kann das ein Hinweis darauf sein, dass Sie bereits mit Covid-19 infiziert waren“, heißt es weiter.

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Corona-Ergebnis nach zwölf bis 48 Stunden

Banal ist der Test dabei nicht. Es braucht eine Blutentnahme und eine Registrierung auf der Cerascreen-Webseite oder in der App. Darüber hinaus müssen Fragen beantwortet werden. Dann geht das Kit in die Post. Ein Ergebnis soll zwölf bis 48 Stunden nach Probeneingang im Labor vorliegen.

„Wenn Ihre Probe ausgewertet ist, erhalten Sie Ihren Ergebnisbericht über die mein cerascreen-App oder Ihr Benutzerkonto auf der Website“, so die Aussage in der Produktbeschreibung. Das Unternehmen betont, dass es nicht um einen Schnelltest handelt – es gibt kein Sofortergebnis. Lesen Sie dazu auch: Corona-Schnelltest: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Da das neuartige Coronavirus in einigen Fällen nur leichte grippeähnliche Symptome verursacht, sind sich viele Menschen nicht sicher, ob sie das Virus nicht vielleicht schon in sich hatten. Sinnvoll sei der Test von dm laut den Angaben von Cerascreen erst rund 14 Tage nach dem Auftreten der Symptome.

Warnhinweis wird zur Produktbeschreibung mitgeliefert

Zur Produktbeschreibung mitgeliefert wird auch ein Warnhinweis: „Aktuell kann aus einem positiven Antikörpertest noch nicht auf eine Immunität gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geschlossen werden. Es kann aber wahrscheinlich ein Hinweis darauf sein, dass Sie mit SARS-CoV-2 infiziert waren.“ Und: „Der Cerascreen Coronavirus-Antikörpertest ist nicht zum Nachweis einer akuten Infektion geeignet.“ Unabhängig vom Testergebnis sollten Vorsichtsmaßnahmen wie Abstand wahren, auf Hygiene achten, Alltagsmaske tragen unbedingt beachtet werden. Lesen Sie dazu auch: Drosten warnt vor Corona-Ansteckungsherden

Schnelltest oder Testkit zum Selbermachen: Unumstitten sind diese Produkte, von denen laut Medizinprodukteabgabeverordnung eigentlich nur die frei verkauft werden dürfen, die kein Sofortergebnis liefern, nicht. Die Verbraucherzentralen etwa halten generell wenig von den Selbsttests: „Viele Faktoren wie eine schlechte Probenqualität, ein unsachgemäßer Transport oder der falsche Zeitpunkt der Probenentnahme können das Ergebnis eines Selbsttests verfälschen“, heißt es in einer Mitteilung.

Falsch positive Ergebnisse könnten Menschen in falscher Sicherheit wiegen

Zweifel an der Zuverlässigkeit gibt es auch aus Kreisen der Wissenschaft: So hatten deutsche Forscherinnen und Forscher mehrerer Antikörpertests untersucht: Das Ergebnis laut einem Bericht des Deutschlandfunks: Die Quote der falsch positiven Ergebnisse lag bei den Tests zwischen drei und weniger als einem Prozent. Ein falsch positives Ergebnis aber kann gefährlich sein, weil die getestete Person meist denkt, sie sei durch die Antikörper gegen SARS-CoV-2 geschützt oder könne die Krankheit nicht mehr übertragen. Das kann vor allem für Menschen aus Risikogruppen fatal sein.

(mit dpa/raer)

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