Ticketbörsen

Ärzte-Tickets online kaufen – worauf Fans achten müssen

„Die Ärzte“: Tour und neues Album – das muss man wissen
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Berlin.  Die Tickets für die Ärzte-Tour 2020 waren blitzschnell ausverkauft. Neue Chancen bieten nun Online-Börsen. Doch die bergen Risiken.

„Zu spät, zu spät“ – als am Donnerstag die Tickets für die Ärzte-Tour 2020 in den Vorverkauf gingen, dürfte nicht wenigen Fans dieser Klassiker der Berliner Band in den Sinn gekommen sein. Ratzfatz waren die Karten ausverkauft, selbst die daraufhin angesetzten Zusatzkonzerte füllten sich binnen Minuten.

Doch als echter Fan lässt man sich natürlich nicht unterkriegen, wenn man an offizieller Stelle leer ausging. Schließlich kann so manch anderem Fan mit Ticket bis zum Konzerttermin noch etwas dazwischenkommen. Dann schlägt die Stunde der Online-Ticketbörsen. Doch viele hoffnungsfrohe Fans stürzen sich allzu blauäugig auf die Angebote.

Denn auf dem sogenannten Zweitmarkt lauern diverse Risiken. Laut Verbraucherzentrale gehören dazu Intransparenz, mangelnder Kundenservice und wenig Handhabe gegen Missbrauch. Was (nicht nur) Ärzte-Fans zum Kauf bei Online-Ticketbörsen wissen sollten und welche Rechte Käufer haben:

Konzerttickets bei Ebay und Co. kaufen: Was sind generelle Risiken?

Laut Verbraucherzentrale können beim Kauf von Eintrittskarten auf Zweitmarkt-Plattformen wie etwa Ebay-Kleinanzeigen diverse Probleme auftreten. Ein Überblick:

  • Die Tickets sind meist teurer als der ursprüngliche Preis
  • Die Tickets könnten personalisiert und nicht korrekt auf den Käufer umgeschrieben worden sein
  • Private Verkäufer könnten unprofessioneller agieren als gewerbliche Verkäufer, das Ticket etwa nicht rechtzeitig verschicken oder es sich kurzfristig doch noch einmal anders überlegen
  • Die Tickets könnten sogar Fälschungen sein

Wie schützt man sich vor Fake-Tickets?

Wer Tickets gekauft hat, für die es gar keine Veranstaltung gibt, kann nach Ansicht der Verbraucherschützer das Geld zurückfordern. Wem das passiert ist, soll demnach folgende Schritte ergreifen:

  1. Alle Kommunikation sollte schriftlich per Brief erfolgen, im Idealfall per Einschreiben mit Rückschein
  2. Darin schreiben getäuschte Kunden dann: „Hiermit fechte ich den Vertrag vom x wegen arglistiger Täuschung an. Hilfsweise erkläre ich zudem den Rücktritt vom Kaufvertrag. Ich fordere Sie hiermit auf, meine bereits geleisteten Zahlungen unverzüglich an mich zurückzuzahlen. Sollten Sie dem nicht nachkommen, behalte ich mir weitere rechtliche Schritte vor.“
  3. Hilft das alles nichts, sollte man einen Beratungstermin bei der Verbraucherzentrale vereinbaren.

Für weitere Infos lesen Sie auch das Gutachten des Marktwächterteams der Verbraucherzentrale.

Kann man personalisierte Tickets überhaupt weiterverkaufen?

Ja, das geht. Wer ein personalisiertes Ticket – also ein Ticket, auf dem der eigene Name aufgedruckt ist – weiterverkaufen will, muss es aber zuvor auf den Käufer umschreiben lassen. Die Prozedur ist je nach Veranstalter unterschiedlich und in den Augen der Verbraucherschützer gelegentlich zu kompliziert.

Der Käufer muss bei privaten Verkäufern zudem darauf vertrauen, dass die Umschreibung korrekt erfolgt ist. Das kann mitunter ins Auge gehen.

Wer Eintrittskarten bei Eventim, der wichtigsten Vertriebsplattform für Tickets aller Art, gekauft hat, diese aber wieder loswerden möchte, kann sich über das Helpcenter und die FAQ direkt an das Portal wenden. Allerdings muss man sich dafür zunächst bei Eventim einloggen, also ein Kundenkonto erstellen.

Anschließend trägt man seine Bestellnummer in ein vorgegebenes Feld ein. Die Anfrage wird dann geprüft. Der Anbieter antwortet in der Regel innerhalb weniger Tage.

Für die Weitergabe von Tickets für die Rammstein-Tour 2020 gibt Eventim bereits den Hinweis, dass die personalisierten Tickets über das hauseigene Zweitmarkt-Portal fanSALE verkauft werden können.

Auch die Tickets für die Ärzte-Tour gingen ausschließlich personalisiert in den Verkauf. Wie Fans die Karten umschreiben lassen können, haben wir bei der Band angefragt, aber bisher noch keine Rückmeldung erhalten.

Wie funktioniert Eventims fanSALE?

Eventim preist fanSALE als „das erste deutsche Internet-Portal speziell für den Weiterverkauf von Veranstaltungstickets“ an und wirbt unter anderem mit höherer Sicherheit durch geprüfte Tickets, einen transparenten Versandprozess mit Tracking und Bezahlung erst nach Erhalt der Eintrittskarten.

Zwei Labels – ein grünes Häkchen und ein blauer Händedruck – weisen Nutzer darauf hin, ob die eingestellten Tickets geprüft (grünes Label) und/oder zu einem fairen Preis (blaues Label) angeboten werden. „Fairer Preis“ bedeutet, dass das Angebot dem Originalpreis entspricht oder darunter liegt.

Kritiker bemängeln allerdings, dass Eventim noch ordentlich Provision zusätzlich zum Originalpreis erhebt. So fallen für den Käufer noch mal 15 Prozent Provision an, dem Verkäufer werden zudem 10 Prozent des Verkaufspreises abgezogen.

Auch für die Ärzte-Tour 2020 sind bei fanSALE Angebote zu finden. Diese reichen von 86,25 Euro für die Show in Wien bis zu 172,50 Euro für das Konzert in München (Stand: 16. November, 15 Uhr). Keines der eingestellten Angebote ist mit dem Fairness-Label versehen, nur die Tickets für Wien wurden als geprüft gekennzeichnet. Der Originalpreis lag in der günstigsten Kategorie bei 46 Euro, zuzüglich Gebühren.

Wie sieht es aus mit Tickets von Viagogo, ticketbande, Ticketrocket und Co.?

Für die Ärzte ist die Lage klar: „Bitte ignoriert die angeblich auf Viagogo und anderen Gangster-Portalen erhältlichen Tickets zu Mondpreisen, das ist reine Phantasie“, warnt die Punk-Band nach dem kompletten Tour-Ausverkauf auf ihrer Website. Dort begegne man oft betrügerischen und/oder überteuerten Angeboten.

Für Viagogo ist das inzwischen gut belegt. Einer Studie zufolge kosten Viagogo-Tickets das Dreifache des Originalpreises. Zuvor hatte das ZDF-Politmagazin „Frontal 21“ über Wucherpreise bei Viagogo berichtet. Aber nicht nur die Preise sorgen für Ärger.

2017 hatte Viagogo Tickets für eine nicht existierende Show von Comedian Carolin Kebekus verkauft. Ein Autor von uns fiel im gleichen Jahr beim Kauf von Karten für das DFB-Pokalfinale auf die Plattform herein: So läuft das miese Ticket-Geschäft von Viagogo.

Die Verbraucherzentrale reichte bereits Klage gegen Viagogo ein. Das Landgericht München I gab ihr in diesem Sommer in wesentlichen Punkten Recht. Die Ticketbörse wurde etwa dazu verpflichtet, Kunden die Identität und Anschrift der wahren Ticketverkäufer zu nennen.

Bisher hatte Viagogo den Eindruck vermittelt, selbst Verkäufer der Eintrittskarten zu sein. Das Portal wollte gegen das Urteil Berufung einlegen.

Bei einer Stichprobe unserer Redaktion wenige Tage nach dem Ausverkauf der Ärzte-Tickets waren bei Viagogo Hunderte Konzertkarten im Angebot. Pro Ticket wurden dabei zwischen 170 und sagenhaften 675 Euro aufgerufen.

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