AUSSTELLUNG

Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna zeigt „Bright“

Für den „Milky Way“, den galaktischen Milchweg von Björn Dahlem, braucht es fast eine Sonnenbrille.

Für den „Milky Way“, den galaktischen Milchweg von Björn Dahlem, braucht es fast eine Sonnenbrille.

Foto: Melenk

Unna.   Viel Licht für trübe Tage: Nach der Ausstellung „Dark“ setzt das Lichtkunstzentrum Unna mit der neuen Schau „Bright“ jetzt auf Helligkeit.

Stecken Sie Ihre Sonnenbrille ein! Es wird grell-hell. „Bright“ folgt auf „Dark“ – damals wurden im Lichtkunstzentrum Unna Installationen in totaler Finsternis gezeigt, jetzt gibt’s gleißendes Licht. Sehgewohnheiten werden wieder auf die Probe gestellt. Zumal die Künstler ihr Herz an technische Errungenschaften verloren haben, die bald verloren sind: Neonröhren mit ihrem ultra-weißen Licht, das wir nur noch aus der Garage oder dem Krankenhaus kennen. Auch die gute alte Glühbirne wird hier noch einmal groß gefeiert, bevor sie bald wohl erlischt.

Ein Kopf stehendes „T“ ertastet den Raum

Raumgreifend ist die Kunst mit Licht, das Museum brauchte mehr Platz. Deshalb wandern Objekte zum ersten Mal ins Obergeschoss. Ein riesiger „Blister“ des Berliner Künstlers Volkhard Kempter schwebt in der Schwankhalle der einstigen Brauerei. Die 150-Kilogramm-Skulptur aus 50 Leuchtstoffröhren spiegelt sich in den Fensterfronten und überstrahlt in ihren Ausmaßen den Raum.

Im Keller fasziniert Kempter mit kleineren Arbeiten, die sich der Vergänglichkeit des Lichts widmen, etwa einer immer weiter wachsenden „Neon-Kerze“ und ei­ner Installation mit alten Röhren, die nach zuckenden Blitzen ihr technisches Leben aushauchen.

Ein intensives Erlebnis

Björn Dahlem (Potsdam) konstruierte für den Keller einen galaktischen „Milky Way“. Auf seiner weißen Milchstraße darf der Besucher wandern und sich über das Universum wundern. Ein intensives Erlebnis. Während sein vergleichsweise kleiner „Mond“ – gebaut aus Holz, Alltagsgegenständen und großen Glühbirnen – den Betrachter vor allem verblüfft, weil er nicht aus sich selbst heraus leuchtet. Er entfaltet seine Wirkung erst durch Spiegelungen und Reflexionen.

Das Künstler-Duo Ursula Molitor und Vladimir Kuzmin aus Köln malt mit Licht. Eine Woche lang hat es an seinem Werk „Extension – model 1:1“ gebaut. Und es sieht immer noch unfertig aus. Kabel, Werkzeug, ein Arbeitshandschuh liegen noch herum. So soll es sein. Ihr Kunstwerk will gar nicht fertig werden. Es wuchert immer weiter in den Raum – Spiegelfolien lassen die grafischen, architektonischen und leuchtenden Formen und Gestänge vermeintlich weiter wachsen. Vergangenheit trifft auf Zukunft, Neon auf LED.

Zehn Meter unter der Erde

Der Portugiese Pedro Cabrita Reis liefert in dem 3000 Meter großen Labyrinth – zehn Meter tief unter der Erde – mit „Standing and Laying“ schließlich eine klare, konstruktivistische, minimalistische Arbeit ab. Mit einem auf dem Kopf stehenden „T“ ertastet er den Raum und leuchtet ihn gleichzeitig aus. Das ist so schlicht wie stark.

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