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„Wrong Creatures“ – Neues vom Black Rebel Motorcycle Club

Peter Hayes, beim Black Rebel Motorcycle Club zuständig für Gitarre und Gesang.

Foto: Monika Idems

Peter Hayes, beim Black Rebel Motorcycle Club zuständig für Gitarre und Gesang. Foto: Monika Idems

Essen.   Wie Halluzinationen im Traum: Die neue Platte „Wrong Creatures“ zählt zu bemerkenswertesten in der Diskografie des Black Rebel Motorcycle Club.

Liveauftritte nutzen Bands gern, um für ihre neue Platte zu werben. Als der Black Rebel Motorcycle Club bei seiner Europa-Tournee im November auch durch die deutschen Metropolen wie ein Orkan wütete, gab es für die Freunde des schmutzigen Rock’n’ Roll einige neue Stücke auf die Ohren. Doch das komplette Studioalbum „Wrong Creatures“ ist jetzt erst erschienen.

Dass diese Platte überhaupt existiert, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit: Leah Shapiro, die Schlagzeugerin der vor 20 Jahren in San Francisco gegründeten Formation, musste sich 2014 einer Hirnoperation stellen. Eine Fehlfunktion hatte ihren Balance- und Koordinationssinn massiv getrübt – für eine Drummerin die schlimmstmögliche Diagnose. Doch der Eingriff funktionierte, mitfinanziert von den Fans mitfinanziert. Eine Spendenkampagne brachte über 33.000 Dollar ein, mit deren Hilfe die OP-Kosten gestemmt werden konnten. Shapiro ist längst genesen. Und wer sie kürzlich beim Konzert in Berlin auf ihr Instrument einprügeln sah, erkannte auch, dass sie es ist, die den Rebellen-Kessel unter Dampf setzt und die zackigen Riffs ihrer Bandkollegen Peter Hayes (Gitarre, Gesang) und Robert Levon Been (Bass, Gitarre, Gesang) anpeitscht.

Aufnahmen zogen sich zäh in die Länge

Trotz Shapiros unbändiger Energie zogen sich die Aufnahmen für das mittlerweile siebte Album zäh in die Länge. Weil das Trio aus Perfektionisten besteht und es sich in endlosen Verbesserungsversuchen zu verlieren schien. Bis Produzent Nick Launay, der schon mit Nick Cave und Arcade Fire zusammengearbeitet hat, ins Boot kam. „Ohne ihn hätten wir wohl auf ewig im Proberaum gesessen“, sagt Shapiro heute.

Herausgekommen ist ein Zwölf- Stücke-Werk, das zu den bemerkenswertesten in der Diskografie zählt. „Spook“ gibt als rasanter Wegweiser das Tempo vor, „King of Bones“ ist idealer Soundtrack für nächtliche Motorradritte über einen verlassenen Wüstenhighway. „Ninth Configuration“ und „Calling Them All Away“ schließlich wabern durchs Hirn wie Halluzinationen in einem flirrenden Fiebertraum.

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