Literatur

Wiederentdeckt im Storm-Jahr: „Draußen im Heidedorf“

Theodor Storm.

Theodor Storm.

Foto: dpa/zb-Archiv

  2017 wurde der 200. Geburtstag Theodor Storms gefeiert. Oberhausener Walter Zimorski hat seine Novelle „Draußen im Heidedorf“ neu herausgegeben.

Zum ausklingenden Storm-Jahr – der Geburtstag eines stillen Meister des poetischen Realismus jährte sich zum 200. Mal – sei auf eine Perle aus der editorischen Werkstatt Walter Zimorskis hingewiesen.

Es ist ja nicht Ausnahme sondern Regel, dass die Macht der großen literarischen Würfe das restliche Schaffen in den Würgegriff nimmt. Schiebt man die schöne Last des Kanons („Der Schimmelreiter“/ „Pole Poppenspäler“) zur Seite, blickt man zum Beispiel auf das Schicksal der Leute „Draußen im Heidedorf“. Storms 1872 entstandene Novelle hat Zimorski mit reichem, anregenden Kommentar diesen Herbst herausgegeben. Die packende Erzählung ist Zeugnis, wie sehr Storm – als Amtsrichter mit fast allen Tragödien menschlichen Daseins konfrontiert – dieses Leben verarmender Bauern, schöner Mägde und verbohrter Traditionalisten aufsog wie ein Schwamm.

„Draußen im Heidedorf“ zeigt die ganze Meisterschaft des Erzählers Theodor Storm

„Draußen im Heidedorf“, keine 40 Seiten lang, ist packend auskolorierte Prosa aus der Provinz, ländliche Stände- und Liebes-Tragödie, wetzt aber durchaus mit Lust das Messer des Schauertons, wenn es auf dem Kirchhof heult und in einer Welt, die den Glauben an Geister und Spuk längst noch nicht aufgegeben hat, spitze Zähne durchs nächtliche Fenster blitzen. Der Landvogt Storm ist dem Ich-Erzähler nah: ein Richter, der ein hässliches Rätsel lösen muss, in dessen Zentrum ein kopflos verliebter Bauer und ein allzu attraktives, mit den Vorurteilen des verbretterten Dorfkosmos’ konfrontiertes Slowakenmädchen stehen.

Der Oberhausener Walter Zimorski, als Germanist lange in der Erwachsenenbildung tätig, hat sich über Jahre als Kenner und Herausgeber deutscher Literatur des 19.Jahrhunderts profiliert, Fontane und Storm sind ihm eine Herzensangelegenheit. Die Akribie, mit der Zimorski in Ergänzung zum philologischen Pflichtprogramm (Briefe, Quellen, Zeittafel) noch kleinste Steine ins Verständnis- und Assoziationsmosaik fügt, imponiert. Hier reicht sie vom botanischen Torfmoos-Exkurs bis zum historischen Mobiliar nordfriesischer Höfe.

Theodor Storm: Draußen im Heidedorf. 116 S., Igel Verlag,16€

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