Internationale Kurzfilmtage

Wie die Medien weltweit über Oberhausen berichten

Großer Bahnhof für den kurzen Film: Mit Live-Vertonung von Musik-Kassetten am Mini-Mischpult zeigte die Filmklasse Mainz ihren im Intercity gedrehten – und entwickelten – Reisefilm „Strangers on a Train“ im Oberhausener Hauptbahnhof.

Foto: Daniel Helbig

Großer Bahnhof für den kurzen Film: Mit Live-Vertonung von Musik-Kassetten am Mini-Mischpult zeigte die Filmklasse Mainz ihren im Intercity gedrehten – und entwickelten – Reisefilm „Strangers on a Train“ im Oberhausener Hauptbahnhof. Foto: Daniel Helbig

Oberhausen.   Die Kurzfilmtage sammeln nicht nur Stilblüten und Elogen in ihrer weltweiten Presseschau, sondern auch Korrespondenten-Eindrücke von Oberhausen.

Wenn Filmkritiker aus Japan über Iran bis Kanada berichten, dann kann die Auswertung vieler hundert Berichte und Feuilletons über die 64. Kurzfilmtage etwas länger dauern. Und sie kann für amüsante Überraschungen sorgen – oder haben Sie vom 3. bis 8. Mai etwa Luftballons zwischen Lichtburg und Kulturvilla schweben sehen?

„Luftballons der Erde überzogen“

Doch der Internationale Wettbewerb, so heißt es im slowenischen Filmportal dokumentarni.net, „hat einen großen Teil der Luftballons der Erde von den Philippinen bis Palästina mit einer großen Bandbreite an Filmpoesie überzogen“.

Sabine Niewalda, die Pressesprecherin der Kurzfilmtage, räumt ein: Das ist nur heiße Luft aus der Poesiefabrik von Google Translator – und fand deshalb keine Aufnahme in der offiziellen Presse-Rückschau. So haben die fleißigen Auswerter in der Kufita-Villa zwar auch Berichte aus dem Iran, der Slowakei, Estland, Kroatien und von Russland bis Japan aus dem Netz gefischt – jedoch: Es fehlte an Fremdsprachen-Kapazitäten.

Was sich seriös und ohne Ballon-Fantastik übersetzen ließ, lieferte neben Analysen der großen Themen des 64. Kufita-Programms und manchen Detail-Einblicken für cineastische Feinschmecker auch Schlaglichter auf den Schauplatz: Denn nur an den sechs Kurzfilm-Tagen im Mai hat Oberhausen ein so internationales Publikum – und zudem ein so junges, das die Stadt, zwischen vielen Kinobesuchen, zum ersten Mal kennenlernt.

Rundschau: Ein Hunger nach Avantgarde

Und Luftballons waren tatsächlich doch dabei – nicht draußen am blauen Himmel, sondern drinnen im warmen Saal. Die Frankfurter Rundschau würdigte den „Hunger nach Avantgarde“ und erzählte vom jungen Filmemacher Peter Miller: „Sein Mitmachkino, bei dem ein Filmstreifen durch alle Sitzreihen abgerollt wird oder die Zuschauer Luftballons wie im Schattentheater in den Lichtstrahl halten, berührt naiv, aber tief.“

Filme von ehrfurchtsloser Schönheit

Einen kühleren Blick auf das Motto „Abschied vom Kino“ lieferte artechock.de: „Hier wird die Geste des Filmens wichtiger als der Film als gestaltetes Werk, wenn Handlungen des Alltags ohne Werkanspruch auf 16mm gebannt werden.“ Die meisten Stimmen, wenn’s um die künstlerische Bewertung des Festivals geht, klingen enthusiastischer – wie das Mubi Notebook, das „Filme von unaufdringlicher und ehrfurchtsloser Schönheit“ beschwärmt. Und die frankokanadische Point de Vues meint bewundernd: „Welche Inspiration, ein Festival zu sehen, dessen Selbstvertrauen so groß ist, dass es sich eine so enorme Freiheit herausnehmen kann!“

Die Essays des kanadischen Korrespondenten Paul Landriau tragen treudeutsch-kulinarische Schlagzeilen wie „Stangenspargel“, „Bauernfrühstück“ und „Hähnchenschnitzel“. Sein Eindruck von Oberhausen, dieser „unauffälligen“ Stadt: „Überall Bäume, überall Grün, es tut gut, einfach so spazieren zu gehen.“

Das US-amerikanische Mubi Notebook zitiert zwar den Abriss-Slogan vom „Detroit Deutschlands“ – korrigiert sich dann aber selbst und nennt „die Kurzfilmtage genau wie die Stadt, in der sie stattfinden, einen geheimen Schatz“. Der Autor des britischen Art Monthly vergleicht Oberhausen mit jenen „New Towns“, die in den 1950ern rund um London am Reißbrett entstanden, und lobt an der „Arbeiterstadt“ ihren „beständigen Bürgersinn, ihre ordentlichen öffentlichen Plätze und grünen Boulevards“.

Von Arbeiterstadt schreibt auch die deutsche filmgazette.de – zeigt sich sonst aber ziemlich kiebig: „Einmal im Jahr schlägt in Oberhausen ein Meteorit ein, der sich als Raumschiff entpuppt und ein paar Tage Verwirrung stiftet.“ Ricardo Brunns herbes Resümee: „Nirgendwo ist ein Filmfestival so sehr Fremdkörper wie in Oberhausen, einer Stadt ohne Kunsthochschule und Universität.“

>>>INFO: Weitere Stimmen aus aller Welt

„Sehr entspannt und freundlich“, so erlebte Italiens ATP Diary die Kurzfilmtage-Stadt. „Das Festival hat uferloses Wachstum vermieden und genau die richtige Größe beibehalten.“ Das peruanische Filmportal desistfilm.com, ambitioniert und zweisprachig in Englisch und Spanisch, nennt das Festival-Programm eine „ernsthafte, gelehrte und cinephile Untersuchung der komplexen Themen, die mit den Bewegungen von 1968 zusammenhängen“. Die altehrwürdigen „Cahiers du Cinéma“ aus Paris, für die einst Francois Truffaut und Jean-Luc Goddard schrieben, lenken den Blick auf Spezialitäten wie die internationalen Archiv-Schätze: „eine mitreißende Carte Blanche“.

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