Klassik in der Philharmonie

Weihnachtsklänge aus Russland, Frankreich und Kuba in Essen

Dirigierte in der Essener Philharmonie: Thomas Hengelbrock.

Dirigierte in der Essener Philharmonie: Thomas Hengelbrock.

Foto: Daniel Dittus

Essen.  Evonik-Konzert in der Essener Philharmonie mit Hengelbrocks Balthasar-Neumann-Ensemble: Bewegende Weihnachtsmusik mit einer kleinen Überraschung.

Wenn Evonik-Chef Christian Kullmann ebenso wie Ministerpräsident Armin Laschet beim traditionellen Konzert in der Essener Philharmonie auch auf die NRW-Bewerbung für die Olympischen Spiele 2032 abhob, war es dem gemeinsamen Weihnachtswunsch nach Völkerverständigung und Respekt vor dem Anderen geschuldet. Als musikalische Botschafter hatte dazu der Chemiekonzern wie in den Vorjahren Thomas Hengelbrock und sein Balthasar-Neumann-Ensembles eingeladen. Zu einem wie immer hochkarätigen Adventsmusizieren, das diesmal nach Russland und Frankreich führte.

Agnes Kovacs (Sopran) und Linard Vrielink (Tenor)

Zauberhafte Raritäten brachte Hengelbrock mit, und wenn es schon ein Weihnachtsoratorium sein musste, dann doch wenigstens von Camille Saint-Saëns. So ganz ohne Pauken und Trompeten, dafür mit Streichern, Harfe und Orgel im intimen Harmonium-Sound (auch das kann die große Kuhn-Orgel im Alfried-Krupp-Saal). Romantische Handschrift, wunderbare melodische Eingebungen und barocke Mehrstimmigkeit verwob der Meister hier zu vollkommenem Wohlklang. Daran war der Balthasar-Neumann-Chor – homogen, durchschlagskräftig wie andachtsvoll – ebenso beteiligt wie die fünf profilierten Solisten, unter denen Agnes Kovacs (Sopran) und Linard Vrielink (Tenor) den besonderen Applaus verdient hatten.

„O Tannenbaum“ mit Unterhaltungsmusik gemischt

Im ersten Teil konnte das Ensemble seine subtilen Instrumentalqualitäten herausstellen, neben einem von Legato-Ruhe getragenen Adagio von Tschaikowsky mehr noch Glasunows Thema und Variationen g-Moll, ein facettenreich dargebotenes Kleinod. Dazwischen die holzschnittartige Eindringlichkeit der russisch-orthodoxen Kirche mit geistlichen Chorstücke von Pawel Tschesnokow. Die Herzen der Besucher freilich dürfte die junge Kubanerin Jenny in der 1.Violine erobert haben, die als Komponistin ein mit U-Musik unterhobenes „O Tannenbaum“ beisteuerte – Deutsche Weihnacht in Havanna!

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