Musik-Tipps fürs Fest

Weihnachten für die Ohren – Pop und Klassik, Jazz und Folk

Zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann ist genug Platz für festliche Töne.

Zwischen Nikolaus und Weihnachtsmann ist genug Platz für festliche Töne.

Foto: Getty

Aus den unzähligen Neuerscheinungen mit Weihnachtsmusik haben wir acht Alben herausgesucht, die man sich eher anhören sollte als „Last Christmas“.

Zerbrechliches Fest mit Magne Furuholmen

Das schönste Pop- Weihnachtsalbum seit Jahren: Magne Furuholmen, bekannt als Keyboarder von a-ha, hat mit „White Xmas Lies“ (Drabant Music) melancholische, zerbrechliche und ehrliche Songs aufgenommen, die gar nicht überzuckert sind und trotzdem Fest-Stimmung machen. Wehmütig blickt er in „There Goes Another Year“ darauf, dass das Fest eine Zeit zum Resümieren ist, eben eine „Season To Be Melancholy“, wie einer der heitersten Songs des Albums heißt. 16 hinreißende Songs, meist mit Synthie und Akustikgitarre, mit toller, brüchiger Stimme gesungen. Weihnachten hat wieder einen Sinn.



Still, von Herzen

Das berühmteste Weihnachtslied der Welt steht im Zentrum eines ganz besonderen Albums: Franz Xaver Grubers „Stille Nacht“ (Label Mozartiana Classics) ist eine CD, aus der vor allem die schlichte, zu Herzen gehende Frömmigkeit der alpenländischen Weihnacht spricht. Wir hören die Ur-Version mit sechs Strophen für zwei Männerstimmen und Chor, begleitet tatsächlich auf jener Gitarre, die dem Priester gehörte, der einst den Text schuf: Joseph Mohr. Viel zu wenig bekannte weihnachtliche Werke Grubers ergänzen dieses komplett österreichisch besetzte Album – samt Glockenklang aus dem Zillertal.

Chicagos Christmas

Viele Deutsche denken bei Chicago an den Megahit „If You Leave Me Now“. Was der Band nicht gerecht wird. „Chicago Christmas“ (Warner) ist schließlich das 37. Album in ihrer langen Karriere und bereits das vierte, das sich um das Thema Weihnachten dreht. Da ist es umso erfreulicher, dass die Jungs um die Gründungsmitglieder Robert Lamm Lee Loughnane und James Pankow diverse neue Songs geschrieben haben, die den typischen Chicago-Stil gekonnt mit weihnachtlichen Klängen mixen. Romantisch, besinnlich und zwischendurch dann doch gewürzt mit ein paar Standards des Genres. Chicago, das merkt man schnell, hat nichts verlernt.

Bebop unterm Baum

Das sind mal wirklich Black Christmas – und das im besten Sinne, denn diese erdige Mischung aus Jazz und Soul, aus Gospel und Funk vereint zig Stile der Black Music. Angeführt von Big-Band-Leader und Saxophonist Pee Wee Ellis, der seinen „Spirit Of Christmas“ (Minor Music Records) mit einer ureigenen Mischung aus Inspiration und Improvisation würzt. Ein locker-leichter, manchmal ergreifender Begleiter durch die Adventszeit, wenn man ein Herz auch für die kleinen, gefühlvollen Jazz-Eskapaden hat. Und wie unverkrampft Lisa Bassenge auf einmal sogar „Stille Nacht“ erklingen lässt, das lässt die Liebe zum Klassiker fast wieder erstarken.

Ein Londoner Bach

Ein Londoner Ensemble mit barocken Weihnachtsklängen aus Deutschlands Osten? „Solomon’s Knot“ tut’s einfach und legt mit „Magnificat. Christmas in Leipzig“ (Sony Classical) einen beeindruckenden Mitschnitt vom jüngsten Advent an der Themse vor. Das ist ein Album für jene, für die Weihnachten eher spirituelle Einkehr als Zuckerwatte bedeutet. Um Bachs Großtat in Kantatengestalt siedelt das wunderbare, auf historischen Instrumenten spielende Ensemble (die Sänger singen auswendig, auf Dirigenten wird verzichtet) Werke zweier Thomaskantoren vor Bach an: Schelles „Machet die Tore weit“ und Kuhnaus „Magnificat“.

Wenn Rossi swingt

Achtung, Verwechslungsgefahr: Juliano Rossi nennt sich dieser Mann, ist aber nicht verwandt mit Semino. Kein Schlager! Sondern Swing – auch zum Weihnachtsfest, von dem er befürchtet, dass es „The Last White Christmas“ (Künstlerhafen) sein könnte. Neben ein paar frischen Nummern hat Rossi (eigentlich Oliver Perau aus Hannover), überwiegend angloamerikanisches Liedgut gecovert. Das wurde aber so frisch arrangiert, dass man dieses Album gar nicht aus dem CD-Spieler nehmen will. Perfekt für ein beswingliches Christmas und gekrönt durch ein wunderbares Duett mit Norwegens Jazz-Sirene Rebekka Bakken: „Baby It’s Cold Outside“.

Das Chris-Kind jazzt

Bei Weihnachtsliedern denkt man ja eher an Blockflöte als an Mundharmonika. Doch Chris Kramer ist mit „Chris(t)mas Time Again“ (BTM & Fenn Music) ein perfekter Begleiter zum beschwingten Baumschmücken gelungen. Und es gibt nicht nur die Mundharmonika und bluesige Sounds – Cramer, sein Pianist Niclas Floer sowie die Sängerinnen Heike Meering und die 18-jährige Nina Zaborowski wechseln zwischen Klassik, softem Jazz, tiefem Soul und festlichem Blues. Das geht von „Ich steh’ an diener Krippen hier“ bis zu „Amazing Grace“, das einen hübsch weihnachtlichen Anstrich erhalten hat.

Irisch feiern

Weihnachten ist, wenn Celtic Woman eine Platte veröffentlicht. Fünf Mal schon hat das irische Frauenensemble neue Musik zum Fest herausgebracht. Wobei die neue Musik fast immer alt ist, es sich bei den meisten Nummern um Klassiker handelt. Nr. 6. „Magic Of Christmas“ (Universal), macht da keine Ausnahme. Die vier Damen bitten zum „Sleigh Ride“, wünschen „Feliz Navidad“ und fragen „Do You Hear What I Hear?“ Das tun sie im stark irisch angehauchten Celtic-Woman-Sound – angesiedelt zwischen Kitsch und Romantik, Tradition und Moderne. Muss man mögen, aber dann wird man begeistert sein.

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