Literatur

WAZ Bibliothek des Ruhrgebiets: Aus dem Revier, fürs Revier

„Radio Heimat“: David Hugo Schmitz, Hauke Petersen, Jan Bülow, Maximilian Mundt in einer Szene des Films – der Roman von Frank Goosen ist einer von zehn Bänden in der „Bibliothek des Ruhrgebiets“.

„Radio Heimat“: David Hugo Schmitz, Hauke Petersen, Jan Bülow, Maximilian Mundt in einer Szene des Films – der Roman von Frank Goosen ist einer von zehn Bänden in der „Bibliothek des Ruhrgebiets“.

Foto: Concorde (Filmverleih)

Essen.  Die WAZ präsentiert in zehn Bänden ihre „Bibliothek des Ruhrgebiets“ – von Herbert Wilhelm Kochs „Kumpel Anton“ bis zu Autorin Hatice Akyün.

Der Strukturwandel in der Literatur des Ruhrgebiets war nicht weniger fundamental, nicht weniger schwerwiegend als der in der Wirtschaft. Hier wie dort hat der Stand der Dinge in den späten 50er-Jahren nichts mehr gemein mit dem der Gegenwart. Von Herbert Wilhelm Kochs sprichwörtlich gewordenem Kumpel Anton ist es ein weiter Weg bis zu Frank Goosens „Radio Heimat“, wenngleich beide nicht umhin können, die Eigenart des Reviermenschen mit einer großen Portion Humor zu charakterisieren – und einer souveränen Selbstironie, die in anderen Gegenden Deutschlands auch ganz gerne mal durch Schadenfreude ersetzt wird, wenn gelacht werden soll.

Wenn die WAZ-Redaktion nun gemeinsam mit dem Klartext-Verlag eine „Bibliothek des Ruhrgebiets“ in zehn Bänden zusammengestellt hat, misst auch diese die vielfältige Veränderung der Literatur zwischen Duisburger und Dortmund aus – und das nicht nur mit „Kumpel Anton“ und „Radio Heimat“ als Beginn und Schlusspunkt der Bibliothek.

Dazwischen findet sich mit Max von der Grüns „Irrlicht und Feuer“ ein Klassiker der „Literatur der Arbeitswelt“, die nach wie vor den originären Beitrag des Ruhrgebiets zur deutschen Literaturgeschichte darstellt. Doch die Literatur des Reviers besteht nicht nur aus Romanen: Josef Redings Sammelband „Nennt mich nicht Nigger“ sind vereint Kurzgeschichten nach dem Muster der amerikanischen Short Story, wie sie die deutsche Literatur der Nachkriegszeit prägten – und es ist engagierte, politisch Partei ergreifende Literatur, genau wie die Gedichte von Liselotte Rauner, die stets Lilo genannt wurde, unter dem Titel „Ein Stück Himmel“.

In Inge Meyer-Dietrichs auch für Erwachsen spannend zu lesendem Jugendroman „Plascha“ geht es um das Ruhrgebiet am Ende des Ersten Weltkriegs und kurz danach, ein Stück Literatur der Alltagswelt, der Geschichte von unten, genau wie Hans Dieter Ba­roths „Streuselkuchen in Ickern“.

Mit der „Nordkurve“ von Michael Klaus kommt der im Revier nicht ganz unwichtige Fußball ins Spiel, wobei Michael Klaus nur zu gut weiß: Entscheidend ist nicht nur aufm Platz, sondern auch drumherum. Ralf Rothmanns Roman „Milch und Kohle“ wiederum zeichnet im Rückblick aus den neunziger Jahren ein realistisches Bild von der Zeit, als der Pott noch qualmte. Mit Hatice Ak­yüns Roman „Einmal Hans mit scharfer Soße“ kommt mit vielerlei Augenzwinkern die Geschichte der Integration türkischer Zuwanderer ins Bild, wiederum mit einer großen Portion Selbstironie.

Die einzelnen Bände der „WAZ Bibliothek des Ruhrgebiets“ sind in einer gebundenen Ausgabe im Buchhandel zu Preisen zwischen 7,95 Euro und 12,95 Euro erhältlich.

Ebenfalls erhältlich sind sie in den WAZ-Leserläden. Nur dort gibt es die zehn Bände der „Bibliothek“ im Schuber – für Abonnenten zum Sonderpreis von 85 Euro, für alle anderen für 95 Euro.

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