Musical

Wallace kämpft ab November 100 Mal in Duisburg

Greift ab 14. November in Duisburg zum Schwert: Patrick Stanke in der Rolle des Freiheitskampfers William Wallace

Greift ab 14. November in Duisburg zum Schwert: Patrick Stanke in der Rolle des Freiheitskampfers William Wallace

Foto: ES / Gruppe C Photography / Gruppe C Photography

Duisburg/Edinburgh.  Wallace heißt das Musical, das am 14. November in Duisburg startet. So will das Theater am Marientor die Zuschauer in die Show locken.

Also bitte. Keinen Respekt mehr, die Leute. Hupen gleich, nur weil sie einen Augenblick warten müssen wegen der Fotos, die gerade gemacht werden am Ende der King’s Street im schottischen Stirling. Noch dazu von William Wallace, einem ihrer Nationalhelden. Oder zumindest von Patrick Stahnke, der den Wallace spielt und deshalb in mittelalterlichen Kostümen und mit möglichst bösem Blick auf der Straße steht. „Wir machen in Duisburg ein Musical über Wallace“, erklärt Wolfgang DeMarco Passanten. Zwei Männer schütteln lachend den Kopf. „Crazy“ – verrückt.

Nicht für DeMarco. „Die Idee dazu hatte ich schon vor 25 Jahren“, erzählt der Künstlerische Leiter des Duisburger Theaters am Marientor (TaM), während er in strömendem Regen vor der Burg von Stirling steht. Zu einer Zeit also, als das Revier zwischen Bochum und Duisburg noch träumt vom „Broadway an der Ruhr“ und sich im TaM „Les Miserables“ darauf vorbereiten, auf die Barrikaden zu gehen. Der gebürtige Wiener ist damals allerdings öfter am echten Broadway in New York, als in NRW. Nach einem BWL-Studium hat er als Flugbegleiter angeheuert und schreibt sich nebenbei am „Lee Strasberg Institute“ ein.

„Wir erzählen die Geschichte ganz anders“

Anschließend bleibt er immer öfter am Boden, spielt sich durch die Musicals der Bühnen in Österreich. Mozart, Evita, Gaudi, Cats, Phantom der Oper, DeMarco ist überall dabei – mal in kleinen, mal in großen Rollen. Im Hinterkopf aber bleibt der Traum vom Mittelalter-Musical. Um William Wallace soll es sich drehen, jenen Mann, der im 13. Jahrhundert lange Zeit erfolgreich gegen die Besatzer aus England kämpfte. Bis man ihn verriet und er in London grausam hingerichtet wurde.

2005 verschlägt es DeMarco nach Duisburg. Seinen Traum nimmt er mit. Doch ihn zu verwirklichen dauert. „Es war ein langer steiniger Weg.“ Dieser Weg scheint nun zu Ende. Am 14. November soll „Wallace“ starten. DeMarco, dessen Zigarettenstummel in der Hand längst vom schottischen Landregen gelöscht worden ist, nickt: „Weltpremiere“, sagt er. Was ja ein Wort ist, das nicht allzu oft zusammen mit Duisburg in einem Satz genannt wird. Aber davon lässt sich einer wie DeMarco eben sowenig irritieren wie von der Frage, ob die Deutschen bei Wallace nicht eher an Edgar als an William denken. So unbekannt, glaubt er, sei der schottische Freiheitskämpfer gar nicht zwischen Alpen und Bodensee. „Es gab ja den Film.“ Den gab es, der wurde mit Oscars überschüttet, aber der hieß „Braveheart“.

Den Namen hätten sie auch gerne gehabt für ihr Musical, „aber der war nicht zu bezahlen.“ Vielleicht sogar ganz gut, glaubt DeMarco. Es geht um den gleichen Helden, das schon, „aber wir erzählen sein Leben ganz anders“. Näher dran an der wahren Geschichte. Aber dennoch nicht so brutal. „Familienfreundlich.“ Trotz all der Schlachten und der rauen Zeiten, in denen der Titelheld gelebt hat? „Wir deuten vieles nur an.“

DeMarco scheint sie mit seiner Begeisterung alle mitgenommen zu haben am TaM. Vielleicht auch, weil den Sinn für die Realität nicht völlig verloren hat. Natürlich müssen genügend Leute kommen, wenn die Show sich rechnen soll. „Ich kenne die wirtschaftlichen Notwendigkeiten. Da hilft mein BWL-Studium.“DeMarco hat deshalb auch seine Kontakte aus der Zeit in den USA genutzt. Ob Bühnenbild oder Musik, er hat Leute engagiert, die in Branche bekannt sind, hat sie aber dazu gebracht, quasi auf Erfolgsbasis zu arbeiten. Je besser die Show läuft, desto mehr Geld bekommen sie. Deshalb müsse die Auslastung der Vorstellungen nicht so hoch sein wie bei vergleichbaren Shows.

„Viele Leidenschaft und Heimatverbundenheit“

Wird sie aber, ist der künstlerische Direktor überzeugt. Zum einen, weil er „eine ganz tolle Besetzung“ habe, allen voran Patrick Stahnke in der Hauptrolle. Er habe sich sofort mit der Wallace identifizieren können, sagt der 39-Jährige. „Er hasst Ungerechtigkeit. Das geht mir auch so.“ Dem Publikum hoffentlich auch. „Wallace verkörpert Leidenschaft und Heimatverbundenheit“, sagt DeMarco und findet: „Das ist doch ganz typisch für das Ruhrgebiet.“

Am Abend gibt es Hörproben. Am Ende ist man verwundert. Kein Dudelsack. „Nein“, sagt DeMarco. „Da haben wird bewusst drauf verzichtet. Wir wollten keine Klischees bedienen.“ Deshalb trägt auch niemand einen Kilt auf der Bühne. „Die gab es damals noch nicht.“

So kann sich Stahnke auch darauf beschränken, für die Promotion-Fotos immer wieder in hohe Lederstiefel und Weste zu schlüpfen. So angezogen geht es später 242 Stufen hoch auf das „Wallace Monument“, einen steinernen Turm nahe Stirling. Es regnet und eine steife Brise weht, als Stahnke auf dem Plateau ein großes Schwert schwingt. Immerhin: Niemand hupt.

>>> Wallace – das Musical: ab 14. November; Karten ab 41,90 Euro unter www.ruhrticket.de oder 0201/804 6060

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