PHILHARMONIE

Volles Haus bei Glass’ „Einstein on the Beach“ in Essen

Das Collegium Vocale Gent und das Ictus-Ensemble bei „Einstein on the Beach“ von Philip Glass in der Philharmonie Essen.

Das Collegium Vocale Gent und das Ictus-Ensemble bei „Einstein on the Beach“ von Philip Glass in der Philharmonie Essen.

Foto: Sven Thielmann, Essen

Essen.   „Einstein on the Beach“, die Antioper des Minimalisten Philip Glass, bereicherte das Programm des Festival „Now!“ in der Essener Philharmonie.

Auf der Bühne sieht’s aus, als würde noch aufgebaut. Menschen in Alltagsklamotten stehen, sitzen oder laufen ein wenig umher. Doch was sich als vorbereitende Betriebsamkeit darstellt, ist bereits Bestandteil einer großen Performance. In Essens Philharmonie wird „Einstein on the Beach“ gegeben, jene Antioper des Minimalisten Philip Glass, Mitte der 1970er entstanden, die längst Kult geworden ist.

Entsprechend haben sich die Jünger der musikalischen Endlosschleife, der Loops und der maschinenhaften Repetition in hellen Scharen aufgemacht, um dieses Finale des Neue-Musik-Festivals „Now!“ zu zelebrieren. Um sich treiben zu lassen von den auf- und absteigenden Wellen des Klanges, von kleinsten rhythmischen Verschiebungen oder den Harmonien fern jeder Dissonanz.

Humanistischer Streiter für Gerechtigkeit

„Einstein“ besitzt jede Menge musikalische Sogkraft, erzählt aber keine Geschichte. Immerhin gibt es reichlich Anspielungen: Das ständige vokale Abspulen von Zahlen verweist auf den Physiker, Violinpassagen, die wie fragmentierter Bach oder Paganini klingen, beleuchten Einstein als passionierten Geigenspieler. Und ein Text zum Thema Frauenbewegung schielt auf den Wissenschaftler, der zugleich humanistischer Streiter für Gerechtigkeit war.

Szenisch wird davon jedoch nichts beglaubigt. Ein paar Lichtspielereien und die Arbeitsatmosphäre auf der Bühne, das ist alles. Glass’ Klänge zielen dreieinhalb Stunden lang auf unsere Loslösung von Zeit und Raum, auf einen Trancezustand, auf willige Hingabe. Mancher mag darin gar Erlösung finden, von was auch immer. Andere verschwinden vorzeitig, strecken vor so viel Nebelmaschinerie zwecks Weichspülung des Geistes die Waffen.

Ein hartes Stück Arbeit

Andererseits wird deutlich, dass diese Musik für jeden Interpreten, hier das famose Ictus-Ensemble, das großartige Collegium Vocale Gent sowie Suzanne Vega mit virtuoser Sprechstimme, ein hartes Stück Arbeit ist. So gesehen, ist das „Bühnenbild“ gut getroffen. Immerhin.

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