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Preiswürdig und progressiv: Dream Theater in Oberhausen

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Lieben deutsches Essen: Dream Theater um John Petrucci (links).

Lieben deutsches Essen: Dream Theater um John Petrucci (links).

Foto: Century Media Records / Sony Music

Oberhausen.  Dream Theater sind nun Grammy-Gewinner. Die Garanten für technisch anspruchsvollen Metal-Sound kommen Mitte Mai nach Oberhausen.

Inmitten der Reichen und Schönen, in Anzug und Krawatte, fühlt sich John Petrucci eigentlich nicht so wohl. Der Anfang April unternommene Ausflug auf fremdes Terrain hat sich für den Gitarristen der Progressive-Metaller Dream Theater allerdings gelohnt. In Las Vegas durfte Petrucci den ersten Grammy der Bandgeschichte entgegennehmen. Renommierte Kollegen wie die Deftones oder Rob Zombie hatten mit ihren Songs in der Kategorie „Best Metal Performance“ das Nachsehen gegenüber „The Alien“, dem fast zehnminütigen Eröffnungsstück des aktuellen Albums „A View From The Top Of The World“.

Entsprechend gut gelaunt klingt der 54-Jährige im Interview, gerechnet hatte er mit dem Sieg nicht: „Das ist Wahnsinn, wirklich unglaublich. Bands wie wir, die derart komplexe Musik machen, kriegen eigentlich so gut wie nie einen Grammy. Da wurde ein Kindheitstraum wahr, als ich auf die Bühne lief, um ihn entgegenzunehmen, ein absolut surreales Gefühl.“ So ganz abtauchen in die beim Grammy präsente Promi-Welt konnte er aber nicht: „Meine Frau und ich gingen zu der Sony-Aftershowparty. Sicher waren da auch viele Popstars. Wir kennen die nur alle nicht.“

Auf der aktuellen Europa-Tournee, die zwei Wochen nach der Verleihung im nordirischen Belfast startete, blickt Petrucci dafür nicht nur vor der Bühne in viele bekannte Gesichter: „Wir haben wieder unseren alten Tourbusfahrer, der uns schon vor der Pandemie in Europa gefahren hat.“ Der bringt die Band zum 14. Mai nach Oberhausen, etwa zwei Stunden werden Dream Theater auf der Bühne stehen.

Dream Theaters aktuelles Albumcover kommt aus Norwegen

Im Fokus des Konzertabends stehen Songs der aktuellen LP, unterlegt von, so Petrucci, „großartig aussehenden Hintergrundvideos“. Darin enthalten dürfte womöglich das Covermotiv der Platte sein. Es zeigt es den Kjeragbolten im norwegischen Sandnes. Der begehbare Monolith ist in mehr als 1000 Meter Höhe in einer Felsspalte eingeklemmt und eines der beliebtesten Touristenziele in Skandinavien.

„Wir wünschten uns für das Cover eine steinige, felsige Optik, aber nichts zu Offensichtliches, wie es im Metal oft gemacht wird. Hugh Syme, unser langjähriger Grafiker kam dann mit dem Kjeragbolten an. Das Motiv trifft es fantastisch.“ Selbst vor Ort war Petrucci aber noch nicht: „Ich würde die Stelle in Norwegen gerne mal besichtigen. Ich weiß aber nicht, ob ich mutig genug wäre, da drauf zu steigen.“

Bartöl und Bourbon

Statt mit Reisen nach Skandinavien vertrieb sich der Musiker die Zeit in den vergangenen zwei Jahren mit anderen Projekten. Ein eigener Bourbon-Whiskey erschien ebenso wie ein eigenes Bartöl, doch auch musikalisch war der gebürtige New Yorker sehr aktiv. Ein Soloalbum, das erste nach 15 Jahren, nahm er genauso auf wie eine Platte mit seiner Zweitband Liquid Tension Experiment.

Zudem konnte endlich ein Herzensprojekt finalisiert werden. Eine achtsaitige (!) Gitarre, die auch auf „A View From The Top Of The World“ zu hören ist. „Sie war über mehrere Jahre im Bauprozess. Was das Spielen und das Songs schreiben angeht, ist der Unterschied zur normalen Gitarre gar nicht so groß. Was aber wächst, ist eben der Klangraum. Ich muss meine Hände halt etwas anders halten, aber habe mich schnell dran gewöhnt.“

Treue Fanbasis in Deutschland

Hierzulande erfreuen sich Dream Theater schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert großer Beliebtheit. Mit dem dritten Album „Awake“ (Platz 15) fuhr die Band 1994 erstmals nennenswerte Verkäufe ein, seither schaffte es jede LP in die Top 20 der Charts. Krönung: „Distance Over Time“ kletterte 2019 auf die Spitzenposition. „Wir hatten in Deutschland immer schon fantastische Shows mit fantastischem Publikum. Es ist sensationell, dass wir mit unserer Musik bei Euch so hoch charten, gegen all die großen Popstars oder Rapper. Die charten so hoch, weil sie so viel gestreamt werden. Wir landen da aber, weil unsere Musik auf CD und vor allem auf Vinyl viel gekauft wird“, freut sich Petrucci.

Die Anhängerschaft ist aber beileibe nicht das einzige, dass den Gitarrenvirtuosen gerne in die Bundesrepublik zieht. „Ich bin vor allem gerne da, wo es Weißwurst und Weißbier gibt. Generell liebe ich deutsches Essen. Das beste Essen auf der US-Tour im Februar und März bekamen wir in einem Restaurant von einem deutschen Auswanderer in Ohio. Tatsächlich ist bei uns auf Tour neben den Konzerten das Essen das Wichtigste, wir reden ständig darüber.“ Da mag man ihm doch wünschen, dass beim Besuch in Oberhausen Zeit für eine ordentliche Mantaplatte bleibt.

>>> INFO: Dream Theater live

Konzert: 14.5. Oberhausen, Turbinenhalle. Karten ca. 72 €.

Regelmäßig veröffentlichen Dream Theater im Rahmen ihrer Reihe „Lost Not Forgotten Archives“ frühere Konzertaufnahmen als LP, CD und Stream. Am 10.6. erscheint die nächste Ausgabe, „The Number Of Beast“. 2002 coverten Dream Theater das gesamte Iron-Maiden-Album bei einem Konzert im Pariser Théâtre de la Mutualité.

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