Interview

Mia Julia: So erleben wir wieder „richtig geile Partys“

| Lesedauer: 7 Minuten
Kann es kaum erwarten, wieder mal so richtig die Sau rauszulassen: Mia Julia.

Kann es kaum erwarten, wieder mal so richtig die Sau rauszulassen: Mia Julia.

Foto: mia julia

Essen.  Ob im Bierkönig, auf den Olé-Festivals oder bald auf Hallentour: Mia Julia sorgt überall für Stimmung. Wir sprachen mit ihr über Musik und mehr.

Wo das Bier in Strömen fließt, ist sie zuhause: Mia Julia Brückner hat sich zu Deutschland populärster Stimmungssängerin gemausert. Songs wie „Mallorca (da bin ich daheim)“ und „M.I.A. meine Gang“ sorgen seit 2012 nicht nur an der Playa de Palma, sondern auch bei heimischen Festivals wie „Oberhausen olé“ für beste Stimmung. Nun geht die 35-Jährige in der Region auf „Scheiss auf Zuhause“-Hallentour, bevor sie ab dem 7. April wieder regelmäßig donnerstags und sonntags im Bierkönig auf Mallorca zu sehen ist. Mit Patrick Friedland sprach die als Erotikfilmdarstellerin berühmt gewordene Brückner über ausgelassene Partys, den Umgang mit bösen Kommentaren und ungewöhnliche Pandemiekonzerte im vergangenen Sommer.

Für diejenigen, die nicht da waren: Wie muss ich mir Partyschlager-Auftritte im „Bierkönig“ am Ballermann mit Abstands- und Hygieneregeln vorstellen?

Mia Julia Brückner: Anfangs standen Bierbänke drin, an denen nur vier oder sechs Leute sitzen durften. Später kamen die Bänke dann raus und Stehtische mit Hockern rein. Und dann war es fast so wie früher …aber eben nur fast.

Die Stimmung der vorpandemischen Zeit kommt da kaum auf, oder?

Das dachte ich am Anfang auch. Aber es war wirklich superlaut. Die Leute waren unfassbar dankbar und man merkte, dass sie sowas einfach wieder gebraucht haben. Die haben sogar auf den Tischen rumgehauen. Aber es ging nichts kaputt, ich weiß, dass ich wieder kommen darf … (lacht)

Der Terminplan für 2022 ist ja auch prall gefüllt. Sie haben über 200 Konzerte anstehen.

Ja, viele Verträge werden seit 2020 aufgeschoben, die Termine werden jetzt nach und nach alle nachgeholt. Ich hatte schon ein wenig Panik, dass ich mein zehnjähriges Bühnenjubiläum nicht feiern kann, aber es sieht ja jetzt sehr gut aus.

Wie unterscheidet sich eigentlich eine Hallentour von den Mallorca- oder Schlagerfestival-Auftritten?

In erster Linie dadurch, dass auf Mallorca die Gäste alle aus verschiedenen Regionen kommen und eben in Urlaubsstimmung sind. Aber egal ob „Bierkönig“, Olé-Festival oder Halle: Am Ende eskalieren alle und drehen durch. Ich kitzele da schon aus jedem die Stimmung raus. Auch unter der Woche hat es bisher immer super funktioniert.

Wie haben Sie sich in den vergangenen zwei Jahren die Zeit vertrieben?

Am Anfang war es wohl für alle Künstler so, dass man in ein Loch fiel und nicht wusste, wie es weitergeht. Nach und nach kamen dann wieder die Ideen, wir produzieren gerade ein neues Partyalbum, das ich nur noch einsingen muss. Ansonsten kann ich sagen, dass ich eher mein altes Hobby wiederentdeckt habe ... (lacht)

Hatte Ihr Wiedereinstieg ins Erotikfilm-Geschäft Auswirkungen auf die Musikkarriere?

Eigentlich sind die Veranstalter sehr locker und entspannt, was das angeht. Manche meinen sogar, dass sie darauf gewartet haben, bis ich den Weg wieder einschlage. Dass ich bei Silbereisen & Co. deshalb nicht eingeladen werde, stört mich jetzt nicht. Wenn jetzt ein Format sagt: „Da wollen wir nichts mit zu tun haben“, dann kann ich damit leben. Ich unterscheide klar zwischen Bühne und Erotik, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe für mich. Wir sind ja auch nicht mehr im Mittelalter, ich bin eine gestandene Frau, die weiß, was ihr Spaß macht.

Auch wegen der Zweitkarriere: Wie gehen Sie mit bösen Kommentaren und Neidern um?

Schwieriges Thema. Mobbing ist in den Sozialen Medien extrem verbreitet, weil jeder Internet-Rowdy spielen kann. Es macht da, glaube ich, keinen großen Unterschied, ob man jetzt Promi oder nicht berühmt ist. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, gewöhnt man sich vielleicht eher daran. Das war vor zehn Jahren schon so, dass viele mich gegen mich gestimmt, mich beleidigt haben und das hat sich eigentlich nicht wirklich geändert, weil bei vielen auch Neid dazu kam.

Was raten Sie?

Man sollte dem Ganzen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken und diese wunderbare Funktion „Blockier-Haken“ nutzen, da bin ich sehr großer Fan von. Man muss sich das nicht anhören, sich nicht damit rumärgern und davor schützen. Die einzigen Menschen, die mich wirklich verletzen können, sind die, die mir nahestehen.

Kommen bei Auftritten irgendwelche unschönen Zwischenrufe?

Wenn jemand meint, mich beleidigen zu müssen, kontere ich meist lustig. Ich bin ein Fan von Humor lockerer Art. Hart auf hart ist schlechte Kommunikation. Bei Auftritten müsste schon wer bewusst reingehen, um irgendwas zu rufen. Wenn ich irgendwo angekündigt werde, egal wo, kommen eigentlich keine Neider, sondern nur mein Publikum. Wäre aber ein spannendes Experiment, was passieren würde. Ich bin mir sicher, dass meine Fans mich beschützen würden.

Anderes Thema: Welche Musik läuft bei einem Ballermann-Star eigentlich privat?

Wenn wir in Feierstimmung sind und die Ballermann-CD kommt, dann singe ich natürlich mit. Sonst ist von Electro über Hip-Hop, Janis Joplin, Pink bis hin zu Miley Cyrus alles dabei, immer stimmungsabhängig. Die wenigsten hören ja nur ein Genre. Ich bekomme auch ständig von Fans gesagt, dass sie sonst eigentlich gar keinen Partyschlager hören. Bei meinem Auftritt auf dem „Werner Rennen“-Festival 2019 waren überwiegend Rockbands und trotzdem hat der ganze Platz mitgefeiert. Da war ich zutiefst erschrocken, dass sich das so durchmischt.

Gab es denn mal Anfragen von genrefremden Musikern für eine Zusammenarbeit? Mia Julia, die Pop-Rock oder Rap macht?

Gibt es tatsächlich, aber da darf ich leider noch nichts zu verraten. Ein bisschen Geduld noch, bitte ...

Nachdem wir jetzt alle das Feiern über die vergangenen zwei Jahre verlernt haben: Was macht eine gute Party aus?

Ganz wichtig: Musik laut aufdrehen. Vorher am besten nochmal die Songs üben, damit man auch wirklich textsicher ist. Brüllen, ausrasten. Und wenn der Künstler auf der Bühne sagt „Jetzt bitte alle die Arme schwenken oder springen“, dann bitte mit den Armen schwenken und springen. Das ergibt immer ein richtig geiles Bild und es entsteht eine Riesen-Energiewelle von Mensch zu Mensch.

>>> INFO: Mia Julia live

Termine: 29.3. Dortmund (Westfalenhalle 2), 31.3. Mönchengladbach (Red Box), 6.4. Köln (Palladium). Karten gibt’s für ca. 40 €.

Im Vorprogramm stehen Sabbotage, Frenzy, Specktakel und DJ Balineiro auf der Bühne.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Veranstaltungstipps

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben