Elektronische Musik

Massentanz in den Mai: Endlich wieder Mayday in Dortmund

| Lesedauer: 4 Minuten
Neben erlesener elektronischer Tanzmusik steht die Mayday auch für eine beeindruckende Lichtshow.

Neben erlesener elektronischer Tanzmusik steht die Mayday auch für eine beeindruckende Lichtshow.

Foto: I-Motion GmbH E

Dortmund.  Früher Solidaritätsevent, heute Großraum-Rave: Die Mayday in den Dortmunder Westfalenhallen feiert mit etwas Verspätung ihren 30. Geburtstag.

Es erscheint heute seltsam: Dortmunds traditionsreichste Veranstaltung für elektronische Musik hat ihren Ursprung im Osten der Republik. 1991 war es, als der DDR-Jugendradiosender DT64 vor dem Aus stand. Der hatte sich in der aufkeimenden Techno-Szene großer Beliebtheit erfreut, war er doch der erste Sender überhaupt in Deutschland, der regelmäßige Genre-Shows im Programm hatte.

Nach der Wende passte DT64 aber nicht mehr ins Sendeschema der neu aufgebauten Rundfunklandschaft. Die Lenz-Brüder Fabian und Maximilian, besser bekannt unter ihren Künstlernamen DJ Dick und Westbam, hatten die Idee zu einer Solidaritätsveranstaltung und betitelten diese passend als Mayday (zu deutsch: Notruf). 5000 Menschen tanzten am 14. Dezember 1991 in einer Halle in Berlin-Weißensee bis in die Morgenstunden. Gebracht hat es wenig – im Mai 1993 war DT64 Geschichte. Als Jugendradio dient seitdem MDR Sputnik.

Seit 1993 findet die Mayday jährlich in Dortmund statt

Was aber blieb, war die Mayday. Die reiste zunächst durchs Bundesgebiet, fand in den Wintermonaten vorübergehend eine Heimat in Köln, Frankfurt und Berlin. Zusätzlich fand das Event ab 1993 jährlich am 30. April in Dortmund statt. Ab 1997 konzentrierten sich die Veranstalter allerdings nur noch auf die Westfalenhalle. Nach zwei Jahren Corona-Zwangspause wird dieses Jahr endlich wieder an Ort und Stelle in den Mai getanzt. 31 DJs bedienen in den Hallen „Arena“, „Empire“ und „Factory“ verschiedene Facetten elektronischer Tanzmusik.

Trotz des runden Geburtstags verzichten die Veranstalter der I-Motion GmbH auf einen Bereich mit Techno-Klassikern der frühen Mayday-Jahre. Beim Jubiläum vor zehn Jahren gab es noch die „Twenty Young“-Halle, in der nur DJs aus den Anfangsjahren der Mayday auflegten. So waren jetzt nicht wenige erfahrenere Raver nach der Programmankündigung für die „30 Years“-Auflage in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai durchaus enttäuscht. Denn auf einen Retro-Floor müssen sie genauso verzichten wie auf das legendäre „Members of Mayday“-Programm (zuletzt: „Friends of Mayday“), bei dem eine Auswahl der großen Mayday-Hymnen der Vergangenheit gespielt wurde. Darunter natürlich auch der Nummer-eins-Charthit „Sonic Empire“ von 1997.

Überhaupt sind wenige Veteranen aus den 90ern und 2000ern an Mischpulten, Tasten und Knöpfen mit dabei. Bereits vor 21 Jahren trat der Frankfurter Electro-Künstler Anthony Rother („Little Computer People“) bei der Mayday auf und ist damit der dienstälteste Aktive unter den Künstlern des diesjährigen Aufgebots. Er präsentiert in der großen Westfalenhalle 1, der „Arena“, sein 90-minütiges Hybrid-Programm, sprich: eine Mischung aus zuvor aufgenommenem DJ-Set und Live-Elementen. Ebenfalls schon in den 2000ern mehrfach vor Ort und nun wieder mit dabei sind Karotte, Dubfire und Monika Kruse.

Gawlas, Schneider, Adiel & Co.: Frauen übernehmen die Decks

Letztere war in früheren Jahren eine der ganz wenigen Frauen an den Mayday-DJ-Decks – diese Zeiten haben sich längst geändert. In der „Arena“ legen Adiel, Amelie Lens, Clara Cuvé und Denise Schneider jeweils 90- bis 120-minütige Sets auf. Letztere, berühmt für melodische Techno-Sounds, sorgte 2020 mit einem viel gelobten Remix von „Sonic Empire“ in der Szene für Aufsehen. Schneider wird die Veranstaltung um 19 Uhr in der „Arena“ eröffnen.

In der Königsklasse der DJs angekommen ist längst auch Klaudia Gawlas, die gebürtige Polin teilt sich ihren zweistündigen Auftritt um 3.30 Uhr im „Empire“ mit ihrem Bühnenpartner Sebastian López alias Flug. Kompromisslos statt melodiös geht es hingegen in der „Factory“ zu. Freunde von Hardstyle und Frenchcore dürfen sich etwa auf Dr. Peacock, Partyraiser und D-Fence freuen.

An musikalischer Abwechslung mangelt es beim wohl größten Tanz in den Mai im Westen also nicht – selbst wenn man die „guten alten 90er“ vermisst. Doch nicht umsonst lautete ja schon das Motto bei der Mayday vor 30 Jahren „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ – „Forward Ever, Backward Never“.

>>> INFO: Mayday in Dortmund

Mayday, 30.4., 19-9 Uhr, Westfalenhallen, Rheinlanddamm 200, Dortmund. Das komplette Aufgebot, den Zeitplan und Karten für ca. 68 € gibt’s auf www.mayday.de.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Veranstaltungstipps

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben