Humor

Ingrid Kühne: „Mein Sohn schreibt mir richtig gute Witze“

Ingrid Kühne ist eine waschechte Niederrheinerin – und die sind manchmal ein bisschen „zu ehrlich“.

Ingrid Kühne ist eine waschechte Niederrheinerin – und die sind manchmal ein bisschen „zu ehrlich“.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Essen.  Ingrid Kühne ist Kabarettistin, Karnevalistin, ein echtes Niederrheiner Original – und Familienmensch durch und durch. Wir sprachen mit ihr.

Sie ist der Inbegriff einer (nieder-)rheinischen Frohnatur. Die Wurzeln der Kerkener Kabarettistin liegen im Karneval, doch mittlerweile füllt die 51-Jährige auch mit ihren Soloprogrammen ganze Hallen. Im Interview mit Kirsten Gnoth verriet sie, wie das Leben mit Langeweile in Corona-Zeiten lief, welcher Ralf niemals Karnevalsprinz wird und wieso ihr manchmal der Tusch fehlt.

Ihr aktuelles Programm heißt „Okay – mein Fehler“. Geben Sie nach einem Streit schnell nach oder sind Sie ein Sturkopf?

Naja, sowas kann man selber schlecht beurteilen. Ich würde natürlich sagen, ich bin kein Sturkopf. Fragen sie meine Männer, sähe die Sache schon anders aus. Ich drücke es mal so aus, ich weiß schon, was ich will. Allerdings lenke ich bei einem Streit schnell wieder ein, denn ich bin ein Mensch, dem Harmonie wichtig ist. Hat man es sich aber einmal mit mir so richtig versaut, na gut, dann wird’s schwer.

Was war der letzte große Fehler, den Sie begangen haben?

Man wäre kein Mensch, wenn man nicht ab und zu mal ‘nen Fehler macht. Ich kann mich aber jetzt an keinen größeren erinnern, wo ich sagen würde „Oh Gott, das war aber wirklich absolut falsch.“ Wahrscheinlich, weil ich größere Entscheidungen mit meiner Familie zusammen überdenke. Okay, vielleicht war’s ein Fehler, in der Corona-Zeit aus Langeweile mehr zu essen (lacht).

„Zeitnah muss eine Entscheidung wegen Karneval fallen“

Ihre Karriere begann im Karneval. Die nächste Session steht auf der Kippe. Wie sehen Sie das?

Es ist sehr traurig, dass eine Pandemie wie Corona das ganze Leben verändert. Menschen brauchen das Feiern, die Kultur, das Miteinander. In einem Saal Karneval zu feiern, ohne mitzusingen, lauthals zu lachen und den Nachbarn zum Schunkeln in den Arm nehmen zu dürfen, kann ich mir nur grausam vorstellen. Allerdings wird es vernünftig durchdachte Konzepte geben, die ein Feiern vielleicht möglich machen. Nur muss die Politik sich langsam entscheiden, was jetzt ist. Die ganzen Vereine und Aktiven brauchen Planungssicherheit. Man kann nicht am 6. Januar plötzlich sagen: „Ach komm, jetzt feiern wir doch normal Karneval!“ oder „Na gut, dann sagen wir jetzt alles ab!“ Aber die Verantwortlichen haben ja den Weg zur Politik gesucht, dass jetzt zeitnah eine Entscheidung fallen muss.

Können Sie sich einen Fastelovend mit Maske und Abstand vorstellen?

Sehr, sehr schwer. Man stelle sich nur vor, ich steh da oben und sehe nicht, dass die Menschen lachen. Und wenn der Saal bis hinten besetzt ist, mit 400 Leuten, wo 1500 reinpassen, tut auch das der Stimmung sicherlich einen großen Abbruch. Es wird wohl eine komische und verrückte Session werden.

Waren Sie jemals mit Ihrem Mann das Prinzenpaar?

Nein, weder war, noch ist, noch werde. Mein Mann ist nicht derjenige, den es in die Öffentlichkeit zieht. Er ist eher mein Rückhalt im Hintergrund. Ich weiß: Er ist da und passt auf mich auf. Aber selbst im Rampenlicht stehen, niemals. Also wird es niemals Ralf den Ersten in Xanten geben. Zumindest nicht mit meinem Ralf, andere Ralfs, die ich in Xanten kenne, wären da durchaus ambitionierter.

Wären Sie es gerne mal gewesen?

Also ich wäre schon gerne einmal Karnevalsprinzessin geworden. Ich selbst fänd’ mich aber nicht schön genug, dieses Amt wahrzunehmen. Allerdings hab ich es als Prinzenmutter genossen, meinen Sohn Sven mit seiner Alina damals als Xantener Kinderprinzenpaar zu begleiten. Das war eine unglaublich tolle Zeit. Die beiden reden noch heute viel davon.

„Karneval ist noch heute eine Männerdomäne“

In der Bütt stehen meist Männer. Gibt es zu wenige Frauen im Karneval?

Nein, es gibt nicht zu wenige Frauen im Karneval. Sie finden nur in vielen Sälen einfach nicht statt. Der Karneval ist auch heute noch eine Männerdomäne. Es gibt kaum Sitzungen, in denen zwei Büttenrednerinnen auftreten. Aber in den kleinen Sitzungen auf dem Land oder in den Pfarrsitzungen sind es die Frauen, die mit Rede und Witz oftmals ganze Sitzungen am Leben erhalten und die Menschen fantastisch unterhalten.

2015 feierte Ihr erstes Solo Premiere. Wie war das?

Es war unfassbar schön. Das Publikum hat mich sofort getragen und es war so leicht. Man musste sich kein Gehör verschaffen, denn alle saßen ja da und wollten mich hören. Also nur mich und es war kein Lärmpegel, wie in vielen Sälen, durch den man durch muss. Es bestellte keiner laut eine Runde, während ich sprach. Keine Völkerwanderungen von der Toilette zurück. Es war schon komisch. Allerdings fehlte mir bei den ersten Soloterminen immer der Tusch. Ein Witz kam, die Leute lachten, aber kein Tusch. Das hab ich heute noch ab und zu nach der Session, wenn ich dann wieder Kabarett spiele. Lustig auch am Anfang der Session, wenn der erste Tusch kommt, dann erschreck ich mich. Aber nur einmal, dann ist es wieder wie immer.

Haben Sie mit diesem großen Erfolg außerhalb der Session gerechnet?

Ganz klares Nein. Gehofft hatte ich es schon, aber niemals mit gerechnet. Entstanden war es ja, weil viele sagten, 20 Minuten im Karneval sind zu kurz. Wir haben dann aus Spaß bei einem Wettbewerb für Kabarett mitgemacht, um reinzuschnuppern. Als ich den dann gewonnen hatte – was mir fast peinlich war –, ging alles ganz schnell.

War eine Bühnenkarriere eigentlich schon immer Ihr Traum? Immerhin standen Sie mit zwölf Jahren das erste Mal auf der Bühne.

Und hier ein ganz klares Ja! Ich liebe die Bühne, ich liebe die Stimmung, das Gefühl, die Menschen zu sehen, die lachen und die einfach mal eine Zeit lang ihre Sorgen vergessen und herzhaft lachen. Die hinterher kommen und sich für einen tollen Abend bedanken, oder sagen, dass sie lange nicht mehr so viel gelacht hätten. Das Gefühl ist nicht zu beschreiben.

„Ich habe eigentlich keine Bühnenfigur“

Wie viel von Ihnen privat steckt eigentlich in der Bühnenfigur?

100 Prozent ich! Es gibt eigentlich gar keine Bühnenfigur, denn jeder der mich kennt, weiß: Das ist Ingrid! So wie sie immer ist. Ich bin auf der Bühne dieselbe, wie die, die mit dir im Café Kuchen ist, oder in der Stadt ein Schwätzchen hält, oder im Auto vor der Ampel schimpft. Verstellen wäre auf Dauer schwer und das nehmen dir die Zuschauer auch nicht ab. Die Menschen sehen mich und sagen: „Eine von uns.“ So soll es sein.

Stimmt es, dass Ihr Sohn den ein oder anderen Witz zu neuen Programmen beisteuert?

Es ist wirklich interessant, wie Sven Witze sondiert nach gut und schlecht. Wenn er mir was sagt oder schreibt, ist es richtig gut. Es ist selten, dass ich mal sage: „Och nää, der is’ aber doof.“ Er schreibt auch schon mal dazu, dass ich das so oder so ändern könnte. Und es ist interessant, denn normal schreibe ich nur für mich. Kein anderer schreibt auch nur eine Zeile, die ich spiele. Und bei Sven ist es in den letzten zwei oder drei Jahren extrem geworden, dass er gute Sachen zusteuert. Und er freut sich, wenn ein Witz im Programm vorkommt. Dann zeigt er mir den Daumen hoch, falls er mal dabei ist.

Es gab eine Zeit, da ging es Ihrem Sohn sehr schlecht. Er lag sogar im Koma. Wie haben Sie nach dieser Zeit wieder zum Humor gefunden?

Es ist fast das Schlimmste, was man als Eltern durchleben kann. Zum Glück ist unser Sohn wieder ganz gesund geworden. Ich mag gar nicht über etwas anderes nachdenken. In der Zeit selber war bei mir gar nichts mit Humor. Es war im Sommer, wo kaum Auftritte anstanden. Bei denen, wo wir absagen mussten, war unglaubliches Verständnis für die Situation. Als Sven auf dem Wege der Besserung war, kam auch ganz schnell der Humor wieder. Er selbst hat mich gebeten, für ihn wieder zum normalen Leben zurück zu finden. Allerdings konnte ich ganz schlecht Nummern spielen, in denen Sven vorkommt. Mein Solo hab ich in dieser Zeit Gott sei Dank nicht spielen müssen.

„Niederrheiner sind manchmal zu ehrlich“

Sie kommen vom Niederrhein. Was schätzen Sie an der Region?

Ich glaube, wenn man hier geboren und aufgewachsen ist, nimmt man es als gegeben. Hier ist vieles möglich, Stadt und Land, Kultur und Ruhe, Natur und Arbeit – von allem was und in der richtigen Menge. Ich werde so oft gefragt, warum wir zieht nicht nach Köln ziehen. Doch wir sind uns einig, wenn wir wieder am Altrhein vorbei fahren, nach Hause, dann ist es doch nirgendwo schöner als hier am Niederrhein. Auch der Menschenschlag ist besonders, herzlich, freundlich und immer das Herz auf der Zunge. Man weiß, wo man dran ist.

Wie würden Sie den Niederrheiner/die Niederrheinerin an sich beschreiben?

Ehrlich, manchmal zu ehrlich, er liebt seinen Niederrhein, und wie sagte der große Hans Dieter Hüsch, den ich sehr verehre, schon so schön: „Der Niederrheiner weiß nix, kann aber alles erklären und wenn er et nich’ genau weiß, sagt der Niederrheiner: ja oder so ähnlich jedenfalls!“ Wir verstehen sämtliche Dialekte und wir kommen schnell überall klar... und egal wo du hinkommst, ein Niederrheiner ist schon da. Ich erinnere mich an einen Zettel an unserem Auto in einem Urlaub am Bodensee. Ich war vielleicht acht, wir hatten am See geparkt, waren spazieren und unser Auto hatte ein Klever Nummernschild. Als wir zurück kamen, steckte ein Zettel unter dem Scheibenwischer: Gocher grüßen Klever! Man ist also auch stolz drauf, wenn man andere trifft und outet sich auch sehr gerne selber. Auch in den Sälen, egal wo, kommen oft Gäste hinterher zu mir und sagen ganz stolz: „Ich komm auch vom Niederrhein!“

>>> INFO: Ingrid Kühne live:

Geplante Termine: u.a. 5.12. Geldern (Haus Deckers), 11.12. Witten (Saalbau), 4.3.21 Gladbeck (Mathias-Jakobs-Stadthalle), 5.3.21. Attendorn (Stadthalle), 9.3.21. Oberhausen (Ebertbad). Karten ab ca. 25 €.

Weitere Termine und Tickets auf www.ingrid-kuehne.de

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