Musik

Dark-Rocker Mono Inc.: Endlich touren mit der Nummer eins

| Lesedauer: 6 Minuten
Mono Inc. 2022 von links: Val Perun, Martin Engler, Katha Mia, Carl Fornia.

Mono Inc. 2022 von links: Val Perun, Martin Engler, Katha Mia, Carl Fornia.

Foto: Mono Inc. / m2 mediaconsulting

Essen.  Im Februar 2020 erklimmten Mono Inc. die Spitze der Charts. Die Tour zu „The Book Of Fire“ führt sie erst jetzt unter anderem nach Oberhausen.

T-Shirts zusammenlegen, CDs und Schallplatten unterschreiben, Bestellungen sortieren – es gibt wohl eine Menge Dinge, die Menschen an ihren Geburtstagen lieber tun würden. Kalle Engler hingegen machte es gar nichts aus, seinen 54. Geburtstag vor zwei Wochen mit genau diesen Tätigkeiten zu verbringen. Kurz vor dem Start der Tour seiner Band Mono Inc. stand der Gitarrist im Rahmen eines Livestreams vor der Kamera. Die Mitglieder von Deutschlands bekanntester Dark-Rock-Band stellten Fanshopbestellungen zusammen und ließen sich dabei filmen. „Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass das Livegeschäft wieder losgeht und wir wieder mehr Kontakt zu unseren Fans haben wollen, rückt so ein nicht-runder Geburtstag doch in den Hintergrund. Wir haben einmal angestoßen, dann ging es packen. Alles ist im Moment wichtiger als eigene Eitelkeit“, sagt Engler, der im Mono-Inc.-Kontext unter dem Pseudonym Carl Fornia auftritt.

Rückblende: Anfang Februar 2020 knallten die Korken, das Quartett stieg mit dem Album „The Book Of Fire“ erstmals auf Platz eins der deutschen Charts ein. „Das war Balsam auf die eigene Seele, die Eins kann uns niemand mehr nehmen. Wenn wir das nie wieder schaffen, waren wir trotzdem einmal Deutscher Meister“, sagt Engler im besten Fußballer-Sprech. Wenig verwunderlich, kickt er doch in seiner Freizeit noch im Amateurbereich. Die Laune sollte sich allerdings schnell verdunkeln, die nahende Pandemie machte zunächst alle Tourpläne zunichte.

In der Pandemie spielten Mono Inc. riesige Shows in Sportstadien

Immerhin erfreuten sich Mono Inc. mittlerweile so großer Popularität, dass im Sommer einige Buchungen für coronakonforme Konzerte hereinflatterten. Unter anderem trat die Band im Rahmen der „Strandkorb Open Air“-Reihe im Mönchengladbacher Sparkassenpark auf. „Anfangs waren wir sehr skeptisch. Aber durch die Abstandsregeln wurden die Plätze, die wir bespielen durften, riesig. Wir hätten wohl sonst niemals in Wiesbaden im Fußballstadion oder in Mönchengladbach im Hockeystadion gespielt, auf Bühnen, die wie bei Rock am Ring Leinwände haben. Die Fans waren zwar sehr weit weg, aber die Energie war letztlich doch deutlich stärker als wir es uns ausgemalt hatten“, erinnert sich der Gitarrist.

Bewusst spielten Mono Inc. seinerzeit wenig Songs des Nummer-eins-Albums. „Dieses Album ist für uns ein Meilenstein gewesen, der verdient es, gewürdigt zu werden“, sagt Engler. Dies geschieht seit vergangenem Freitag nun in verschiedenen Städten der Republik, bald stehen auch Termine in NRW an. Die dreiköpfige Familienbande – Sänger Martin hat mit Schlagzeugerin Katha Mia ein Kind und ist Kalles Bruder – unterstützt nun der neue Bassist Val Perun. Der gilt aber zunächst nur als Live-Mitglied, wie Kalle Engler erklärt: „Der Junge ist 24, ein exzellenter Musiker, der mich auf der Bühne optisch verjüngt (lacht) und erhält nun eine Chance, sich zu beweisen. Wir möchten auf der Position Kontinuität und niemanden, der jetzt die großen Bühnen mitnimmt und dann nach zwei Jahren wieder weg ist.“

Neuer Bassist

Vorgänger Manuel Antoni verließ Mono Inc. zuvor nach 18 Jahren aus persönlichen Gründen. Den Aufstieg aus den Niederungen der Gothic-Szene erlebte er aber hautnah mit. Als entscheidend für den Durchbruch sieht Kalle Engler eine gemeinsame Tournee mit dem Grafen von Unheilig im Jahr 2010 an: „Wir hatten die Anfrage und unsere damalige Agentur riet uns davon ab, weil es Image-mäßig schlecht wäre, zu schlageresk, die Leute da würden eh nur ,Geboren um zu leben’ hören wollen. Martin meinte aber: ,Nö, wir gehen da hin und rocken das Haus.’“ Zwei gute Dutzend Konzerte vor bis zu 10.000 Zuschauern pro Show gaben der Band Rückenwind – mit der darauffolgenden Tournee zum Album „Viva Hades“ waren Mono Inc. elf Jahre nach ihrer Gründung erstmals in der Lage, ihren Lebensunterhalt mit der Musik zu bestreiten.

Die Fangemeinde wuchs über Jahre, die Popularität bei Musikkritikern allerdings nicht unbedingt: Zu so manch massentauglicheren Platte erschienen zum Teil vernichtende Rezensionen, Journalisten stießen sich gerade ab dem Album „Nimmermehr“ 2013 an den dort erstmals gesungenen deutschen Texten, die bei Songs wie den Singles „Heile Heile Segen“ oder „Kein Weg zu weit“ ins Schlager-Genre abdrifteten. Die Band steht aber komplett hinter ihren Werken: „Wir sind sehr im Reinen mit dem, was wir selber wollten. Natürlich gibt es einen Teil da draußen, der nicht verstanden hat, worum es geht. Die erarbeiteten Erfolge lassen wir uns auch nicht durch 50 Kommentare kaputtmachen, wenn 20.000 die Platte kaufen. Und du willst als Band auch nicht immer das Gleiche machen, mal was probieren“, erklärt Engler.

Eigene Plattenfirma und Agentur

Meinungen der Plattenbosse können dem Quartett sowieso egal sein, wurde doch bereits in frühen Jahren die eigene Agentur und Plattenfirma „NoCut“ gegründet, das neben Mono Inc. heute 28 weitere Acts zwischen Folk-Rock, Metal, Post-Punk und Synth-Pop beherbergt. Kalle Engler ist geschäftsführender Gesellschafter und daher im täglichen Leben sehr gut ausgelastet: „Du kannst dann nicht mehr viel anderes machen. Es ist sehr zeitintensiv, aber auch sehr erfüllend, weil wir einen Künstlerstamm haben, der viel zurückgibt. Wir können auch ein wenig Vorbild für junge Bands sein, nach ersten Misserfolgen dranzubleiben, weil unsere ersten zwei Alben auch niemand hören wollte.“ Jetzt steht aber erstmal wieder Mono Inc. im Vordergrund – und damit nicht zuletzt auch der schmerzlich vermisste direkte Kontakt mit den Fans.

>>> INFO: Mono Inc. live

Termine der „The Book Of Fire“- Tour: 30.4. Köln (Live Music Hall), 11.6. Oberhausen (Turbinenhalle). Karten ca. 42 €. Am 23.7. treten Mono Inc. zudem in Köln beim Amphi Festival am Tanzbrunnen auf. Karten ab 66 € auf amphi-shop.de.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Veranstaltungstipps

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben