Kunsttour

Auf einen Urban Art Walk durch die Straßen von Düsseldorf

Werke wie das des Künstlers Fin Dac zeigt Klaus Rosskothen, Galerist des Pretty Portal, bei seinen Urban Art Walks in Düsseldorf.

Werke wie das des Künstlers Fin Dac zeigt Klaus Rosskothen, Galerist des Pretty Portal, bei seinen Urban Art Walks in Düsseldorf.

Foto: André Hirtz

Galerist Klaus Rosskothen führt bei seinen Urban Art Walks durch Düsseldorf – und öffnet einem so die Augen für Kunst im öffentlichen Raum.

Ein knallgelber Geist beobachtet mit seinen großen Kulleraugen das geschäftige Treiben mitten im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. Eine Straßenbahn rattert vorbei, Fahrradfahrer klingeln sich den Weg frei und Fußgänger laufen lautstark telefonierend zum nächsten Café. Dass über allem ein gespenstisches Kunstwerk schwebt, scheint hier jedoch niemand zu bemerken.

Einer, der den Menschen die Augen für Kunst im öffentlichen Raum öffnen möchte, ist Klaus Rosskothen (Foto). Der 51-Jährige betreibt seit zwölf Jahren die Galerie Pretty Portal, seit einem Jahr bietet er Urban Art Walks an. „Bei meinen Führungen zeige ich Werke von Künstlern, die den Stadtraum als größtmögliche Ausstellung nutzen“, erklärt er. „Im Beuysschen Sinne verstehen sie sich als Teilnehmer einer sozialen Plastik.“

Eine Reise durch die Welt der Urban Art

60 bis 70 Kunstwerke zeigt Rosskothen in seiner zweistündigen Führung, viele von ihnen befinden sich in unmittelbarer Nähe zu seiner Galerie an der Brunnenstraße. So blickt von der gegenüberliegenden Straßenseite ein großer Wolf herüber, der halb Tier, halb Maschine ist (kl. Foto). Solche Paste-Ups, auf Wand geklebte Bilder, hat der Pariser Künstler Ardif in ganz Düsseldorf verteilt, um das Zusammenspiel von Natur und Technik zu thematisieren. Damit besitzen die Arbeiten eine wichtige Eigenschaft von Kunst, so Rosskothen: „Kunst soll anregen und den Geist wecken.“

Urban Art Walks in Düsseldorf
Urban Art Walks in Düsseldorf

Und so geht’s auf eine kleine Reise durch die bunte Welt der Urban Art. Mal überrascht ein Tentakel aus Bügelperlen an einer Laterne, mal fasziniert eine gemalte Favela an einer Hauswand. Zu fast allem weiß Rosskothen eine Geschichte zu erzählen, viele Künstler kennt er selbst. Einigen hat er freie Flächen organisiert, mit anderen hat er Kunstwerke angebracht – und dabei auch die eine oder andere kuriose Begegnung mit der Polizei gemacht...

Echte Schmuckstücke in den Straßen

„Guck mal, da drüben“, ruft Rosskothen plötzlich und zeigt auf eine schon fast verblasste Figur an einer Hauswand. „Das ist ein Werk von Harald Naegeli, einem der wichtigsten Street-Art-Künstler Europas.“ Während er von dem schwierigen Leben des Schweizers erzählt, schlendert er gemütlich weiter in Richtung Boui Boui Bilk.

Am Kulturzentrum angekommen, legt Rosskothen den Kopf in den Nacken und betrachtet ausgiebig zwei riesige Kunstwerke. Die eine Hauswand ziert ein futuristischer Roboter des Künstlers Pixelpancho, an der anderen haben fünf Künstler die historische Schlacht von Worringen neu interpretiert. „Die meisten Teilnehmer sagen mir nach den Führungen immer, dass sie jetzt mit ganz anderen Augen durch die Stadt gehen“, sagt Rosskothen zum Abschluss.

Und so fällt auf dem Nachhauseweg tatsächlich der Blick auf eine vollbesprühte Hauswand, an der ein kleiner Geist mit großen Kulleraugen klebt. Schaurig-schön.

>>> Die Infos zur Tour in Düsseldorf

Die zweistündigen Urban Art Walks starten immer samstags um 12 Uhr an der Ecke Ellerstraße/Willi Becker Allee.

Tickets kosten 13 Euro und sind erhältlich auf der Seite von Düsseldorf Tourismus.

Schon gewusst?

Urban Art. Bei dieser Kunstform vermischen sich verschiedene Stile wie traditionelle Malerei, Graffiti und Pop Art. Die Künstler arbeiten häufig in Ateliers und stellen teilweise auch in Galerien aus. Doch vor allem möchten sie sich mit ihren Werken im öffentlichen Raum ein eigenes Museum schaffen.

Pseudonym. In der Urban Art bleiben die meisten Künstler anonym. Im Gegensatz zu vielen Graffiti-Sprayern geht es ihnen allerdings nicht primär darum, mit ihren Werken illegale Plätze zu besetzen. So bieten ihnen beispielsweise Hausbesitzer freie Flächen an oder aber sie führen ihre Kunstaktionen an städtischen Objekten durch.

Geister. Zwischen 7000 und 8000 bunte Geister-Sticker hat der Künstler Pdot an Düsseldorfer Straßenlaternen, Hauswände und Schilder geklebt. Dass sie damit gefühlt an jeder Ecke auftauchen und mit ihren großen Augen alles zu beobachten scheinen, erinnert an heutige Überwachungsmethoden.

Hier gibt’s noch mehr Urban Art zu entdecken

„Augen auf!“, heißt es auch bei einem Spaziergang durch die Urban-Art-Hochburg Ruhrgebiet. Die Internet-Plattform Kunstgebiet Ruhr hat auf ihrer Seite eine Route von Dortmund nach Bochum zusammengestellt. Damit lassen sich selbst im Alleingang die wichtigsten Graffiti finden.

Kunst und Kultur in den versteckten Winkeln einer Stadt entdecken – das ist auch das Konzept des achten Art Walks im Essener Nordviertel. Denn aus der nördlichen Innenstadt mit einigen Freiräumen hat sich mittlerweile ein echtes Kreativquartier entwickelt. So zeigen beim Art Walk 200 Künstlerinnen und Künstler an 13 Orten ihre kreative Arbeit, die Besucher beim Kunstbummeln erleben können.

Neben Ausstellungen wie im Atelierhaus Viehofer Straße oder im Unperfekthaus können Interessierte in verschiedenen Workshops auch selbst kreativ werden. Am Rheinischen Platz verwandeln sechs Künstler aus dem Bereich der Illustration über Malerei bis hin zu Streetart den ehemaligen Angstraum in eine lebendige Galerie. Die Aktion startet um 16 Uhr, die Versteigerung der Bilder ist um 20 Uhr.

>>> Die Infos zum Art Walk in Essen

Der Art Walk findet am Samstag, 31. August, ab 14 Uhr in der nördlichen Innenstadt von Essen statt.

Das Programm ist im Internet zu finden auf der Internetseite der Stadt Essen.

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