Ruhrliteratur

Überleben in der Küstenlandschaft Ruhrgebiet

Hafenstadt im Hochwasser.

Hafenstadt im Hochwasser.

Foto: Christian Charisius

Alles unter Wasser: Sascha Pranschkes großer Jugendroman „Am Ende der Welt liegt Duisburg am Meer“ zeichnet ein düsteres Bild vom Zukunfts-Revier

Der Titel dieses Buchs verstößt bewusst gegen die Regel, dass der kürzeste der beste ist, aber er wird schon auf der ersten Seite zum plastischen, ja dramatischen Bild: Mara und ihr kleiner Bruder Ben leben nach der „Großen Flut“ in der Küstenstadt Duisburg, und auch von Dortmund ragen nur noch die höchsten Erhebungen aus dem Wasser. Dafür floriert dort der Hafen – auf ungute Weise, wie sich herausstellen wird.

„Am Ende der Welt liegt Duisburg am Meer“ ist ein Jugendroman, aber von einem „erwachsenen“ unterscheidet ihn nur, dass Jugendliche ihn auch lesen können, gerne lesen werden, sofern sie das noch gerne tun. Die apokalyptische Stimmung erinnert an Cormac McCarthys Endzeitroman „Die Straße“. Die Katastrophe, der ständige Regen, versetzt die Menschen in einen archaischen Überlebenskampf, in dem keiner mehr keinem traut und die meisten zu hemmungslosen Egoisten werden. Am Landschaftspark Nord lauern Emscher-Piraten, sauberes Wasser ist Mangelware und wer nicht Obst und Gemüse anbaut oder Tiere hält, muss alles, was noch verwertbar ist, gegen Lebensmittel tauschen.

Realismus im Zukunftsbild

Ben und Mara haben von einem Kapitän Noah gehört, der mit seinem Schiff Menschen in Sicherheit bringt – und mit diesem Ziel beginnt für sie eine fast hollywoodreife Heldenreise, die sie auch zu einer sektenähnlichen Gemeinschaft von Jugendlichen führt. Der melancholische Optimismus, mit dem das Buch endet, ist zugleich auch ein Stück Realismus mitten im Zukunftsbild.

Von winzigen Schrammen in der Erzählperspektive (etwa wenn Ben, halb Kind, halb Jugendlicher, recht „große“ Worte und Vergleiche benutzt), versteht es Sascha Pranschke, spannend und anschaulich zu erzählen und eine Vielzahl ethischer Fragen aufzuwerfen, ohne sie gleich zu beantworten. Von ihm, der 2017 den Förderpreis zum Literaturpreis Ruhr gewonnen hat, möchte man gleich das nächste Buch lesen, sobald man dieses zugeklappt hat.

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