Klassik

Todsünden bei Tagen Alter Musik in Herne

Zu Gast bei den Herner Tagen für Alte Musik: Le Caravansérail

Zu Gast bei den Herner Tagen für Alte Musik: Le Caravansérail

Herne.   Hernes Tage Alter Musik bleiben kreativ. Der Jahrgang 2018 gilt den sieben Todsünden - und zeigt, wie sie klingen...

Der Blick zurück ist bei diesem Traditionsfestival selten einer der Sorte verschleiernder Nostalgie. Wenn Hernes „Tage Alter Musik“ auf Jahrhunderte alte Noten-Handschriften blicken, lenken sie das Augenmerk zuverlässig auf überzeitliche Konstanten.

Der neue Jahrgang – es ist die Nummer 43! – gilt einer ganzen Galerie menschlicher Abgründe. Hochmut, Geiz, Völlerei: zeitlos unschön und schon drei der sieben Todsünden, die den Herner Konzerten 2018 das thematische Dach geben. Die Macher haben es mit jener verspielten Kreativität gezimmert, die den Tagen Alter Musik ihre Frische gibt. Faulheit etwa – als Todsünde wegen der saftigeren Konkurrenzdisziplinen etwas im Schatten: Darum kreist (9.11., 23h, Zeche Unser Fritz) Musik aus der Zeit der Lazzari von Neapel. Zehntausende Tagediebe waren das und seit dem 16. Jahrhundert ein echter Schrecken der Obrigkeit und ein eigener Kosmos samt Musik und deftiger Poesie.

Hernes Tage Alter Musik widmen sich 2018 den sieben Todsünden

Wussten Sie das? Eben! Hernes Musikfest hat sich nicht zuletzt als akustischer Schlaumacher in Herzen und Ohren eingenistet. Hochkarätig besetzte Neu- und Wiederentdeckungen bürgen dort musikalisch für das Entfernen weißer Flecken auf der Bildungs-Landkarte. So Antonio Vivaldis Rarität „L’Olimpiade“ (11.11, 19h, Kulturzentrum): Die venezianische Wollust umkreisen Spitzenmusiker, darunter das La Cetra-Ensemble unter Andrea Marcon und der Countertenor Kangmin Justin Kim. Vier Tage lang spiegeln also Konzerte epochale Laster, aber auch Moral vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Für Völlerei stehen ausschweifende Barockfeste, aber auch ein pianistisches Menü von Rossini, der ja bekanntlich nur drei Mal im Leben weinen musste: einmal davon, als ein mit Trüffeln gefüllter Truthahn bei einer Kahnpartie über Bord ging.

Zu Kronzeugen des Neides werden in Herne Künstlerduelle auf der Geige, um Wollust kreist eine bislang gänzlich unbekannte Oper Alessandro Stradellas („Amare e fingere“) und Heinrich der Achte büßt zeitverzögert für seinen Hochmut, den der König besonders Damen gegenüber pflegte. Lieder und Werke aus seiner Zeit dokumentieren auf ihre Weise den Verlust der Bodenhaftung, der ja bis zum Bruch mit Rom führte, während die Carmina Burana als Gesänge Verfehlungen „von unten“ anprangerten. In Herne stimmt das Ensemble Candens Lilium nicht die gleichnamigen Bearbeitungen Orffs sondern authentische Gesänge des Mittelalters an.

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TAGE ALTER MUSIK

8. bis 11. November an verschiedenen Spielstätten in Herne. Karten zu den Konzerten kosten im Vvk 18€, ermäßigt 9.


Weitere Informationen unter tage-alter-musik.de und über das Hörertelefon des Mitveranstaltenden WDR: 0221-56789 333

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