Musikforum

Tal und Groethuysen beeindrucken beim Klavier-Festival

Starker Auftritt: Andreas Groethuysen und Yaara Tal in Bochum. 

Starker Auftritt: Andreas Groethuysen und Yaara Tal in Bochum. 

Foto: sven lorenz

Bochum.  Die Fuge im Mittelpunkt: Das Piano-Duo Yaara Tal und Andreas Groethuysen präsentierte ungewöhnliches Programm beim Klavier-Festival in Bochum.

Die Pianisten haben das Podium zurückerobert, beim Klavier-Festival Ruhr sind nach coronabedingter Zwangspause die Nachholkonzerte gestartet. Und so freute sich Intendant Franz Xaver Ohnesorg auf „75 Minuten ohne Abstand“, als er im Anneliese Brost Musikforum Ruhr das Klavier-Duo Yaara Tal und Andreas Groethuysen als Stammgäste begrüßte.

Zu einem ungewöhnlichen Programm, bei dem die israelische Pianistin und ihr deutscher Partner die Fuge in den Mittelpunkt stellten. Seit 35 Jahren sind die beiden Künstler musikalisch wie privat liiert – eine für Klavier-Duos ähnlich günstige Konstellation wie bei Geschwistern und Zwillingen. Und tatsächlich schöpfen sie wie aus einem Geist, wenn sie etwa mit 20 Fingern auf 88 Tasten als Beethoven-Rarität die Acht Variationen über ein Thema des Grafen von Waldstein ebenso sensibel wie brillant in all ihren figuralen und expressiven Umbeleuchtungen ausformen. Voll mozartischer Herzenswärme.

Tal und Groethuysen sind nicht auf Extravaganzen erpicht

Die Große Fuge in der vierhändigen Fassung op. 134 zeigte demgegenüber den seelisch gespaltenen Jubilar zwischen glasklaren, von innerer Ruhe getragenen Passagen und schroffen, bohrenden Gesten wie gleich in den Anfangstakten. Tal und Groethuysen sind dabei nicht auf eitle Extravaganzen erpicht, sie machen sich zum Anwalt der Musik und meißeln die – ursprünglich ja auf vier Streichinstrumente verteilte – dicht gefügte Mehrstimmigkeit transparent heraus.

Ein Hörerlebnis ist auch Bachs „Kunst der Fuge“, die der Komponist Reinhard Febel (*1952) in 18 Studien für zwei Klaviere für Tal und Groethuysen neu fasste und weiterdachte, mal phasenverschoben, mal gegeneinander fließend oder sich synkopisch anstoßend, mal in schwindelerregendem Tempo („so schnell wie möglich“). Und doch blieb die dargebotene Auswahl erstaunlich eng bei Bach, ganz ohne zeitgenössische Brechstange. Lange Stille am Schluss von einem spürbar beeindruckten Publikum.

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