Kino

Starkino zu bestaunen: „Das Leuchten der Erinnerung“

„Das Leuchten der Erinnerung“: Donald Sutherland und Helen Mirren.

„Das Leuchten der Erinnerung“: Donald Sutherland und Helen Mirren.

Foto: © Concorde Filmverleih GmbH

Essen.  Donald Sutherland und Helen Mirren gehen auf besondere Reise: „Das Leuchten der Erinnerung“ führt sie nach Jahrzehnten künstlerisch zusammen.

Wenn man früher im Kino von Roadmovies sprach, dann sah man zumeist junge Menschen vor sich, denen das Fahren auf weiter Strecke nicht allein pures Abenteuer bedeutete. Viele sahen die Fortbewegung auch als Reise zu sich selbst, um auch dort endlich anzukommen.

Niemand hätte damals „on the Road“ an ein altes amerikanisches Pärchen gedacht, seit 50 Jahren miteinander verheiratet, das sich in einem alten Wohnmobil vielleicht ein letztes Mal auf die große Reise macht. Ohne die völlig entsetzten Kinder über diesen Plan zu informieren, dafür aber mit allen notwendigen Arzneien. In seinem Film „Das Leuchten der Erinnerung“ erzählt der italienische Regisseur Paolo Virzi („Die Überglücklichen“) nun von dieser Reise, für die er zwei wunderbare Schauspieler gewinnen konnte.

Erfüllung gesucht, ehe die Demenz kommt

Ella Spencer (Helen Mirren, 72) will ihrem Ehemann John (Donald Sutherland, 82) endlich seinen großen Traum erfüllen, bevor er für den Rest seines Lebens in die unheilbare Demenz versinkt. Er, der frühere Professor für Literatur, hatte sich immer schon gewünscht, einmal das Haus seines Lieblingsautors Ernest Hemingway auf Key West zu besuchen. Also bricht man auf mit dem ebenfalls sehr alten „Leisure Seeker“ (etwa: Erholungssucher), um vom neuenglischen Massachusetts bis hinunter nach Florida zu reisen. Es ist diese Tour kein leichter Weg, vor allem nicht für die ebenfalls kranke Ella, denn der Mann am Steuer kann zwar noch fahren, aber seine Erinnerungen verdunkeln sich doch mehr und mehr. Da geschieht es durchaus schon mal, dass er seine Frau an einem Rastplatz einfach vergisst und Ella ihn nur noch mit Hilfe eines freundlichen Motorradfahrers einholen kann.

Sutherland spielt diese Rolle eines allmählich vergehenden Menschen mit großer Würde. Er kann immer noch eine literaturbegeisterte Kellnerin bezaubern, indem er ihr ganze Passagen aus seinen Lieblingsbüchern rezitiert. Er vermag sich immer noch zu erinnern, wenn ihn plötzlich eine ehemalige Schülerin erkennt. Und wenn Ella abends auf dem Campingplatz alte Dias auf ein Bettlaken projiziert, dann sind das die schönsten Momente für sie, weil John sich in dieser glücklichen Vergangenheit noch einigermaßen auskennt.

Aber dann verlassen diesen John Spencer plötzlich wieder Körper und Geist und er erkennt nicht einmal mehr die eigene Frau. Stattdessen hält er sie für die Nachbarin, mit der er offenbar zwei Jahre eine Affäre hatte, von der eine tief gekränkte Ella bisher nichts wusste.

Starsbesetzung mit Donald Sutherland und Helen Mirren

Natürlich kann Kameramann Luca Bigazzi hier nicht die großen Bilder liefern, wie er sie für den Oscar- Gewinner „La Grande Bellezza“ (2013) in Rom gefunden hat. Dafür sind die Straßen auf der langen Route zu eintönig, die Schnellrestaurants einander zu ähnlich. Dafür kann sich Regisseur Virzi völlig auf seine beiden Hauptdarsteller verlassen, die hier erstmals seit „Bethune – Ein Arzt wird zum Helden“ von 1990 wieder gemeinsam vor der Kamera stehen.

Den Stoff für den Film hat sich der Regisseur bei dem gleichnamigen Roman von Michael Zadoorian geholt, der bereits 2009 erschien und der jetzt endlich auch als Übersetzung auf Deutsch erschienen ist. Er hat dabei einiges geändert, etwa die Route des Ehepaars, die im Roman von Detroit nach Disneyland über die Route 66 führt. Dafür lässt er uns merken, dass das Buch voll ist von kleinen Ideen, die letztlich auch unterstreichen, wieviel Liebe da noch ist zwischen zwei betagten Menschen, so krank sie auch sein mögen.

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