Kino

Sitting Bull bei der Kartoffelernte

„Die Frau die vorausgeht“ mit Jessica Chastain und

„Die Frau die vorausgeht“ mit Jessica Chastain und

Foto: BBG Woman Walks Ahead

.   Nach „Feinde – Hostiles“ kommt nun ein weiterer Western in unsere Kinos: „Die Frau, die vorausgeht“ mit Jessica Chastain in der Hauptrolle.

Gerade erst hatte man im Kino die selten gewordene Möglichkeit, einen neuen Western auf großer Leinwand zu erleben, da naht bereits der nächste Film dieses Genres. Die Thematik mag sich dabei gar nicht so sehr unterscheiden, der Ansatz jedoch sehr wohl. Scott Cooper zeichnete in „Feinde – Hostiles“ das Porträt eines in vielen Kriegen zum Indianerhasser gewordenen Soldaten, der im Zuge eines langen Ritts schließlich Toleranz gegenüber den Ureinwohnern lernt. Auch der britischen Regisseurin Susanna White geht es jetzt in „Die Frau, die vorausgeht“ letztlich um die massenhaften Verbrechen an den Indianern. Sie aber erzählt dabei vorrangig vom Schicksal einer naiven Malerin aus New York, die sich 1889 unerschrocken ins Indianerreservat von North Dakota begibt.

Catherine Weldon (Jessica Chastain) ist gerade Witwe geworden und hat nichts Eiligeres zu tun als das Porträt ihres verstorbenen Gatten zu vernichten. Schon lange hegt sie den Traum, ein Porträt des berühmten Häuptlings Sitting Bull zu malen. Sie stellt es sich einfach vor, doch die Realität holt sie bald ein. Der Zug erreicht mitten in der Steppe seine Endstation, ihren Koffer muss sie durch unwegsames Gelände schleppen. Im Ort selbst will sie der zuständige Regierungsagent unverzüglich wieder heimschicken, ebenso der Colonel Simon Graves (Sam Rockwell). Er will auf keinen Fall, dass sie miterlebt, wie man die Indianer weiter entrechtet. Denn gerade hat man die Essensrationen halbiert, um die Lakota- Sioux und andere Stämme zu zwingen, der weiteren Enteignung ihres Landes zuzustimmen.

Gemalt werden? Nur gegen Geld!

Auch die Begegnung mit Sitting Bull (Michael Greyeyes) hat sie sich anders vorgestellt. Sie trifft den einst stolzen Häuptling bei der Kartoffelernte und muss erfahren, dass er sich nur gegen viel Geld malen lassen wird. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden eine Vertrautheit, die von Seiten Catherines fast schon in eine romantische Verklärung mündet, während Sitting Bull stets auf Abstand achtet. Immerhin lernt er von der weißen Frau, dass es manchmal besser sein kann, sich mit demokratischen Prozessen gegen die Feinde zur Wehr zu setzen statt mit Krieg. Eine fromme Botschaft fürwahr, die dann später jedoch im Kugelhagel der Schlacht von Wounded Knee untergehen wird.

Keine Frage, Jessica Chastain gibt wieder einmal alles in diesem Film. So wie sie schon immer alles gegeben hat, sei es auf der Jagd nach Bin Laden in „Zero Dark Thirty“ oder bei der Organisation von Poker-Partien in „Molly‘s Game“. Und Kameramann Mike Eley liefert großartige Landschaftspanoramen, auf die man sich bei jedem guten „Outdoor“-Western freuen darf. Trotzdem ist hier vieles zu glatt geraten. Das fängt schon bei der Figur Sitting Bull an, der in der Verkörperung des Kanadiers Michael Greyeyes eher wie ein Womanizer wirkt denn als das Original mit seiner ledrigen Haut, die man auf vielen zeitgenössischen Bildern findet. Es setzt sich fort bei Drehbuchautor Steven Knight, der sich hier die tatsächlich reale Figur der Caroline (!) Weldon reichlich zurechtgemixt hat, auf dass die hübsche Geschichte einer naiven Malerin nicht von der banaleren Realität torpediert werde.

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