Haruki Murakami

Seelensuche mit Pinselstrichen in zwei Bänden

Glückliches Japan: Hier gibt es schon beide Bände des Bestseller-Autors...

Foto: imago stock&people

Glückliches Japan: Hier gibt es schon beide Bände des Bestseller-Autors... Foto: imago stock&people

Gruselig, spannend und erotisch: Die Sinnsuche eines Porträtmalers zeigt den eleganten Pinselstrich des japanischen Nobelpreis-Kandidaten.

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Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist, heißt es bei Victor Hugo. Murakamis neuer, auf zwei Bände angelegter Roman „Die Ermordung des Commendatore“, hat den Untertitel: „Eine Idee erscheint“. Wie mächtig sie ist, weiß man womöglich erst am Ende von Band zwei, der Mitte April folgt. Was man jetzt schon sagen kann: Murakami geht es um nicht weniger als die Suche nach der Seele des Menschen.

Sein Forscher ist ein namenloser Maler, der Ich-Erzähler, der, wie so oft bei Murakami, eher findet als forscht. Die Umstände bringen ihn dazu, statt informeller Kunst Por­träts zu malen: Dafür gibt es Geld und dafür hat er eine Gabe: Seine Porträts sind Seelenporträts. Er malt sie nach Gesprächen mit dem zu Porträtierenden.

Anklänge wie bei Edgar Allan Poe

Doch als seine Ehe scheitert, hört er auf, packt Hab und Gut in einen Kombi und irrt durch Japan, bis er in den Bergen eine günstige Bleibe findet. Hier hat ein gefeierter japanischer Maler gewohnt und hier – nun ja – spukt es.

Bei Murakami tritt nicht einfach ein Gespenst auf, eher öffnen sich Türen zu anderen Ebenen der Wahrnehmung. Man kann sich an alte Geschichten von Edgar Allan Poe erinnert fühlen, an Träume, die in Träumen gefangen sind und geschwätzige Herzen.

Murakami beschreibt das gewohnt detailliert, ein wenig wie mit japanischer Tusche gemalt. Wir erfahren, welche Opern-LP gespielt wird, welches Essen es gibt und welcher Drink dazu gereicht wird und wer welches Auto fährt. Dabei sind übrigens die einzigen Unebenheiten in der Übersetzung von Ursula Gräfe zu spüren: Komischerweise schaltet der Maler mit rechts, obwohl in Japan Linksverkehr herrscht und aus dem berühmten E-Type von Jaguar wird eine E-Klasse.

Den fährt ein sehr reicher Nachbar, der den Maler nötigt, ein letztes Porträt zu malen. Dieses Mal in echten Sitzungen, der gut zahlende Kunde besteht drauf. Der Maler schafft ein abstraktes Gemälde, das aber offenbar dennoch das Wesen der Person zeigt, jedenfalls ist der reiche Kunde zufrieden ... und tritt mit einem noch bizarreren Anliegen an den Maler heran…

Mehr sei nicht verraten, auch nicht, was es mit dem Titel „Die Ermordung des Commendatore“ auf sich hat – das würde gewissermaßen die Seele des Buches enthüllen. Denn auch Texte können eine Seele haben, gerade bei Murakami. Ihm, als üblichem Verdächtigen, für Nobelpreis-Weihen, ist es gelungen, einen echten Pageturner zu schreiben. Auch, wenn nicht jeder Spannungsbogen am Ende von Teil 1 wieder den Boden berührt. Bei Murakami muss man damit rechnen, dass auch am Ende von Band 2 Dinge in der Schwebe bleiben – der heißt „Eine Metapher wandelt sich“.

>>>ALLE INFOS NOCH EINMAL IN KÜRZE

Haruki Murakami, Die Ermordung des Commendatore, Band 1, Eine Idee erscheint. 480 Seiten, Gebunden mit Folienumschlag und Lesebändchen, die erste Auflage hat einen Farbschnitt, Dumont, 26 Euro, E-Book 20,99

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