Bühnenkunst im Revier

Schweizerin Barbara Frey wird neue Ruhrtriennale-Intendantin

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) stellt Barbara Frey (rechts) als neue Intendantin der Ruhrtriennale vor. Die neue Intendanz wird am 1. November 2020 beginnen

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) stellt Barbara Frey (rechts) als neue Intendantin der Ruhrtriennale vor. Die neue Intendanz wird am 1. November 2020 beginnen

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Düsseldorf.  Nach Stefanie Carp eine weitere Frau an der Spitze der Ruhrtriennale: Von 2021 bis 2023 soll das Revier-Festival von Barbara Frey geleitet werden.

Nein, kein großes Interview jetzt. Barbara Frey braucht eine Pause, Ruhe, Besinnung, Zeit. „Ich habe jetzt zehn Jahre Intendanz hinter mir“, atmet die Regisseurin und Musikern erleichtert aus – und es war ja mit dem Schauspielhaus Zürich eine der renommiertesten deutschsprachigen Bühnen, die sie zu großen Erfolgen geführt hat, mit mehrfachen Einladungen zum Berliner Theatertreffen. Die Pause wird allerdings auch schöpferisch werden, denn die nächste Intendanz ist für die 1963 in Basel geborene Barbara Frey schon in Sicht: Von 2021 bis 2023, wie NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Mittwoch im Düsseldorfer Landtag bekanntgab, wird die Schweizerin die Ruhrtriennale leiten; bis 2020 wird das spartenübergreifende Drei-Jahres-Festival im Ruhrgebiet noch von Stefanie Carp dirigiert.

Zehn Jahre im „Wrangelkiez“ von Kreuzberg gewohnt

Barbara Frey, die in Zürich Germanistik und Philosophie studiert hat, begann ihre Karriere als Schlagzeugerin in diversen Schweizer Bands, bevor sie 1992 begann, als Regisseurin zu arbeiten, in der Freien Szene, am Nationaltheater Mannheim und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Um die Jahrtausendwende war sie zwei Jahre lang Hausregisseurin an der Berliner Schaubühne und später dann am Deutschen Theater dort.

„Ich habe vor meiner Zürcher Intendanz zehn Jahre lang in Kreuzberg im ,Wrangelkietz‘ gelebt und die Taxifahrer fragten mich immer, warum ich denn in Klein-Istanbul lebe“, antwortete Barbara Frey gestern auf die Frage, ob sie denn mit dem Bevölkerungsmix im Ruhrgebiet vertraut sei und danach ihr Programm ausrichten werden: „Das wird ein Thema sein“, versprach die Theatermacherin.

„Neue Denkorte aus stillgelegten Stahlwerken und Zechen“

Für sie entstehen „aus den stillgelegten Stahlwerken und Zechen immer wieder neue Denkorte“, die „von vergangener Zukunft“ erzählten. Und: „Die Kulturschaffenden in Nordrhein-Westfalen sind, ebenso wie das dortige Publikum, zu Recht bekannt für ihre Offenheit, Neugierde und Zugewandtheit zu allen erdenklichen Formen künstlerischer Energien.“

Sie wolle die Ruhrtriennale öffnen für 2500 Jahre Theatergeschichte, deutete Barbara Frey gestern bei ihrer Vorstellung an. Sie hat während ihrer Zürcher Zeit immer wieder auch „auswärts“ inszeniert, etwa an der Dresdner Semperoper oder am Wiener Burgtheater.

Nach fünf Männern und Stefanie Carp ist Barbara Frey erst die zweite Frau an der Spitze der Ruhrtriennale – ob das bei der Berufung eine Rolle gespielt habe? „Da bin ich völlig entspannt, weil ich unverdächtig bin, nach Geschlechtern vorzugehen. Das hat bei den Gesprächen keine Rolle gespielt“, bekannte Isabel Pfeiffer-Poensgen, die damit auch freimütig durchschimmern ließ, wessen Votum bei der Entscheidung den Ausschlag gegeben hat; die Verteilung von Frauen und Männern in der Kandidatenriege sei „ein Drittel / zwei Drittel“ gewesen, wie das in der Bühnenwelt nun mal so Realität sei. Isabel Pfeiffer-Poensgen attestierte Barbara Frey, in Zürich für ein „offenes, neugieriges und lebendiges Theater auf höchstem Niveau“ gestanden zu haben.

Vorsicht bei neue Spielorten – keine personelle tabula rasa

Bei der Ruhrtriennale möchte Barbara Frey gerne mit erfahrenen Kräften des Festivals weiterarbeiten, offenbar beabsichtigt sie keine personelle tabula rasa. Und auch bei der Frage nach neuen Spielorten deutete sie Vorsicht und Zurückhaltung an. „Der technische Apparat soll nicht alles auffressen“, sagte sie – die Erfahrungen ihrer Vorgänger scheinen ihr bereits bekannt zu sein. Aus dem Aufsichtsrat der Ruhrtriennale war ohnehin zu hören, dass die Jahrhunderthalle, die mit über 100 Millionen Euro zum einmaligen Bühnenspielort ertüchtigt worden sei, als Zentrum des Festivals weiter profiliert werden sollte.

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