Ausstellung

Schönwetter machen war gestern, heute gibt’s Klima

Hendrik Avercamp: „Winterlandschaft“ (1605, Öl auf Eichenholz) aus dem Kunsthistorischen Museum, Wien.

Foto: KHM-Museumsverband

Hendrik Avercamp: „Winterlandschaft“ (1605, Öl auf Eichenholz) aus dem Kunsthistorischen Museum, Wien. Foto: KHM-Museumsverband

Bonn.   Die Bonner Bundeskunsthalle zeigt in einer wenig stringten, dafür aber assoziativen Austellung das Wetter als gefühltes Klima im Wandel

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Als die Maler des „Goldenen Zeitalters“ in Holland ihre wimmeligen Winterbilder mit Eisläufern, frühen Eishockey-Matches und flanierenden Liebespaaren malten, feierte man in Köln sogar Volksfeste auf dem Rhein, so oft und zuverlässig war er zugefroren. Alle Wetter, das waren Zeiten. Aber es war auch Klima – denn vom 16. bis zum 19. Jahrhundert herrschte in Europa die „Kleine Eiszeit“.

Das Jahr ohne Sommer, das im Volksmund schnell „Achtzehnhunderterfroren“ hieß, hatte indes einen anderen Grund: im April 1815 war in Indonesien der Vulkan Tambora ausgebrochen – und seine Aschewolken verdunkelten besonders Mitteleuropa. 1816 kam es zu Nachtfrösten im Sommer – und zu Missernten.

Historische Details wie diese gehören zu den guten Seiten der Ausstellung „Wetterbericht“ in der Bonner Bundeskunsthalle, die von „Wetterkultur und Klimawissenschaft“ berichten soll. Wenn man berücksichtigt, dass das Wetter gefühltes Klima ist, dann ahnt man, wie weit beide Sphären auseinanderliegen können.

So erfordern die mehr als 400 Ausstellungsstücke schon ein weit gespanntes Interesse, um bis zum Schluss zu fesseln. Der Zusammenhang zwischen den „Magdeburger Halbkugeln“ des Otto von Guericke (1602-1686), mit denen dieser Physiker, Jurist und Politiker die Kraft des Luftdrucks demonstrierte (zog man die Luft aus den aufeinandergelegten Halbkugeln, konnten 16 Pferde sie nicht auseinanderziehen – ließ man die Luft wieder herein, fielen sie auseinander) und der via Seidenmalerei vermittelten Einsicht, dass sich in Japan während des Winters selbst Prostituierte warm anziehen müssen, wirkt denn doch eher um die Ecke gedacht. Zu begreifen ist in der Bonner Schau allemal, dass extreme Wetterlagen künftig Normalfall sein könnten.

Doch schon die Gliederung der Schau in Phänomene wie Sonne, Luft, Meer, Nebel, Wolken, Regen, Wind und Sturm, Schnee und Eis sowie Gewitter öffnet der assoziativen Willkür Tür und Tor. Selbstverständlich sieht man sich gern den ersten wasserdichten Gummischuh von Macintosh (mit Blümchenmuster!) an, das Original-Thermometer von Daniel Gabriel Fahrenheit (1686-1736) oder das Schraubstollen-Modell „Argentina“ von Adi Dassler, mit dem die „Helden von Bern“ sogar noch bei „dem Fritz sein Wetter“ festen Halt im aufgeweichten Wankdorf-Rasen fanden. Aber ob es wirklich das Flugskelett einer Lachmöwe oder gar die Lederjacke von Rudi Dutschke (als demonstratives Objekt dafür, dass der Druck für die Lösung der Klima-Problematik von der Straße kommen muss) bedurft hätte? Kunsthallen-Intendant Rein Wolfs nannte die Erzählweise der Ausstellung „poetisch, assoziativ, narrativ“. Stringent hat er nicht gesagt.

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