Tag der deutschen Sprache

Sale, Date und Selfie: Gefährden Anglizismen unsere Sprache?

Auch das Wort "Selfie" steht mittlerweile im Duden. Nicht jedem gefällt das.

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Auch das Wort "Selfie" steht mittlerweile im Duden. Nicht jedem gefällt das.

An Rhein und Ruhr.  Der Verein Deutsche Sprache klagt: Die Deutschen verwenden zu viele englische Wörter. Aber ist die deutsche Sprache deshalb in Gefahr?

Oliver Baer ist besorgt. Es gibt zu viele "überflüssige Anglizismen" (oder müsste man sagen: Worte englischen Ursprungs?) im Deutschen, findet der Geschäftsführer des "Vereins Deutsche Sprache" (VDS). Sie würden völlig unüberlegt und ungebremst gebraucht, klagt Baer, und oft würden sie auch noch falsch verwendet. Ist die deutsche Sprache also in Gefahr? Der VDS jedenfalls wittert schon seit Jahren eine große Verschwörung, einen "Putsch gegen die deutsche Sprache". Deshalb hat der Verein bereits im Jahr 2001 den "Tag der deutschen Sprache" ins Leben gerufen. Jedes Jahr am zweiten Samstag im September möchte der VDS zum "Nachdenken und zum persönlichen und öffentlichen Meinungsaustausch über die deutsche Sprache anregen".

Glaubt man dem VDS, dann verfällt die deutsche Sprache. "Das Problem mit den Anglizismen", sagt Oliver Baer, "ist, dass der Glaube besteht, mit ihrer Hilfe unsere deutsche Muttersprache durch eine einheitliche, englisch geprägte Weltsprache ersetzen zu können." Stirbt die deutsche Sprache also aus, weil wir Sale statt Schlussverkauf sagen oder Date anstelle von Verabredung?

Die deutsche Sprache ist voll von "fremden" Wörtern

Eher nicht, entgegnet der Linguist Prof. Dr. Ulrich Ammon, Zweigvorsitzender im westlichen Ruhrgebiet bei der "Gesellschaft für deutsche Sprache" (GfdS). "Der Gedanke, dass die deutsche Sprache verschwinden könnte, ist absurd", beruhigt er. Trotz einer Vielzahl von Anglizismen: "Englische Wörter, die in die deutsche Sprache integriert werden, sehe ich nicht als Problem", so Ammon. "Im Gegenteil. Anglizismen bereichern unsere Sprache unter Umständen auch. Shoppen sagt doch zum Beispiel viel mehr aus als einkaufen." Die Deutschen hätten außerdem im Verlauf der Geschichte schon unzählige lateinische, französische und andere fremdsprachige Wörter übernommen. "Diese Ausdrücke erkennen wir heute gar nicht mehr als fremd", so der Linguist. "Oder wissen Sie noch, dass das Wort Fenster vom lateinischen fenestra kommt?" Ebenso geläufig im Deutschen seien inzwischen Wörter wie Baby, Jazz oder cool.

Angst vor einer womöglich erzwungenen, weitgehend englischen Weltsprache, wie der VDS sie fürchtet, müssen die Deutschen wohl auch nicht haben. Im Gegenteil, so Ulrich Ammon. Deutsch sei auch im Ausland nach wie vor sehr populär und eine der meist gelernten Fremdsprachen der Welt.

Zudem sind auch einige deutsche Wörter echte Exportschlager. Das Wort Kindergarten beispielsweise hat es unverändert in den englischen Sprachgebrauch geschafft. Ebenso wie Doppelgänger, Poltergeist oder Lebensraum. In Finnland macht man kahvipaussi, also Kaffeepause, der französische Chic kommt von schick, nicht andersherum und auch in Norwegen gibt es den Besserwisser.

"Hubschrauber statt Helikopter, Schlussverkauf statt Sale"

Auch Oliver Baer räumt ein, ganz verschwinden werde die deutsche Sprache wohl nicht. "Aber", so der VDS-Geschäftsführer, "Die Frage ist doch, auf welchem Niveau wir uns sprachlich noch bewegen, wenn wir immer mehr fremde, vor allem englische Wörter übernehmen." Niveau - übrigens ein Wort französischen Ursprungs, das wohl kaum ein deutscher Muttersprachler als Fremdwort betrachten würde.

In einem sind sich Oliver Baer und Ulrich Ammon aber einig: Es ist wichtig, die deutsche Sprache zu pflegen. Denn es gibt unzählige ganz wunderbare Wörter im Deutschen! "Ich finde zum Beispiel das Wort Hubschrauber viel aussagekräftiger als das Wort Helikopter", sagt Ulrich Ammon. "Bei Hubschrauber weiß jeder sofort was gemeint ist. Dasselbe gilt für Schlussverkauf im Gegensatz zu Sale." Und Oliver Baer findet: "Das Wort piesacken ist doch wunderschön. Und ich finde, man sollte viel öfter wieder einander anstelle von sich verwenden."

Auch unseren Facebook-Nutzern fielen bei einer Umfrage auf Anhieb viele deutsche Wörter ein, die sie gerne wieder viel öfter hören würden. "Wortschätze" wie Fisimatenten, Schindluder treiben oder Dreikäsehoch waren nur einige davon. Dass wir einander auch in einigen Jahrzehnten noch verstehen und uns auf Deutsch unterhalten werden scheint also außer Frage zu stehen.

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