HOLLYWOOD

Ryan Gosling spielt Neil Armstrongs „Aufbruch zum Mond“

„Aufbruch zum Mond“:

„Aufbruch zum Mond“:

Foto: UPI

ESSEN.   Oscar-Regisseur Damien Chazelle verfilmt die Mondlandung. Er zeigt dabei den Privatmann Neil Armstrong und seine dramatische Familiengeschichte.

Donald Trump ließ schon mal verlauten, er werde sich „Aufbruch zum Mond“ nicht anschauen, der Film sei nicht patriotisch genug. Man ist ja schon froh, dass er nicht von einer Neuverfilmung der größten Inszenierung aller Zeiten spricht – aber dennoch bleibt ja die Frage: Woher die Spannung nehmen, wenn man eh weiß, wie sie ausgegangen ist, die Sache mit der Mission Apollo?

Damien Chazelles Antwort: Er wirft sich aufs Private. Wir lernen den Privatmann Neil Armstrong kennen und seine dramatische Familiengeschichte. Ryan Gosling zeigt den Helden der Nation in der Tat als fast depressiven, in sich gekehrten Charakter, bei dem man sich wundert, wie er die doch so knallharte Auslese zum Apollo-Astronauten durchgestanden haben will.

Abenteuer zwischen Welt und All

In der Tat inszeniert Chazelle ihn als Mann, der sich immer wieder sehr instabilen Situationen ausgesetzt sieht – er folgt damit einigermaßen faktentreu und einigermaßen konventionell den dramatischsten fliegerischen Momenten Armstrongs im ersten Raketenflugzeug am Rande zwischen Welt und All, beim spektakulären Zerlegen eines ersten Entwurfs der Mondfähre und im Simulator, der um alle drei Achsen kreiselt.

Da wird der Kinosaal schon mal zur klaustrophobischen Kapsel und es rüttelt und schüttelt auch die Zuschauer in ihren Sitzen. Allein: der unbewegliche Beweger bleibt der überirdisch coole Armstrong. Jenseits des Schleudersitzes indes ist er verletzt und verletzlich. Und wird unruhig, wenn er mal zur Ruhe kommt: Er und seine rehäugige Frau Janet Armstrong (Claire Foy) verlieren ihr zweites Kind, die Tochter Karen, als diese zwei Jahre alt ist. Neil stürzt sich von da an in die Arbeit und ins All und schafft es kaum, innigen Kontakt zu Frau und Kind zu halten. Und später ist es der Todesfall der drei ersten Apollo-Astronauten, die bei einem Test in der Kapsel verbrennen, der ihn zu neuen Taten animiert.

Eine Landung im Meer der Ruhe

Viel Tod und Trauer also für Janet und Neil. Ryan Gosling und Claire Foy ringen diesem Familiendrama viele starke Augenblicke in türkisblau und tiefbraun ab, rührende Familienszenen inklusive. Auch ganz am Schluss, als der Mondheld wie im Gefängnis hinter Glas in Quarantäne bleiben muss und seine Frau ihn besucht. So nahe wie bei dieser Trennung waren sich Neil und Janet nie.

Der Weltraumheld erscheint trotz des Familienlebens als einsamer Wolf, dem ein Rendezvous mit der eigenen Gattin schwieriger erscheint als eines mit einem tänzelnden Satelliten im All. Eben jenes bei seinem ersten echten Weltraumflug an Bord der Gemini-Kapsel, bei dem er das Andocken im Orbit übt. Leider dreht dabei die Kapsel durch, eine Steuerdüse klemmt und katapultiert die beiden Astronauten fast in die Ohnmacht, ehe Armstrong die Kapsel stabilisieren kann.

Erinnerung an „2001 – Odyssee im Weltraum“

Dieses dramatische Rendezvous-Manöver mit dem Satelliten im Erdorbit wird musikalisch mit sehr ähnlichen Walzermotiven unterlegt wie die legendäre Anfangssequenz von „2001 – Odyssee im Weltraum“. Ohnehin schlägt Chazelles Vergangenheit aus dem Musical-Film „La-La-Land“ und dem Schlagzeuger-Drama „Whiplash“ kräftig durch. Insbesondere beim dramatischen Anflug der Mondfähre auf den Erdtrabanten. Durfte Neil Armstrong auf dem Mond noch im „Meer der Ruhe“ aufsetzen, so badet Gosling bei seinem Anflug im voluminösen Streicherklang.

Echten Stil und einen neuen Akzent hat die Überakzentuierung nur selten einmal, wie beispielsweise Antirassismusdemos eingeflochten werden, in denen die sozialen Missstände in einem frühen Rap zusammengefasst werden: Wir Schwarzen ersticken in Armut und Dreck, aber ihr schickt einen Weißen auf den Mond.

Armstrong hatte den Blues

Zu Neil Armstrongs Ehrenrettung in diesem Punkt muss allerdings gesagt sein: Wenigstens hatte er den Blues. Das zeigt Chazelles Drama überdeutlich.

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