Ruhrgebiets-Literatur

Revier-Literat Josef Reding starb mit 90 Jahren in Dortmund

Josef Reding im Jahre 2004 mit einigen seiner bekanntesten Bücher.

Josef Reding im Jahre 2004 mit einigen seiner bekanntesten Bücher.

Foto: Bernd Thissen / picture-alliance / dpa/dpaweb

Josef Reding war der letzte Ruhrliterat der älteren Generation, sein Werk war engagiert, kam auf den Punkt. Nun ist er mit 90 Jahren gestorben.

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Der Ruhrgebiets-Schriftsteller Josef Reding war der letzte große Ruhrgebietsschriftsteller der alten Generation. Der langjährige Vorsitzende des NRW-Schriftstellerverbands gründete in seiner Wahl-Heimatstadt Dortmund die „Gruppe 61“ mit.

Schon früh reifte der 1929 als Sohn eines Filmvorführers in Castrop-Rauxel Geborene zu einem engagierten Literaten heran. Nach zwei Jahren als Betonarbeiter nahm er in Münster ein Germanistik-Studium auf und schloss es als Fulbright-Stipendiat in den USA ab, wo er sich schon in den 50er-Jahren für die Bürgerrechtsbewegung einsetzte und eines seiner bekanntesten Bücher seine Wurzeln hat: „Nenn mich nicht Nigger“. Reding engagierte sich als Freiwilliger im Grenzdurchgangslager Friedland, drei Jahre in den Lepra- und Notzentren Asiens, Afrikas und Lateinamerika – eine Perspektiv-Erweiterung, die ihn auch Leben, Lieben und Leiden im Ruhrgebiet sehr souverän sehen ließ.

Angeregt von Dickens, Hemingway und Dos Passos

Als Literat zeichnete er sich durch einen knappen, lakonischen und so nach Ruhrgebiet klingenden Stil aus. Gegen die „Überfütterung der Sinne mit dem Blätterteig klebrigen Scheinwissens“ setzte Josef Reding stets das „genaue Wort“ und nahm jede Nuance wichtig. Seine bevorzugte Gattung war neben Hörspielen und Theaterstücken vor allem die Kurzgeschichte. Die Kriegsgefangenschaft bei den Amerikanern und seine US-Aufenthalte hinterließen auch literarisch tiefe Eindrücke, vor allem in Gestalt der „Short Story“, deren ideale Form er sich in der kritischen Auseinandersetzung mit den Werken von Charles Dickens, Ernest Hemingway, John Dos Passos und William Faulkner aneignete.

Reding machte seine Erlebnisse zum literarischen Material, tauchte seine Geschichten in die „Lauge des Alltags, diese müde Jauche aus Sorgen und rosafarbenen Wünschen und zerkochtem Tratsch“ und zog Erzählungen heraus, in denen Einzelschicksale zu Musterfällen kristallisierten. Dafür wurde ihm unter anderem der Literaturpreis Ruhr und der Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis verliehen.

Rezitation zum 90. mit Volker W. Degener und Heinrich Peuckmann

Doch als Josef Reding im vergangenen März sein 90. Lebensjahr vollendete, konnte er an der Rezitation seiner Werke durch Volker Degener, Heinrich Peuckmann und andere auf Einladung in der Dortmunder Stadtbibliothek schon nicht mehr teilnehmen, seine Kräfte neigten sich dem Ende zu. Nun ist der Vater dreier Söhne am Freitagmorgen in seiner Dortmunder Wohnung tot aufgefunden worden. Es bleibt uns nur das Dementi einer seiner bekanntesten Gedichtzeilen, der zufolge nicht Popocatepetl, Chichicastenango oder Ouagadougou das schwerste Wort ist, sondern – „Danke“. Zum Abschied von Josef Reding jedoch ist es das einzig angebrachte.

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