Musik

René Kollo: „Ich bin verliebt in Richard Wagner“

Gut drauf  –  und stets mit Mut zur Meinung. Tenor René Kollo im Januar 2018.

Gut drauf – und stets mit Mut zur Meinung. Tenor René Kollo im Januar 2018.

Foto: Michael Rauhe

Berlin.   Der große Tenor René Kollo ist 80 Jahre alt. Er singt noch und nimmt nun Abschied mit einer Tour. Ein Gespräch über Kraft, Ängste und Katharina Wagner

Wagners Walküre? Kein Problem! „Winterstürme wichen dem Wonnemond...“ – er kann es noch. René Kollo geht auf Abschiedstournee. Sie heißt nach seinem Alter: „80“! Ehe der mit enormer Vitalität gesegnete Startenor in Düsseldorf und Bochum Ade sagt, traf Lars von der Gönna Kollo zum Gespräch – munter, mutig, meinungsfreudig.

80 – und Heldentöne in der Kehle. Wie geht das? Mit Sport, Herr Kollo?

René Kollo: Nee, kein Sport, gar nix, nicht mal in den Zeiten, als ich ein riesiges Bühnen-Pensum hatte. Fünf, sechs Stunden Tristan, Siegfried, das i s t Hochleistungssport, das reicht, das hat mich gesund gehalten.

Jahrzehnte Tristan, Siegfried, Lohengrin, Tannhäuser: Haben Sie gezählt, wie viele Male?

Nie, der Placido macht das, der führt Buch über jeden Vorhang. Was vorbei ist, ist vorbei. Was gewesen ist, zählt für mich nicht mehr.

Ist das das Unsentimentale des Berliners René Kollo?

Kann schon sein. Ich hab’ das nie verwechselt: die Bühne und das Leben. Ich war da oben Lohengrin – und danach wirklich ich, René Kollo. Es ist ein Beruf. Der Gesang war Darstellung.

Ein Gesang, der viele Jahre Maßstäbe setzte. Kannten Sie Angst?

Und ob. Ich habe vor Auftritten immer fünf Meter neben der Toilette gestanden. (lacht)

Aus Sorge, das Publikum zu enttäuschen?

Nein, mich selbst! Ich wollte es jedes Mal noch besser machen. Gerade bei Richard Wagner, dem grandiosesten Theatermenschen der Kulturgeschichte. Ich war und bin verliebt in Richard Wagner. Das hat mich angetrieben. Es war immer ein „Ganz oder gar nicht“.

Apropos: Sie hatten oft Mut, ein Unbequemer zu sein. Als „Tristan“ haben Sie einer Intendanten-Größe wie August Everding einen Korb gegeben, weil er die Wirkung des Liebestrankes anders deutete...

Das muss niemand nachmachen, das wäre ja heute auch tödlich: Der junge Kollege bekäme weltweit keinen Fuß mehr auf den Boden, so brutal ist der Markt. Mir war das damals wurscht. Ich konnte es nur so singen wie Richard Wagner es geschrieben hat, auch wenn ein Regisseur das anders sieht. Sonst kriege ich keinen Ton raus.

Oper ist der Ort der hehren Werte - hinter den Kulissen gelten Musentempel als Schlangengruben...

(lacht): Ja, es ist nicht alles Schiller dort. Aber es gehört wohl dazu, gerade auf der Bühne, wenn Menschen zusammen etwas machen, dass sie sich in den Vordergrund spielen, dass es Konkurrenz gibt. So kommen Intrigen, so kommt Neid. Mich hat das nie interessiert.

Kann in solchem Milieu überhaupt Freundschaft wachsen?

Kaum! Zuschauer denken das, aber so ist das nicht. Man tut etwas zusammen – für Herrn Wagner –, danach geht jeder seiner Wege.

Sie besuchen aus Treue immer noch ihre Wirkungsstätte Bayreuth, zuletzt waren Sie allerdings herb enttäuscht...

Enttäuscht? Nach Castorfs „Rheingold“ hatte ich körperliche Schmerzen! Ich musste mir im Weihenstephan erstmal anderthalb Flaschen Rotwein hinter die Binde kippen, um wieder zum Menschen zu werden. Schiller hat gesagt, der Dreck auf der Straße gehört nicht auf die Bühne. Wir müssen eine Welt gegen den Dreck schaffen. Da bin ich sehr dabei.

Ist Katharina Wagner als Festspielleiterin eine tragische Figur?

Sie ist eine tragische Figur. Dumm ist, dass sie das Haus kaputt macht. Ihr „Tristan“: Das war einfach langweiliger Unsinn!

Konzerte in Düsseldorf und Bochum

Auf seiner Tour präsentiert René Kollo Arien und Lieder von Wagner bis zur Operette, den roten Faden bilden heitere Geschichten aus seinem Leben.

21.02: Düsseldorf, Savoy Theater. 22.02: Bochum, Christuskirche, je 20h. Karten (45€ plus Gebühren) an den bekannten eventim-Vorverkaufsstellen oder unter Tel. 0211-274000.

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