Traumzeit

Rekord für Duisburger Festival „Traumzeit“

Die Band „Mogwai“ am Samstag im Landschaftspark Nord beim Traumzeit Musikfestival.

Die Band „Mogwai“ am Samstag im Landschaftspark Nord beim Traumzeit Musikfestival.

Foto: Michael Korte

Duisburg.   Kleines Festival, großer Zuspruch. So viele Besucher wie nie verzeichnete Duisburgs „Traumzeit“-Festival im Landschaftspark-Nord.

Der Sommer zeigte der „Traumzeit“ am Wochenende die kalte Schulter. Doch wie wenige andere ist das Festival unterm Hochofen in der Lage, sein Publikum auch bei Wind und Wetter in wohliger Wärme zu umarmen und alle Herzen zu erhitzen. Das spricht sich herum: Mit über 22 000 Besuchern kamen so viele wie noch nie zum dreitägigen Musikspektakel in den Meidericher Landschaftspark. Und trotz der ständig steigenden Popularität pflegt die „Traumzeit“ weiter gekonnt ihr Image des Nischenproduktes, das die Gesetzmäßigkeiten aller rummeligen Riesenfestivals bewusst ignoriert.

Auch bei der 21. Auflage vertrauten Festivalleiter Frank Jebavy und Programmplaner Marcus Kalbitzer auf die inzwischen vertraute Mischung aus etablierten Szenegrößen und spannenden Neuentdeckungen, die das Potenzial zu Publikumslieblingen aufweisen.

Mit Schlaghosen und Halstüchern eroberten die „Parcels“ bei Duisburgs Traumzeit das Publikum

Zu letzter Kategorie gehören eindeutig die Parcels. Die fünf Jungs – allesamt um die 21 – stammen aus Byron Bay in Australien, leben aber seit drei Jahren in Berlin. Und sie brachten mit ihrem groovigen Funk, Soul und Elektro-Pop die mit über 1500 Zuhörern bis unters Dach gefüllte Gießhalle zum Tanzen und Schwitzen. Da die Männer am Mikro gern auch mal auf ihre Kopfstimme vertrauten, verströmte das Ganze den Charme der Bee Gees zu discobeseelten „Night Fever“-Zeiten Ende der 70er, ohne ins Kitschige abzugleiten. Die silbern-glitzernde Bühnendeko sowie die Wahl der Klamotten (Schlaghosen, Halstuch) taten dabei ihr Übriges.

Traumzeit mit Jamaram
Traumzeit

„Das war der schönste Festivalauftritt unserer Karriere“, geriet Parcels-Keyboarder Louie Swain ins Schwärmen. Das Lob bezog er ausdrücklich aufs enthusiastische Publikum. Aber auf die ungewöhnliche Spielstätte. Die Gießhalle von Hochofen 1 zählt zu den Herzkammern des früheren Hüttenwerks. Umgeben von Eisen, Stahl und Backsteinbauten verleiht die Industriekulisse den Künstlern einen zusätzlichen Kick.

Das empfand auch Faber so. Der Singer-Songwriter (25) trat am späten Freitagabend sichtlich gelöst auf die Bühne am Cowperplatz, um die herum die beleuchteten Hochöfen und Kamine sich majestätisch in den Nachthimmel erheben. Der Schweizer freute sich über den 2:1-Sieg „seiner“ Nationalelf. Das – und ein paar Gläser Weißwein – inspirierten ihn zu einem furiosen Auftritt. Bei „Amore“ umgarnte er seinen Bassisten Janos Mijnssen so lasziv, dass jede professionelle Tabledancerin anerkennend die Augenbraue hochziehen musste. Der Kreischfaktor der vielen weiblichen Fans in den ersten Reihen vor der Bühne erreichte Höchstwerte, als der Beau sich auch noch seines Hemdes entledigte. Seine ebenso klugen wie frechen Songtexte („Ich habe dich geliebt – 1000 Franken lang“) treten da fast schon ein wenig ins Hintertreffen.

Das Deutschland-Spiel war für Duisburgs Traumspiele keine Konkurrenz. So viele Besucher wie nie.

Zurück lagen am Samstagabend bekanntlich auch die deutschen Nationalkicker. Und ausgerechnet parallel zu diesem „Schicksalspiel“ gegen Schweden musste mit den Mighty Oaks aus Berlin einer der Headliner des Festvals ran. „Wir dachten, wir müssten vor einer leeren Tribüne auftreten, weil alle Deutschland gucken wollen“, sagte Sänger Ian Hooper. Stattdessen waren die Ränge der Gießhalle so prall gefüllt wie die Südtribüne bei BVB-Heimspielen.

Dichte Menschentrauben bildeten sich auch um jene Bierwagen, die einen Fernseher aufgestellt hatten. Und als Kroos in der Nachspielzeit zum 2:1 traf, da begannen sogar die unmusikalischsten Herren der Schöpfung zu tanzen.

Direkt danach schlug die Stunde von Mogwai. Die Schotten-Rocker drehten die Regler aber bis zum Anschlag auf und ließen ein donnerndes Gitarren-Gewitter auf ihre Zuhörerschaft herniedergehen. Dieser ohne Gesangsparts auskommende Brachialsound betörte die Fans, vertrieb aber einen Großteil der übrigen Zuhörerschaft. Die genoss lieber die glockenhelle Stimme der Berlinerin Mogli, die bis Mitternacht die Herzen berührte. Und wieder wurde der Landschaftspark zur Traumfabrik.

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