Klavier-Festival Ruhr

Pianist Gerhard Oppitz meistert Beethovens Herkulesaufgabe

Gerhard Oppitz beim Klavier-Festival Ruhr in Bochum.

Gerhard Oppitz beim Klavier-Festival Ruhr in Bochum.

Foto: Sven Lorenz

Bochum.  Klavier-Festival Ruhr: Gerhard Oppitz, Star der deutschsprachigen Pianisten-Szene, begeistert das Publikum mit Beethovens Diabelli-Variationen.

Vor drei Monaten erlöste Rudolf Buchbinder mit Beethovens Diabelli-Variationen im Bochumer Anneliese-Brost-Musikforum das Revier aus der kulturellen Corona-Starre. Jetzt stellte sich mit Gerhard Oppitz, ebenfalls beim Klavier-Festival Ruhr, ein weiteres Schwergewicht der deutschsprachigen Pianisten-Szene an gleicher Stelle Beethovens Herkulesaufgabe.

Zwei Meister, die über Jahrzehnte an Beethoven gereift sind, der 73-jährige Wiener Rudolf Buchbinder und der sechs Jahre jüngere Deutsche Gerhard Oppitz. Zwei Persönlichkeiten von denkbar unterschiedlicher Ausprägung, die jedoch beide keinen Wert auf eitle Selbstdarstellung legen und ihre langen Karrieren nicht zuletzt ihrem extrem werkergebenen Umgang mit der Musik verdanken. Damit können sie nicht nur auf eine homogene Karriere zurückblicken, sie stehen auf dem Höhepunkt ihres Könnens, wenn es um Werke wie die vom Format der Diabelli-Variationen geht.

Unterschiede eher im Detail als im Grundverständnis

Herausforderungen, die viel Erfahrung und persönliche Reife voraussetzen. Insofern unterscheiden sich die Interpretationen der beiden Pianisten eher im Detail als im Grundverständnis. Oppitz, der sich die Maximen seines Mentors Wilhelm Kempff, „Mut zur freien Gestaltung“ und „Sinn für Poesie“, zu Herzen nahm, und Buchbinder, der in den Diabelli-Variationen ein „Panoptikum menschlicher Grundwerte“ sieht, bestechen beide durch kraftvolle, inspirierte und gereifte Interpretationen des gewaltigen Werks.

Die schroffen Stimmungswechsel der einzelnen Variationen bewältigen beide so überlegen, dass die zyklische Geschlossenheit gewahrt bleibt. Oppitz betont stärker den poetischen Tonfall der bereits auf die Romantik vorausweisenden Musik und bevorzugt einen etwas schwereren Anschlag, Buchbinders Vortrag wirkt innerlich eine Prise erregter, ohne die Kontrolle über seine kultivierte Anschlagstechnik zu verlieren.

Romantisch angehauchtes Beethoven-Bild

Oppitz ergänzte den Beethoven-Koloss durch die drei stimmungsvollen Klavierstücke D 946 von Franz Schubert, womit er einen Bogen zu seinem romantisch angehauchten Beethoven-Bild spannte. Eine Kombination, die man eher von dem Wiener Buchbinder erwartet hätte, der für sein Corona-bedingt gekürztes Programm ursprünglich zeitgenössische Bearbeitungen des Diabelli-Themas vorgesehen hatte.

Die Einschränkungen durch die Hygiene-Vorschriften nimmt das Publikum mittlerweile mit disziplinierter Selbstverständlichkeit hin. Was die Begeisterung nicht schmälerte. Oppitz bedankte sich stilgerecht mit einem Intermezzo von Johannes Brahms.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben