Electro goes Festival

Parookaville 2017: Viele Lobeshymnen und einige Klagelieder

Die neue Mainstage von Parookaville beeindruckte die Bürger. (Foto: Ingmar Kreienbrink)

Die neue Mainstage von Parookaville beeindruckte die Bürger. (Foto: Ingmar Kreienbrink)

Foto: Ingmar Kreienbrink

Weeze.   Die zwei Seiten des Parookaville-Festivals im niederrheinischen Weeze: Geniales Konzept mit Electro-Dance – und das Handicap der großen Fläche

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In seiner 20-jährigen Karriere als DJ hat Armin van Buuren schon viel gesehen: „Aber wenn 80 000 Menschen für drei Tage in eine Stadt einziehen, ist das mehr als ein Festival“, lobt der niederländische Weltstar. „So ein Showkonzept wie bei Parookaville ist die Zukunft!“ Innerhalb von drei Jahren ist das Festival neben dem Flughafen Weeze zum größten Dance-Event in Deutschland gewachsen.

Außer dem Line-up mit Star-DJs wie David Guetta, Tiesto, Afrojack, Steve Aoki und Axwell /\ Ingrosso ist es der Dreh des Festivals, dessen fiktive Stadt eine Geschichte mit Postamt, Kirche, Rathaus, Polizeistation sowie Kirmes samt Achterbahn hat. In der pulsierenden Stadt gab es diesmal einen feuerspuckenden Metalldrachen, einen Waschsalon mit Schaumparty, eine Disco-Telefonzelle – und im Swimmingpool konnte man bei der DLRG sein Seepferdchen machen.

Eine waschechte Parookaville-Hochzeit

Nachdem sich bereits am Donnerstagabend auf dem Campingplatz bis zu 30 000 Besucher bei der Vorparty in Stimmung gebracht hatten, stürmten die Bürger am Freitag die Tore von Parookaville, wo auf 150 000 Quadratmetern „Wahnsinn, Liebe und Glückseligkeit“ regieren sollten. Auch auf der neuen 110 Meter breiten Hauptbühne.

Für die „Fabrik“ und ihren Vorplatz wurde ein zusätzliches Stadtareal in Größe von vier Fußballfeldern erschlossen und begrünt. „Wow“, staunte Andi (23) aus Dortmund, „ich bin schwer beeindruckt!“ Der Elektro-Fan stürzte sich mit seinen Freunden in das Getümmel vor der Bühne.

Felix Jaehn über Parookaville: „Es war unglaublich!“

Ihre ganze Kraft entfaltet die Hauptbühne im Steampunk-Stil, wenn die Nacht hereinbricht und die großen integrierten Leinwände mit Bildern und Effekten fesseln. Dem Eröffnungs-Feuerwerk folgten immer wieder Pyro-Effekte. „Dazu kommt diese unglaubliche Energie der Menschen vor der Bühne. Die Elektronische Dance Musik hat sich zu einer friedlichen, kulturellen Bewegung entwickelt – vergleichbar mit dem Beatles-Hype oder auch Woodstock“, erklärt Armin van Buuren.

In die Lobeshymne stimmte Superstar Felix Jaehn ein: „Es war unglaublich, ein totaler Abriss und Homerun!“, schwärmte der DJ kurz nach seinem Auftritt auf der zweitgrößten Bühne vor rund 15 000 House-Fans. Einen besonderen Moment kreierten die Niederländer Showtek. Sie unterbrachen ihr DJ-Set, um des Linkin-Park-Sängers Chester Bennington zu gedenken. Dazu spielten sie den Klassiker „In The End“, den mehrere Zehntausend Besucher mitsangen. Andere DJs wie Don Diablo thematisierten an dem Wochenende ebenfalls den Tod Benningtons und bauten Linkin-Park-Lieder in ihre Live-Sets ein.

Der Stau bei der An- und Abreise sorgt für Ärger

Einziger Wermutstropfen: der Verkehr. Am Donnerstag sorgten Staus auf engen Straßen und ein Unfall auf der A 57 für stundenlange Wartezeiten. Auch die Abreise war zum Teil ein Ärgernis, weil in den Wartezonen zum Bus-Transfer mitunter enormes Gedränge herrschte. „In dem Fall kam der Regen schlicht zur falschen Zeit. Es war kalt, die Leute waren müde und nass. Das hatten wir uns so auch nicht vorgestellt“, sage Bernd Dicks, einer der drei Veranstalter, die aber am Konzept der auswärtigen Parkplätze und der Bus-Transfers festhalten wollen. Ingesamt war Dicks sehr zufrieden: „Es war, Stand Sonntagnachmittag, ein unfassbar friedliches Wochenende mit begeisterten Besuchern.“

Die meisten ließen sich die Laune ohnehin nicht verderben. Für einen krönenden Abschluss des Festivals sorgte am späten Sonntagabend Superstar David Guetta, bevor sich dann die Tore von Parookaville schlossen. Jedenfalls bis zum 20.-22. Juli 2018, wenn die fiktive Stadt erneut zum Leben erwacht.