Film-Dokumentation

Neues Geld entsteht durch neue Schulden – ein Kartenhaus

„Oeconomia“ von Carmen Losmann zeigt die wahre Undurchsichtigkeit der Branche, die sich so gern mit transparenter Architektur schmückt – eine Fassade im wahrsten Wortsinne.

„Oeconomia“ von Carmen Losmann zeigt die wahre Undurchsichtigkeit der Branche, die sich so gern mit transparenter Architektur schmückt – eine Fassade im wahrsten Wortsinne.

Foto: Neue Visionen Filmverleih

Essen.  Neu im Kino: Carmen Losmanns Dokumentation „Oeconomia“ begib sich auf die Spur des Geldes – und durchleuchtet unser Wirtschafts- und Finanzsystem.

Die allermeisten von uns hängen dem vollkommen irrigen Glauben an, es gebe eine bestimmte Menge Geld, die im Umlauf ist und von den Zentralbanken reguliert, kontrolliert, gesteuert wird. Wer wissen will, wie wenig das stimmt – und wie wenig selbst Experten und Insider über die wirklichen Zusammenhänge verraten wollen, also etwa darüber wie Geld entsteht, ja regelrecht gemacht wird, und zwar von Banken durch die Vergabe von Krediten, die nicht gedeckt sind, kann all das jetzt im Kino mit Carmen Losmanns beeindruckender Dokumentation „Oeconomia“ in Erfahrung bringen. 90 Prozent der kursierenden Geldmenge existieren ausschließlich in den Büchern, nur der Rest ist Bargeld. Wenn die Schulden wachsen, wächst die Wirtschaft. Und umgekehrt. Wie kann das sein? Und führt das nicht zwangsläufig zu immer neuen Blasen, die irgendwann platzen?

Es geht Carmen Losmann letztlich um den systembedingten Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum, Verschuldung und Vermögenskonzentration, der letztlich die Bankenkrise von 2008 ausgelöst hat. Mit der atemberaubenden Entdeckung, dass mit jedem neuen Kredit neues Geld entstehen kann und so die Gesamtheit der weltweiten Vermögen permanent wächst (und bei den Reichsten, man ahnt es, am meisten), rückt aber keineswegs einer der von Losmann befragten Volkswirte, Geldexperten (von BMW oder der Allianz), der Europäischen Zentralbank oder Pimco heraus, die als Investment-Gigant 1,8 Billionen Dollar pro Jahr anlegen. Um die Antworten auf einfache Fragen in „Sendung mit der Maus“-Manier auf den Tisch zu bringen, setzt Carmen Losmann performance-artige Monopoly-Spielrunden in die Frankfurter Zeil, in denen kluge kritische Köpfe das erklären, was die Fachleute mit Interview-Absagen, Vorabsprachen und Wortwolken verschweigen wollen. Oder ganz einfach selbst nicht wissen. Nicht wissen wollen.

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