Reiseführer

Neuer Führer zu 31 Orten der Literatur im Ruhrgebiet

Cover-Ausschnitt: „Literarische Orte im Ruhrgebiet“.

Cover-Ausschnitt: „Literarische Orte im Ruhrgebiet“.

Foto: MGO

Essen.   Von Recklinghausen bis Neukirchen-Vluyn, von Volmarstein bis Schermbeck: „Literarische Orte im Ruhrgebiet“ führt zu Schauplätzen der Literatur

In Städten wie Berlin, Wien oder München, die von alters her schriftstellerisch bewohnt und besungen sind, gibt es sie längst: Literarische Spaziergänge von Romanschauplatz zu Dichtergrab, von Geburtshaus zum Schreib-Café. Und wenn Heinrich Bölls berühmter Satz, dass das Ruhrgebiet erst noch entdeckt werden will, noch irgendwo Gültigkeit besitzt, dann auf der Landkarte des Literarischen.

Aber auch das ändert sich, denn es gibt nun einen „Wegweiser zu Schauplätzen der Literatur“ im Revier. Er führt vom Schauspielhaus Bochum, wo Thomas Bernhards Dramolett „Claus Peymann kauf sich eine Hose und geht mit mir essen“ (in dem ja ganz Bochum eine zentrale Rolle spielt) uraufgeführt wurde, bis zur Burg Volmarstein, wo Paul Bahlmann seine Fee die Geschichten aus „Volmar­steins Sagenschatz“ (1911) vortragen lässt.

Man merkt schon: Das Autorenteam versucht, eine Balance zwischen touristischem Schauwert und literarischer Relevanz zu schaffen. Das gelingt mal mehr, mal weniger, und so mag man mindestens seitenweise von Frank Goosens Bismarckturm in Bochum bis zum Wohnhaus von Gustav Sack („Ein verbummelter Student“, 1917) in Schermbeck pilgern. An letzterem erkennt man, dass es sich bei der territorialen Grundlage des Bandes um den Regionalverband Ruhr handelt. So kommt denn Dinslaken zu einer Station (Hanns Dieter Hüsch hat ja behauptet, den lieben Gott in einer Wäscherei in Dinslaken zu treffen) und auch Schloss Bloemersheim bei Neukirchen-Vluyn, das im „Sonnennebel“ von Hermann Schulz vorkommt.

Manche (Wieder-)Entdeckung ist zu machen, etwa Hans Marchwitzas Roman „Die Kumiaks“ oder Jürgen Brôcans Gedichtband „Antidot“. Und dass Jussi Adler-Olsen für Lünen schwärmt, wissen jetzt nicht nur Kenner. Wie man mit Georg Kreislers Hassgesang „Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen“ zum Musiktheater im Revier gelangt, ist schon wegen der Anekdote schön, dass Kreislers Herz-Dame Topsy Küppers als Operettenstar dieser Bühne mehr für ihre attraktiven Beine bekannt war als für ihren Gesang.

Der Band ist hervorgegangen aus der interaktiven Literaturkarte Ruhr, deren Wurzel wiederum in einem Seminar an der Bochumer Ruhr-Universität liegt. Unter www.literaturkarte.ruhr sind jetzt 300 Schauplätze aufgeführt, 31 davon wurden für diesen Band ausgewählt. Und genau das, eine Übersichtskarte, ist wohl das einzige, was dem Band noch fehlt.

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