Elspe Festival

Trotz Corona: Neue Show “Wilder Westen“ startet in Elspe

Probe für die neue Show Wilder Westen. Jetzt erst recht beim Elspe-Festival.

Probe für die neue Show Wilder Westen. Jetzt erst recht beim Elspe-Festival.

Foto: Andreas Buck / Andreas Buck / FUNKE Foto Services

Lennestadt.  Und sie reiten doch beim Elspe-Festival, trotz Corona-Krise. Wir verraten, welche spektakulären Einblicke die neue Show „Wilder Westen“ liefert.

„3, 2, 1“, zählt Stephan Kieper rückwärts. Obacht. Und schon fliegt ein Haus in die Luft. Spektakulär. Mit viel Feuer. Und mit dichten Rauchwolken. Das ist alles Theater. Denn Stephan Kieper ist der Chef-Pyrotechniker beim Elspe-Festival in Lennestadt und damit zuständig für das, was pufft und zischt und Funken sprüht auf der 96 Meter breiten Panoramabühne im Sauerland. Winnetou und Old Shatterhand dürfen in diesem Sommer wegen Corona nicht reiten. Aber gespielt wird doch: Die Show „Wilder Westen. Jetzt erst recht“ bietet spektakuläre Einblicke hinter die Kulissen des Festivals. Am Freitag war Premiere.

Der Mann ohne Angst

„So können wir einmal zeigen, was alles an einer Vorstellung hängt, wie die Actionszenen und die Stunts funktionieren“, beschreibt Marco Kühne das Konzept. Kühne ist Stuntkoordinator in Elspe, der Mann ohne Angst, der sich bei Winnetou I aus zwölf Metern Höhe brennend vom Felsen hinabstürzt. Kühne ist auf der Naturbühne aufgewachsen, Reiten hat er so früh gelernt wie andere Kinder Fahrradfahren, und für Winnetou geht er buchstäblich durch das Feuer. Jetzt führt er Regie bei der neuen Wildwest-Show.

Drei Schläge, Fußtritt, und dann weiter. Arbeitsgalopp nennen Marco Kühne und seine Stuntmänner diese Bewegungsabfolge, die jedem furiosen Handgemenge zugrunde liegt. Die Choreographie ist so präzise wie ein Ballett, aber das Publikum sieht nur die Aktion, nicht die Technik dahinter. Das soll sich jetzt ändern. „Unsere Stuntleute, Bühnentechniker, Waffenmeister und Pferdetrainer stehen in ,Wilder Westen. Jetzt erst recht’ im Mittelpunkt. Winnetou und Old Shatterhand sind nicht alleine die Helden, denn zu einer erfolgreichen Vorstellung gehören ganz viele unsichtbare Helden, die das Festival am Laufen halten.“ Diese stillen Stars erhalten nun ein Gesicht und eine Stimme.

Der Mann für alles, was kaputt geht

Das Bühnenbild ist schon für den Ölprinzen aufgebaut, der durch Corona auf die Saison 2021 verschoben werden muss. Das Sheriff-Büro, die Indianer-Tipis, hoch über allem thront der Ölturm. Bühnentechniker Uwe Schröder ist Spezialist für Dinge, die zu Bruch gehen können. Wenn ein Gangster im Sheriff-Büro durch das Fenster fliegt, hat Schröder seine Hand im Spiel, ebenso wie bei Schlägereien, in denen ein Bösewicht dem anderen einen Stuhl auf den Kopf haut. Der Stuhl ist aus Balsaholz. Und das Fenster ist ein Crashfenster, das effektvoll splittert, den Darsteller aber nicht verletzt. Diese Requisiten fertigt Schröder alle nach Maß für Elspe an, auch den Speer, der so harmlos durch die Luft fliegt und dann explodiert.

Mit dem Herzen bei der Sache

Markus Lürick war von 1994 bis 1999 Old Shatterhand in Elspe und hat den Henrystutzen dann gegen den Ganovencolt eingetauscht. Jetzt spielt er den Sheriff und moderiert den „Wilden Westen“. Jonas Arndt aus Lennestadt hingegen hat früher als kleiner Junge immer durch die Büsche gespinxt, wenn Winnetou für das Gute eintrat. Seit 2018 steht er selbst als Statist auf der Bühne und hilft derzeit zwischen Schulabschluss und dem Beginn der Ausbildung, die 40 Pferde zu bewegen und zu trainieren. „Die Leute hier oben sind mit vollem Herzen dabei, weil sie es wollen“, betont Marco Kühne. Das macht die Magie von Elspe aus – und vor allem, dass das Können hinter der Kunst hochprofessionell ist. „Hier müssen die Stunts auf die Sekunde vorbereitet sein, auf die Musik, auf die Pferde, das muss alles live getimt sein. Man kann nicht wie beim Film sagen: Die Szene drehen wir nochmal. Das ist das Spannende und die Herausforderung.“

Das neue Feuerpferd

Marco Kühne liebt Herausforderungen. Deshalb liebt er auch Fandango. Der spanische Hengst galt als unreitbar. Jetzt folgt er Kühne auf Fingerzeig und über Augenkontakt sogar in einen Flammenbogen. „Als ich das Wort unreitbar hörte, habe ich sofort gesagt: Den nehme ich, und habe mit ihm trainiert.“ Fandango entwickelt sich zum neuen Feuerpferd von Elspe. „Unsere Pferde müssen alle feuerfest sein, aber es muss kein Pferd ins Feuer, das nicht will“, so Marco Kühne.

Langsam versinkt das Haus auf der oberen Spielebene im Erdboden. Was aussieht wie Wilder Westen ist zwar Natur, aber es ist eben auch Theater. Deshalb gibt es für Verwandlungen eine Untermaschinerie. Das Haus muss weg, weil zum Finale der ganz große Knall erwartet wird. „3, 2, 1“, zählt Stephan Kieper. Und schon brüllt eine Feuerwalze. Regisseur Marco Kühne ist zufrieden: „Wenn wir es machen, dann machen wir es richtig.“

Termine und Karten: www.elspe.de

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