International Light Art Award

Neue Ausstellung zeigt Highlights der Lichtkunst in Unna

Vier Wochen Arbeit: Preisträgerin Jacqueline Hen schafft mit „Light High“ Raum-Raster mit verblüffenden Spiegelungen ins Unendliche.

Vier Wochen Arbeit: Preisträgerin Jacqueline Hen schafft mit „Light High“ Raum-Raster mit verblüffenden Spiegelungen ins Unendliche.

Foto: Simone Melenk

Unna.  Jacqueline Hen hat den dritten Internationalen Preis für Lichtkunst gewonnen. Die Ausstellung in Unna zeigt auch die Zweit- und Drittplatzierten.

Man muss keine Leuchte in Physik sein, um sich für diese Ausstellung zu begeistern. Licht spiegelt sich hier ins Unendliche, Schatten schweben, glitzernder Staub tanzt auf kunstvollen Spinnweben. So scheint es. Aber so ist es natürlich nicht. Zum dritten Mal verleiht nun das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna den International Light Art Award. Der Lichtkunstpreis geht diesmal an die junge deutsche Künstlerin Jacqueline Hen (Jahrgang 1989).

Aber auch die Finalisten Yasuhiro Chida aus Japan und das Berliner Duo Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek verblüffen mit Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Besucher erleben Phänomenales. Museumsdirektor John Jaspers ist ziemlich stolz: 357 Konzepte aus 61 Ländern landeten diesmal mit dem Wettbewerb in Unna, „Arbeiten mit einer sehr hohen Qualität!“ Entsprechend bemerkenswert fällt die aktuelle Siegerschau aus.

Erfahrungsräume des japanischen Architekten Yasuhiro Chida

Das Auge muss sich erst gewöhnen an die Dunkelheit, dann beginnt es zu funkeln, zu glitzern. Der japanische Architekt Yasuhiro Chida (Jg. 1977) ist bekannt für seine großflächigen Installationen, die Erfahrungsräume sind, immer zu durchschreiten. Chida sammelt Eindrücke von Höhlen- und Berg-Wanderungen, die er mit sehr zurückhaltender Technik inszeniert. In seiner Arbeit „Myrkvior“ hat er im Gewölbe einer Spinne gleich kreuz und quer Nylon gezogen, lässt eine künstliche Sonne aufgehen und Staubkörner tanzen. Der Mensch staunt ungläubig und ist versucht, in die Fäden zu greifen. Es gilt aber die klare Ansage: Hände an die Hosennaht!

Das Berliner Duo Dachroth + Jeschonnek (Jahrgang 1981 und 1984) bedient sich einer völlig neuen Methode, um Licht sichtbar zu machen und in frei schwebende Zustände zu versetzen. Ihre minimalistische Arbeit heißt „Lichtvolumen“ und dokumentiert ihre Entdeckung, das Licht plastisch sein kann, ja sogar fühlbares Material. Ein Schatten schwebt im Reifen und wandert durch den Raum. Wo er herkommt, bleibt ungeklärt. Charlotte Dachroth gibt zu, die beiden hätten sich sehr lange der technischen Herausforderung gestellt. Die Erklärung für das wandernde schwarze Loch behält sie dann aber für sich. Sie möchte das Kunstwerk nicht entzaubern.

Auf Socken über den schwarzen Steg

Im Tonnengewölbe der alten Lindenbrauerei konnte sich Jacqueline Hen ausleben, die derzeit in Berlin ihre „Meisterschüler“-Studien abschließt, an der Kölner Medienhochschule unterrichtet, drei Jahre im Studio von Tomas Saraceno gearbeitet hat und als Forschungsassistentin am Fraunhofer-Zentrum für Technologietransfer in Berlin. Ihre schwarze Box ist ein Raum im Raster, der sich rhythmisch weitet, „Light High“ genannt. Licht hoch, aber auch Licht, das berauscht, high werden lässt. Immer neue Quadrate hat sie eingefügt, eine Spiegeldecke gezogen, den Boden mit Wasser geflutet. Auf einem schwarzen Steg können Ausstellungsbesucher (auf Socken!) in die Mitte des Raumes vordringen. Man kann hier stehen, sitzen, liegen oder ein spektakuläres Selfie machen. Sollte aber unbedingt die Unendlichkeit auf sich wirken lassen.

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