Musikzentrum

„Musikforum Ruhr“ ist bereit für Konzerte der Extraklasse

Der Konzertsaal des „Anneliese Brost Musikforums Ruhr“, den die Bochumer mit sichtlichem Stolz in Augen- und Ohrenschein nahmen.

Foto: Felix Heyder

Der Konzertsaal des „Anneliese Brost Musikforums Ruhr“, den die Bochumer mit sichtlichem Stolz in Augen- und Ohrenschein nahmen. Foto: Felix Heyder

Bochum.   Bei einem Vorab-Konzert im „Anneliese Brost Musikforum Ruhr“ in Bochum erlebten Bürger schon am Donnerstag die vorzügliche Akustik des neuen Hauses.

Es waren nicht die Honoratioren aus Stadt und Land, die die erstem Klänge im nagelneuen „Anneliese Brost Musikforum Ruhr“ genießen durften, sondern per Losentscheid geladene Bochumer. Ein Dankeschön für den Einsatz der Bürgerschaft, die mit ihrem Spendenaufkommen rund ein Drittel der Kosten von 38 Millionen Euro getragen und das Projekt trotz massiver Probleme der Stadt unterstützt hat.

Als nach den dynamitgeladenen Schlusstakten von Gustav Mahlers Erster Symphonie Generalmusikdirektor Steven Sloane die stehenden Ovationen des begeisterten Publikums entgegennahm, mischten sich in seinen Reaktionen Gefühle des Glücks und der Rührung. 22 Jahre lang ist er den Bochumer Symphonikern als Generalmusikdirektor treu geblieben, und 22 Jahre harrte er mit seinem Orchester in der Diaspora meist unzumutbarer Proben- und Aufführungsstätten aus. Allein das seit fast 100 Jahren bestehende Orchester und die selbstlose Arbeit Sloanes, der dem Orchester trotz schwieriger Arbeitsbedingungen zu einem weit über die regionalen Grenzen hin­ausreichenden Ansehen verholfen hat, verdienen eine solche Wirkungsstätte, die trotz der edlen Verarbeitung auf jeden Protz verzichtet. Zudem soll das „Kulturforum“ allen Bochumer Musik- und Chorvereinigungen eine Heimstatt geben und vor allem in Zusammenarbeit mit der Musikschule die Förderung junger Talente stützen.

Mit Interesse nahmen die Besucher das raffiniert in die Marienkirche eingelassene Foyer in Augenschein, das mit seiner hellen Ausstrahlung einen reizvollen Kontrapunkt zu den dunklen Mauern der Kirche setzt. Hell erstrahlt auch der mit etwa 970 Plätzen angemessen dimensionierte Konzertsaal.

Gewaltige Schlussfuge

Zunächst erwartete die Besucher freilich eine leer gefegte Bühne. Steven Sloane ließ es sich nicht nehmen, das Dirigentenpodest mit Hilfe von Musikschülern persönlich auf das Podium zu tragen. Dann gab er den noch unsichtbaren Musikern und Sängern den Einsatz zur Uraufführung der Kantate „Baruch ata Adonaj“ des Wahl-Bochumers Stefan Heucke. Den Text auf der Basis eines kurzen he­bräischen Segens verarbeitet Heucke als achttaktige Variationsfolge, wobei die ersten Teile von Gesangs- und Instrumentalgruppen ausgeführt werden, die sich variabel im Raum verteilen. Auf der Bühne vereinigen sich allmählich der Bariton Martijn Cornet, Solisten des Knabenchores der Chorakademie Dortmund und des Chorwerks Ruhr, der Philharmonische Chor Bochum, Schülerinnen und Schüler der dortigen Musikschule und nicht zuletzt die Bochumer Symphoniker zu einer gewaltigen Schlussfuge.

Geschickt nutzt Heucke die räumlichen Gegebenheiten und liefert ein Werk, das, dem Anlass angemessen, mit moderaten modernen Mitteln arbeitet, ein wenig Tiefgang mit repräsentativem Glanz mischt und für alle Beteiligten dankbare Aufgaben bereithält.

Akustische Nagelprobe

Die akustische Nagelprobe stand dann mit Mahlers gigantischer Erster Symphonie bevor. Die bewährte, an den Ecken abgerundete „Schuhkartonform“ mit dezent in die Decke eingelassenen Schallsegeln zahlt sich auch in Bochum aus. Die zarten „Naturlaute“ der Einleitung ertönen präsent und samtweich.

Im Gesamtklang überzeugt der Raum in den Höhen durch ein helles, aber nicht überspitztes Timbre und in den Bassregionen durch ausreichende Substanz. Das sind gute Vor­aussetzungen für Werke, die hohe Anforderungen an solistische Leistungen und orchestrale Opulenz stellen – Bochum ist bereit für Konzerte der Extraklasse. Und darin fordert Mahler dem Orchester das Letzte ab. Vielversprechend, dass selbst die dynamisch überdrehten Höhepunkte des Werks nicht zu klirren beginnen. Das Orchester kann sich jetzt in Ruhe auf die neuen Begebenheiten einstellen. Dabei darf es durchaus noch gelassener mit der Dynamik umgehen, denn der Saal trägt auch dynamische Extreme mühelos. Da können die Bochumer Symphoniker, die sich in den bisherigen Quartieren teilweise körperlich verausgaben mussten, um sich hörbar machen zu können, in Zukunft wesentlich kräfteschonender agieren.

Festprogramm am Wochenende

Das Publikum reagierte begeistert, Orchester und Dirigent sichtlich erleichtert. An diesem Wochenende können sich die Bürger an einem reichhaltigen Festprogramm erfreuen. (Info: www.musikzentrum-bochum.de)

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