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Musiker J.J. Cale: Album erscheint posthum

Sänger, Gitarrist, Komponist: Und doch mied Multitalent J.J. Cale (1938 - 2013) das Rampenlicht.

Sänger, Gitarrist, Komponist: Und doch mied Multitalent J.J. Cale (1938 - 2013) das Rampenlicht.

Foto: Michael Putland

Essen.   Sechs Jahre nach dem Tod von J.J. Cale erscheint das erste posthume Album. Sein Manager Mike Kappus erinnert sich an einen seltsamen Kauz.

Die meisten Manager reden von „Klienten“, „Künstlern“ oder „Kunden“. Mike Kappus dagegen von „seinem Freund“. Denn die Beziehung, die der heute 68-jährige zu J.J. Cale hatte, scheint einzigartig gewesen zu sein. „Er war ein echtes Unikum“, sagt der Mann aus San Francisco, der auch John Lee Hooker, Van Morrison, Captain Beefheart oder John Hiatt betreut hat. „Es war oft nicht leicht, seine Geschäfte zu leiten, weil er kein Telefon hatte und kaum zu erreichen war. Aber ich schätze mich glücklich, ihn gekannt zu haben.“

J.J. Cale lebte auf einem Campingplatz bei Disneyworld

Nämlich einen Sänger und Gitarristen, der jahrelang unter dem Pseudonym Charles Johnson auf einem kalifornischen Campingplatz in der Nähe von Disneyworld lebte, der Musikindustrie zwischenzeitlich den Rücken zukehrte, sich standhaft weigerte, Konzerte zu geben und lediglich Demo-Versionen seiner Songs aufnahm. Meist mit Gitarre, Drumcomputer und Flüster-Gesang, der weit in den Hintergrund gemischt war. „Er hat eigentlich nur Vorlagen erstellt, von denen er hoffte, dass sie anderen Musikern gefallen und sie seine Stücke dann covern. Das war alles, was er wollte – er sah sich als Songwriter für andere.“

Damit hatte John Weldon Cale, wie er bürgerlich hieß, am meisten Erfolg: Seine Stücke wie „After Midnight“, „Cocaine“ oder „Call Me The Breeze“ wurden Hits für Eric Clapton, Lynyrd Skynyrd, Johnny Cash, Dr. Hook, Kansas oder Bryan Ferry – während er (unter eigenem Namen) allenfalls moderate Single- und Albumverkäufe vorweisen konnte. „Mit der Industrie ist er nicht zurechtgekommen. Er fühlte sich missverstanden, nicht respektiert und zu sehr unter Druck gesetzt. Deshalb hat er zuletzt nur noch Verträge über je ein Album abgeschlossen.“

Respekt von Mark Knopfler, Neil Young, Eric Clapton

Umso mehr Respekt brachten ihm Kollegen wie Mark Knopfler, Neil Young oder Eric Clapton entgegen, die seine Vielfalt und seinen eigenwilligen Sound zu schätzen wussten. Cale klang so tiefenentspannt, als würde er im Schaukelstuhl auf seiner Veranda komponieren. Was – in Kombination mit all seinen Marotten – für den Mythos J.J. Cale sorgte: Ein Totalverweigerer und Lebemann, der sich nicht stressen lässt und am liebsten über Frauen sinniert – über erotische Abenteuer, aber auch regelrechte Frivolitäten. „Ich weiß noch, wie ich manchmal die Hände überm Kopf zusammengeschlagen habe. Ich dachte: ,Das meint er doch nicht ernst?’ Und wahrscheinlich hat er das auch nicht. Denn er war ein ruhiger, bescheidener, höflicher Mensch – und er hat seine Frau geliebt. Die beiden waren 36 Jahre zusammen.“

Kappus spricht auch über Cales „Freundschaft“ zu Eric Clapton, die recht einseitig gewesen sein soll. „Clapton war Fan. Er hatte Cale gebeten, ihn zu produzieren, aber Cale hatte Angst, dass es ein Flop würde. Also hat Clapton ihm ein Duett-Album vorgeschlagen: ,The Road To Escondido’.“ Zu einem Nachfolger ist es allerdings nicht gekommen: Cale hatte Herzprobleme, verweigerte sich einem chirurgischen Eingriff und starb am 26. Juli 2013 in San Diego.

Die Musikwelt braucht Typen wie J.J. Cale

Jetzt – sechs Jahre später – haben Kappus und Cale-Witwe Christine Lakeland ein erstes posthumes Album zusammengestellt. Mit 15 unveröffentlichten Stücken, die seine oft als „Tulsa-Sound“ bezeichnete stilistische Palette zwischen Blues, Rock, Country und Folk abdecken, betont relaxt klingen und – wie immer – die holde Weiblichkeit hofieren. Eben ein echter Cale.

Und wahrscheinlich nicht der Letzte. Denn: „John hat mir regelmäßig CDs mit neuen Songs geschickt. Da ist noch einiges, das sich zu veröffentlichen lohnt.“ Denn: Die Musikwelt braucht Typen wie J.J. Cale – echte Charaktere, die sich nicht anpassen und verbiegen, sondern ihr Ding durchziehen. „Davon“, so Kappus, „kann es nie genug geben.“

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