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Rap gegen Sexismus: Jennifer Weist bringt Solodebüt heraus

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Gerne auch mal in auffälligeren Klamotten: Jennifer Weist.

Gerne auch mal in auffälligeren Klamotten: Jennifer Weist.

Foto: Viktor Schanz / Sony Music

Essen.  Jennifer Weist probiert sich nun auch im Rap-Genre aus. Am Freitag erscheint unter dem Pseudonym Yaenniver ihr Album „Nackt“.

Für Zurückhaltung ist Jennifer Weist nicht bekannt. Das zeigt schon das äußere Erscheinungsbild der stark tätowierten Sängerin der Band Jennifer Rostock. Und auch in verbaler Kommunikation steht die 35-Jährige auf unmissverständliche Botschaften. Als sie und ihre Gruppe 2016 im Song „Wähl die AfD“ in drei Strophen erklärten, was Deutschland bei einer Regierung der Partei politisch bevorstehen würde, erhielten die Bandmitglieder konkrete Drohungen.

Eine lag sogar in schriftlicher Form bei Weist im Briefkasten. Die Reaktion darauf veröffentlichte sie in den Sozialen Medien: „Klingel’ doch das nächste Mal einfach und versteck’ dich nicht hinter einem Blatt Papier. Eine sachliche Unterhaltung hat noch keinem geschadet.“

Yaenniver „macht jetzt einen auf Deutschrap“

Da mag es doch nicht verwundern, dass sich das Küstenkind – Weist wuchs auf der Ostseeinsel Usedom auf – nun solo an einem Musikgenre versucht, in dem die Nutzung offensiver Sprache gang und gäbe ist. Schon im vergangenen August erschien, nun unter dem Pseudonym Yaenniver, eine erste Rap-Single namens „Intro“. Im Text heißt es: „Kompensier’ hier nur Komplexe, damit ihr was zum Deuten habt. Übertrieben Cringe, dass die Bitch jetzt einen auf Deutschrap macht.“ Aus dem Neudeutschen ins Hochdeutsche übersetzt bedeutet das so viel wie „Viele werden meine Rap-Songs fürchterlich finden und sich fremdschämen, aber ich mache sie trotzdem.“

So wirklich überraschend dürften die Single und das dazugehörige, am Freitag erscheinende Album „Nackt“ aber auf niemanden wirken, der das Treiben Weists in den vergangenen Jahren verfolgt. 2017 erschien das letzte Album der Band mit dem selbstironischen Namen „Worst of Jennifer Rostock“ (dt.: „Das Schlechteste von ...“), seitdem legt das Quintett eine Pause von unbestimmter Dauer ein.

Zeit für Moderation und Modedesign genutzt

Die nutzte und nutzt die Frontfrau für mannigfaltige Aktivitäten. Bis September 2020 moderierte sie das Format „Update Deluxe“ beim Musiksender Deluxe Music, 2018 war sie neben Rapper Sido und Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders Teil der Castingshow-Jury von „X-Factor“. Auf der Bühne zu sehen war sie im Rahmen vereinzelter Gastauftritte bei Konzerten von Udo Lindenberg, Peter Maffay und Mike Shinoda.

Ganz abseits der Musik gründete Weist im Sommer 2020 ein Modelabel namens „Wyst“. „Mit 25 Jahren kam mir erstmals die Idee, das zu gründen. Damals fehlt mir aber die Zeit, ein Team und das nötige Kleingeld. Das waren zehn Jahre, in denen dieser Traum hätte platzen können, aber er ist geblieben und jetzt Realität.“

Ein 90er-Klassiker neu aufgelegt

Ein weiterer Traum, wenn auch auf musikalischer Ebene, wurde nun ebenfalls wahr. Denn für „Mädchen, Mädchen“, eine weitere Single aus „Nackt“, konnte Jennifer Weist mit einer Kindheitsikone zusammenarbeiten. Luci van Org, in den 90er-Jahren als Lucilectric mit dem Lied „Mädchen“ erfolgreich, hatte Lust auf eine Neuauflage ihres Hits im Hip-Hop-Stil und steuerte eine Strophe bei. „Es ist nie zu spät für die Emanzipation von toxischen Verhaltensweisen“, erklärt Weist die Coverversion und passt den Text des Originals in ihrer Version entsprechend an: „Hand am Arsch, wenn ich feiern geh’, weil ich ein Mädchen bin, weil ich ein Mädchen bin.“

Wie das live funktioniert, würde Jennifer Weist gerne im März austesten. Ob die „Nackt“-Tour durch acht deutsche Städte und Wien wie geplant stattfinden kann, bleibt allerdings noch abzuwarten. Offen genug scheint die nordrhein-westfälische Fangemeinde für die neue musikalische Ausrichtung aber zu sein. Die einzige Show im Bundesland am 20.3. in Köln ist seit Monaten ausverkauft.

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