Album

Jason Mraz setzt mit „Know“ auf leichten Wohlfühl-Pop

Seinem neuem Album  wird Fans von klassischen Singer-Songwirter-Klängen nicht enttäuschen.

Seinem neuem Album wird Fans von klassischen Singer-Songwirter-Klängen nicht enttäuschen.

Foto: BrittanyKeene

Berlin.   Singer-Songwriter Jason Mraz legt mit "Know" sein sechstes Album vor. Und liefert damit leicht verdaulichen Pop – mehr aber auch nicht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ohne zu viel vorwegzunehmen: ­Jason Mraz macht Musik im Namen der Liebe. Der US-Singer-Songwriter und nebenberufliche Aktivist für Umwelt, Menschenrechte und Gleichberechtigung hat eine klare Botschaft: Liebe ist immer noch die Antwort auf alles. Mit ebendieser Botschaft beschließt er auch sein neues Album nach nur zehn Songs – in Form der großen Ballade „Love Is Still The Answer“. Unterstützt von Streicherensemble und Chor kommt Mraz damit am Ende seines sechsten Longplayers im Fach des Standardpop an, das sonst eher von Sängern wie Michael Bublé vertreten wird.

Musik, die einfach da ist

Aber zurück zum Anfang. Der spielte sich für den Wahlkalifornier Mraz zu Beginn der Nullerjahre in der Akustik-Szene von San Diego ab. Mehrmals die Woche gab er in einem Coffeeshop seine Folk-Pop-Songs zum Besten und hatte bald eine lokale Fangemeinde unter den San-Diego-Surfer-Kids. Schon mit der recht rockigen Single „The Remedy“ gelang ihm 2003 ein Erfolg in den USA, dank der sommerlichen Schunkel-Nummer „I’m Yours“ kennt man seinen Namen seit 2008 auch in Europa. Mit Kollegen wie Jack Johnson bediente Mraz damals den Typus des gut gelaunten Surfers und Weltenbummlers, der mal eben aus dem Wasser hüpft und die Gitarre (oder Ukulele) zur Hand nimmt, um das schöne Leben und die Liebe zu besingen.

Eine gewisse Surfer-Romantik hat Mraz bis heute beibehalten. Manchmal scheint es, als schriebe er seine Songs nicht in Noten, sondern in Bildern. Bilder vom Sonnenuntergang über dem Pazifik („Let’s See What The Night Can Do“), Bilder von schönen, jungen Menschen am Lagerfeuer („Un­lonely“), vom harmonischen Leben mit Wellen, Strand und Freunden („Have It All“). Bilder wie aus dem Prospekt eines Reiseveranstalters.

Mraz’ Kompositionen zu diesem Konzept sind allesamt leicht verdaulicher Wohlfühl-Gitarrenpop. Der biegt mal in Richtung Coun­try-Blues ab, etwa bei „Might As Well Dance“, mal wird er selbstreferenziell („Making It Up“, erinnert stellenweise stark an den Hit „I’m Yours“), und dann gibt es eben die Momente, in denen der Easy-Listening-Pop sich als getragene Ballade versucht. Man kann nichts gegen diese Songs sagen. Es spricht aber auch nicht wirklich viel für sie. Sie sind gut gemeint und sicherlich gut gemacht, aber nicht immer gut. Sie sind einfach da und stören nicht, manchmal bleiben sie im Ohr. Wenn man sie an einem schönen Sommertag im Auto hört, kurbelt man wahrscheinlich das Fenster runter und summt die eingängigen Melodien mit. Bedeutungsvoller wird es aber nicht.

Ein bisschen naiv

Einen Pluspunkt hat Jason Mraz sich dennoch verdient: Liebe zu verbreiten – in Zeiten wie diesen – schadet bestimmt nicht. Man könnte das konkreter und mit mehr politischem Anspruch machen, aber manchmal muss die Botschaft vielleicht harmlos und ein bisschen naiv daherkommen, um alle zu erreichen. Dann verpasst man sie auch beim gedankenlosen Nebenbeihören nicht. Und wahrscheinlich ist genau das der Anspruch von „Know“.

Jason Mraz >> Know
Atlantic (Warner) Wertung: 3 von 5 Sternen

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben