Bruce Hornsby

Neue Wortmeldung des widerborstigen Meisters

Teilweise atonal geht’s auf dem neuen Album von Bruce Hornsby zur Sache. Aber er hat auch immer noch ein Händchen für Hooklines.

Teilweise atonal geht’s auf dem neuen Album von Bruce Hornsby zur Sache. Aber er hat auch immer noch ein Händchen für Hooklines.

Foto: Sarah Walor / dpa

Essen.  „The Way It Is“ spülte ihn in den 80ern in die Charts. Doch Bruce Hornsby hat die Hits hinter sich gelassen - wie „Non-Secure Connection“ belegt.

Vor gefühlten Ewigkeiten hat sich Bruce Hornsby mit eleganten, klaviergeprägten Popsongs ins ewiggrüne Musikgedächtnis hineingeschmeichelt. Sie erinnern sich sicher an die perlenden Melodie-Figuren von „The Way It Is“ oder an das immer noch betörend schöne „Mandolin Rain“? Mehr als 40 Jahre ist es her, dass man die Singles des US-Amerikaners zuverlässig in den Hitparaden wiederfand. Davon ist seine neue Produktion „Non-Secure Connection“ (Zappo Productions - Thirty Tigers/Membran) Lichtjahre entfernt.

Das liegt nicht daran, dass Meister Hornsby keine Ideen mehr hätte, dass ihm die Kreativität flöten gegangen wäre. Es ist eher so, dass er die Bodenhaftung des konventionellen Musikgeschmacks verloren hat. Man könnte auch sagen: Er hat seine Hits hinter sich gelassen.

Raus aus dem engen Popkorridor

So war das beim Vorgängeralbum. So ist das beim aktuellen Silberling. Die zehn Songs des neuen Werks sind – jedenfalls in Teilen – eher was für die Essener Philharmonie als für die Grugahalle. Sie bewegen sich nur noch selten im Popkosmos, sondern entschweben teilweise gar ins Atonale. Das ist anstrengend, widerborstig, mitunter sogar nervig. Aber wenn man sich drauf einlässt, hat selbst das seinen Reiz.

Dass Hornsby den Hang hat, den engen Popkorridor zu verlassen, in dem seine Karriere Mitte der 1980er-Jahre startete, konnte man damals schon bei seinen raren, sehr langen Konzerten erahnen. Da verlor sich der Meister in endlosen, jazzigen Improvisationen. Seine Songs waren kaum noch wiederzuerkennen.

Später schloss er sich zeitweise der Ikonenband „The Grateful Dead“ an, bekanntlich auch nichts für Dreieinhalbminüter. Und er hospitierte sogar beim Bluegrass.

Mit nun 65 Jahren und den Tantiemen seiner Hits im Rücken dürften ihm Hitparadenplatzierungen ohnehin schnurz sein. Trotzdem hat auch der Hornsby anno 2020 die Hooklines noch locker in den Fingern. Man lausche nur der zur Single auserkorenen Nummer „My Resolve“, die verdammt eingängig daherkommt. „Bright Star Cast“ klingt nach einer Peter-Gabriel-Nummer, der treibende Rausschmeißer „No Limits“ könnte auch dann und wann im Verkehrsfunkradio laufen. Mit choralartigen (tollen) Chören wie beim Opener „Cleopatra Drones“ und dem sich anschließenden elegischen „Time, The Chief“ kann man ebenfalls gut leben.

Damit sprengt man jede Gartenparty

Aber Hornsby präsentiert sich eben auch mehrfach von seiner sperrigen Seite. Das ist dann richtig harte Kost für den Zuhörer: irrlichternd, verstörend, manchmal tonartlos neben der Spur. Mit Liedern wie dem Titelsong als Untermalung lässt sich garantiert jede Gartenparty sprengen.

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