Musik

Indie über die Psyche: Neues Album von Everything Everything

Everything Everything um Sänger Jon Higgs (2.v.r.).

Everything Everything um Sänger Jon Higgs (2.v.r.).

Foto: Sqaure

Auf ihrem neuen Album „Re-Animator“ befasst sich die Indie-Band Everything Everything mit einem Bewusstseinskonzept aus der Psychologie

Es ist gar nicht so leicht zu definieren, was ein Bewusstsein ist – denn alles, was es nicht ist, ist uns schließlich nicht bewusst. Mit Fragen rund um das Bewusstsein befassen sich Everything Every­thing auf ihrem neuen Album „Re-Animator“. Konkret nennt die britische Band ein Konzept aus den 1970er-Jahren als Einfluss: 1972 begründete der Psychologe Julian Jaynes die Theorie der bikameralen Psyche. Demnach war die Psyche der Menschen, bevor sie ein Bewusstsein entwickelten, zweigeteilt in eine ausführende und eine befehlende Kammer. Der befehlende Teil halluzinierte demnach die Stimme von Göttern, die den befehlenden Teil steuerte.

Die Stimme Gottes hören

Sänger und Gitarrist Jon Higgs war so begeistert von dieser Theorie, dass sich die Songs auf „Re-Animator“ immer wieder mit ihr beschäftigen: „Die Idee, einen Gott in sich selbst zu finden und eins zu sein mit seinem Partner, zu sich selbst für Erlösung zu beten, der Ursprung des Bewusstseins bewegte mich sehr“, sagt Higgs.

Die Songs auf dem neuen Album „Re-Animator“ greifen die Aspekte dieser Theorie immer wieder auf. So handelt etwa die zweite Single „Arch Enemy“ von jemandem, der eine Stimme Gottes hört – letztlich redet aber ein gewaltiger Fettberg aus der Kanalisation mit ihm. Der absurde Text gesellt sich zu einer prägnanten Melodie und einem Rhythmus mit Funk-Elementen.

Gitarren, Synthies, Vogelgezwitscher

Insgesamt setzt die Band auf einen ausgewogenen Mix aus Gitarren und elektronischen Klängen. Higgs’ Falsettstimme untermauert die sanften Melodien und gibt den Liedern das gewisse Etwas. Besonders gut zur Geltung kommt das etwa in der Vorabsingle „In Birdsong“. Sanfte Synthie-Klänge greifen das Thema Vogelgezwitscher auf. Higgs besingt hier das bewusste Wahrnehmen des Gezwitschers, das durch Stadtlärm oft ausgeblendet werde.

Doch es geht auch weniger elektronisch: „Violent Song“ ist eine klassische Indie-Hymne, die mit melodischem Gitarrenspiel umgesetzt wurde. Mit „Moonlight“ gibt es einen ruhigen Song, schnelle Melodien überwiegen aber auf „Re-Animator“. So gelingt es der britischen Band auch auf ihrem fünften Album, den richtigen Weg zwischen klassischem Indierock und elektronischen Einflüssen zu finden.

Everything Everything >> Re-Animator
Everything Everything (Rough Trade)
Wertung: 4 / 5 Punkten

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