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„Ich & keine Maske“: Sido langweilt auf neuem Album

Kein Bock mehr auf Aggro: Sido.

Kein Bock mehr auf Aggro: Sido.

Foto: CMS Source

Berlin.   Die Aggressivität früherer Jahre hat Sido schon länger nicht mehr nötig. Auf seiner neuen Platte wirkt der Rapper aber ungewohnt gelangweilt.

Das Intro zu einer Platte hat im Hip-Hop meistens eine besondere Bedeutung. Der Rapper stellt sich vor, zeigt die Richtung an, erklärt, was los ist. „Wie Papa“ heißt das Intro zu Sidos neuem Album. Alles, wovon Paul Hartmut Würdig denkt, dass man es über sein rappendes Alter Ego wissen sollte, erzählt er hier gleich zu Beginn: Dass er Musik macht, dass er Awards und viele Radiosongs hat, dass aus „seinem Block“ längst ein Palast geworden ist und dass er der Erste war, der sich zum Rappen eine Maske aufgesetzt hat. Komplexer wird es auf den 14 weiteren Songs kaum mehr.

Alles schon mal gehört

Sidos Erzählungen haben zwei Dimensionen. Erstens: Das Leben war früher hart. Da waren die Straße, die Drogen, die alleinerziehende Mutter. Zweitens: Das Leben ist jetzt geil. Die Taschen sind voll, man jettet um die Welt, macht Party mit den Jungs und alle anderen sind sowieso nur Nachmacher. Das wäre auch alles irgendwie schon o. k., hätte man es nicht schon so oft und noch öfter gehört. Von Sido selbst. Und von unzähligen anderen.

Einige wenige Ausreißer aus der thematischen Eintönigkeit gönnt sich das Album: Der schönste Song „Jedes Geheimnis“ ist Sidos Kindern gewidmet. Zu eingängiger Melodie vertont er ein Gespräch vor dem Schlafengehen. Niedlich. Dem gegenüber steht allerdings der Totalaussetzer „Fällig“, in dem Sido sich gemeinsam mit Schnulzensänger Nico Santos an etwas abarbeitet, was eine sinnlich-laszive Botschaft an die Auserwählte sein soll. Und schließlich gibt es da noch die obligatorische Weltverbesserer-Deutschpop-Ballade „Pyramiden“ mit Singer/Songwriter Johannes Oerding, die dafür sorgen wird, dass Sido auch weiterhin überall im Radio läuft.

Von den Kollegen überholt

Klar, in der Rhythmuskunst Rap kommt es nicht allein darauf an, was gesagt wird, sondern auch auf das Wie. Und ja, es gibt einige gelungene Reime. Es gibt ein paar Takte zum Kopfnicken. Aber während Herr Würdig sich darauf ausgeruht hat, dass er der erste knallharte Ghetto-Rapper aus Berlin war, haben die, die nach ihm kamen, ihn locker überholt. In Sachen Rhythmik, Metrik und Präsentation. Auch in der Produktion von Bass, Beat und Bums.

Da sind junge Berliner Kollegen wie Rapperin Juju oder der Rapper Dazzle mittlerweile einfach besser drauf und Sido klingt selbst ein bisschen wie ein Nachmacher. Sein Flow wirkt träge und selbstzufrieden, der Funke springt nicht mehr über. Songs wie das geleierte „Melatonin“ gehen sogar recht schnell auf die Nerven. Sidos Rap klingt dabei wie etwas, was die Teilnehmer eines Sprechgesang-Seminars für Anfänger nach dem ersten Tag zustande bringen würden. Vor so viel hoch professionalisierter Einfallslosigkeit muss man dann schon fast wieder Respekt haben. Aber nur fast.

Sido >> „Ich & keine Maske“
Universal Music
Wertung: 2 / 5 Punkte.

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