DJ-Interview

Felix Jaehn über Parookaville 2017: "Das wird ein Homerun"

Felix Jaehn gehört zu den größten Stars im Line up von Parookaville 2017 am Airport in Weeze. (Foto: Niclas Ruehl)

Felix Jaehn gehört zu den größten Stars im Line up von Parookaville 2017 am Airport in Weeze. (Foto: Niclas Ruehl)

Weeze.  Felix Jaehn gehört zu den Pionieren von Parookaville. Im Interview spricht Jaehn über das Weezer Publikum, seine Rituale vor Auftritten und verrät, warum er sich im Rathaus von Parookaville noch beschweren muss.

Was haben Hits und guter Wein gemeinsam?

Felix Jaehn: „Die müssen reifen, was?! (lacht) So war es bei meiner neuen Single „Hot2Touch“. Das Konzept für den Titel und die Grund-Melodie standen schon vor zwei Jahren. Aber ich bin ein Perfektionist und es hat sich nie perfekt und richtig angefühlt.“

Trotzdem hast Du diese Produktion nicht aufgegeben…

Felix Jaehn: „Wir hatten vier verschiedene Sänger auf dem Song und auch den Text umgeschrieben. Erst nach zwei Jahren fing die Nummer an zu fliegen. Jetzt sind wir mit der Resonanz sehr zufrieden.“

Gab es in Deinem Leben eine Frau, auf die der Songtext zutrifft?

Felix Jaehn: „Ich begegne ständig Frauen, auf die der Text zu trifft. Ich stehe gerade in Berlin an einer Kreuzung und hier laufen wieder zwei „Hot2Touches“ an mir vorbei.“ (lacht)

„Hot2Touch“ ist der Vorbote deines Debüt-Albums. Was können die Jaehn-Fans erwarten und vor allem wann?

Felix Jaehn: „Das Album wird wohl im Spätsommer oder Herbst erscheinen. Ich sitze gerade am Feinschliff der letzten Songs. Wahrscheinlich werden vorab noch ein oder zwei Singles daraus veröffentlicht.“

Wohin bewegt sich der Sound von Felix Jaehn?

Felix Jaehn: „Mein Sound hat ein paar Elemente, die alle Songs miteinander verknüpfen. Das sind für mich das House-Tempo und das Energetische im House-Vibe. Dazu stehen immer besondere Stimmungen im Vordergrund. Auf dem Album gibt es ein, zwei Nummern, die etwas clubbiger sind, aber auch schön-melodische Stücke. Mehr möchte ich noch nicht verraten.“

Freust Du Dich auf die Festival-Saison?

Felix Jaehn: „Neben der Zeit im Studio sind Live-Auftritte für mich unheimlich wichtig – schließlich habe ich als DJ angefangen. Mich begeistert diese Energie, die einem die Leute entgegen bringen. Diese Stimmung sauge ich auf.“

Gibt es einen Unterschied zwischen Jaehn dem Musik-Produzenten und Jaehn dem DJ?

Felix Jaehn: „Das sind zwei komplett verschiedene Welten. Im Studio ist man alleine oder sitzt maximal mit ein, zwei anderen Produzenten oder Songwritern zusammen. Da entsteht eine sehr intime, gemütliche Stimmung, in der man sich kreativ ausschöpft. Auf der Bühne ist man ein Stück weit der Entertainer und spielt die Songs, an denen man vorher im Kämmerchen geschraubt hat. Meine DJ-Sets sind meist etwas deeper und clubbiger. Dann spiele ich etwa ,Bonfire‘ im Chris-Lake-Remix, weil der noch ein bisschen mehr nach vorne geht als das Original.“

Hast Du Dich daran gewöhnt, dass Dir bei Auftritten teilweise mehrere zehntausend Menschen zujubeln?

Felix Jaehn: „Da kann man sich nicht dran gewöhnen. Das ist jedes Mal wieder aufregend und spannend. Ich freue mich aber über 500 genauso wie über 50.000 Zuhörer.“

Was passiert in der halben Stunde vor Deinem Auftritt?

Felix Jaehn: „Ich bin total geladen, nervös und voller Vorfreude. Dann gibt es auch keine Meet & Greets oder Interviews mehr, damit ich mich auf den Auftritt fokussieren kann. Das klappt allerdings nicht immer so gut, weil man gerade auf Festivals hinter der Bühne viele andere DJs und Freunde trifft.“

Gibt es spezielle Rituale? Du machst zum Beispiel Dehnübungen, kurz bevor es auf die Bühne geht…

Felix Jaehn: „Ich will nicht kalt auf die Bühne gehen, sondern von der ersten Minute an präsent sein und Gas geben. Wenn ich da rumhüpfe, klatsche und auf Tische klettere, ist das natürlich auch eine körperliche Betätigung. Da bin ich wie ein Sportler: Man muss sich sammeln sowie Körper und Geist vorbereiten, um Höchstleistung zu bringen.“

Du achtest sehr genau darauf, wie das Publikum auf deine Track-Auswahl reagiert – wieviel Flexibiltät braucht ein DJ während eines Sets?

Felix Jaehn: „Es kommt auf das Event und den Slot im Timetable an. Wenn man der Headliner ist, erwarten alle die „Felix-Jaehn-Show“. Dann kann ich selbstbewusst mein Ding durchziehen und meinen Sound spielen. Wenn ich etwa David Guetta im Pacha auf Ibiza supporte, schraube ich mein Ego zurück und spiele das, was für Stimmung und Vibe angemessen ist, um die Leute auf den Headliner vorzubereiten.“

Du gehörst zu den Pionieren von Parookaville – wie war Dein erstes Mal vor zwei Jahren?

Felix Jaehn: „Super verrückt. Ich wusste erst mal gar nicht, was ich von dem Event erwarten soll. Dann bin ich auf die Bühne gestiegen und dachte, das kann doch gar nicht sein. Das Publikum war von der ersten Sekunde an voll dabei und hat mich total positiv überrascht. Im letzten Jahr wusste ich dann was hier abgeht und was Parookaville bedeutet.“

Bei Deinen bisherigen Parookaville-Gigs ist der Hangar trotz enormer Hitze fast aus allen Nähten geplatzt. Jetzt geht es an die frische Luft auf die zweitgrößte Bühne – was erwartest Du?

Felix Jaehn: „Als Co-Headliner auf der „Bill’s Factory“-Bühne werde ich einen super Time-Slot haben. In den ersten beiden Jahren war es bei meinen Auftritten rappelvoll. Es gab sogar Beschwerden, dass nicht mehr alle das Set sehen konnten, weil es überfüllt war. Für den Gig auf der Open-Air-Bühne hoffe ich, dass alle mitsingen sowie die Abendstimmung und den Vibe genießen. Das wird ein Homerun.“

Wie erklärst Du Dir den Erfolg des Festivals?

Felix Jaehn: „Parookaville steckt viel Liebe ins Detail und hat fantastische Bühnen. Allerdings ist das ja überhaupt nicht in meinem Fokus als DJ. Ich schaue nach vorne und sehe die Gäste. Deshalb zeichnen sich Festivals für mich vor allem auch durchs Publikum aus.“

Was sind für Dich die Faktoren einen gelungenen Auftritts?

Felix Jaehn: „Ein gutes Set erkennt man an der Stimmung im Publikum. Bei Parookaville gehen die Besucher noch mehr ab als bei anderen Festivals. Die Organisatoren schaffen es, dass die Leute für ein Wochenende in eine andere Welt eintauchen, den Alltag vergessen und einfach nur noch Spaß haben.“

Du wirkst nach Deinen Shows sehr selbstreflektiert. Wie sehr ärgerst Du Dich über einen Auftritt, der Deinem Anspruch nicht gerecht wurde?

Felix Jaehn: „Die erste halbe Stunde danach ist bei mir manchmal etwas schwierig. Ich spiele Gigs vor 50.000 Leuten und es läuft super. Trotzdem komme ich mit schlechter Laune von der Bühne. Dann ärgere ich mich, weil der Konfetti-Regen vier Takte zu spät kam oder wegen anderer Kleinigkeiten. Dabei hat das kaum einer im Publikum mitbekommen und die Leute hatten eine gute Zeit. Ich bin halt ein Perfektionist. Da muss ich noch etwas entspannter reagieren und den eigenen Gig noch mehr genießen.“

Hast Du einen besonderen Tipp aus dem Line Up für die Parookaville-Bürger?

Felix Jaehn: „Kungs mag ich echt sehr gerne. Das ist ein netter Typ aus Frankreich. Er hat natürlich fantastische Singles, spielt aber auch gute DJ-Sets, die nach vorn gehen. Vor kurzem war ich auf Bali. Kungs hat witzigerweise im gleichen Ort gespielt. Da bin ich spontan vorbeigefahren und wir hatten einen guten Abend. Schaut Euch auf jeden Fall Kungs an.“

Hast Du einen Parookaville-Ausweis mit Visa-Stempeln?

Felix Jaehn: „Nein, habe ich leider nicht. Gut, dass Du es sagst. Ich werde mich da mal beschweren und ihn nachträglich anfordern.“ (lacht) „Hoffentlich kriege ich meine ersten beiden Stempel noch und werde nicht auf Null gesetzt.“

Welchen Eindruck hattest Du von der Stadt Parookaville?

Felix Jaehn: „Ich habe leider noch nicht viel mitbekommen. Nach beiden Auftritten musste ich direkt wieder los zu einem anderen Gig. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr mehr Zeit habe und auch mal etwas von der Stadt sehen kann.“

In der Kirche von Parookaville gibt es echte, standesamtliche Hochzeiten. Könntest Du Dir das vorstellen?

Felix Jaehn: „Für mich persönlich, ehrlich gesagt, nicht. Bei allem was ich privat mache, suche ich eher den Kontrast und die Ruhe. Für richtige EDM-Fans kann ich mir das aber gut vorstellen."

Du bist ein Familien-Mensch - wo und wie findest Du die Kraft zum Abschalten?

Felix Jaehn: „Ein bis zwei Wochen Reisen am Stück ist in Ordnung. Letztens war ich drei Wochen in Amerika auf Tour. Da freut man sich am Ende nur noch auf sein Zuhause und bekannte Gesichter. Neben der Familie geben mir Musik und mein Job viel Kraft. Das ist es, was mich antreibt und inspiriert.“

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Da tanzt eine Kleinstadt: 50 000 Elektro-Fans haben an diesem Wochenende aus dem Flughafengelände in Weeze ein Paradies für House-Musik gemacht.
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Du stehst nicht zuletzt durch Deine Social-Media-Aktivitäten sehr im Fokus der Öffentlichkeit – wo ziehst Du eine Grenze zum Privat-Mensch Felix Jaehn?

Felix Jaehn: „Ja, ich gebe bei Social Media auf jeden Fall viel von mir preis. Meine Hardcore-Fans kennen mich auch verblüffend gut – das ist manchmal ein bisschen, als wenn sie Freunde von mir wären. Grenzen ziehen finde ich aber wichtig. Ich habe zum Beispiel noch nie aus meinem Schlafzimmer gesnappt. Bei Familienfeiern mache ich keine Fotos und lasse das Handy auch mal ganz weg.“