Kirk Fletcher

Blues für unsere Zeit

Beherrscht den Blues in all seinen Schattierungen: Kirk Fletcher.

Beherrscht den Blues in all seinen Schattierungen: Kirk Fletcher.

Foto: dpa Picture-Alliance / Martin Harris / picture alliance / Captital Pict

Essen.  Wer in diesen Zeiten den Blues hat, kommt an Kirk Fletcher nicht vorbei - jetzt gibt’s das neue Album „My Blues Pathway“.

Wer in diesen Zeiten den Blues hat, kommt an Kirk Fletcher kaum vorbei. Der Amerikaner mit Wohnsitz Schweiz hat sich über viele Jahre hinweg verdientermaßen seinen Ruf als virtuoser Gitarren- und Vokal-Interpret des Genres erspielt, als jemand, der Brücken baut zwischen Tradition und Moderne. Genau diese Qualitäten zeigt er bei seinem neuen, Ende vergangener Woche erschienenen Album „My Blues Pathway“ (Cleopatra Records).

Der Blues bietet ja viel mehr als stereotype zwölftaktige Abfolgen. Er ist bei Bedarf funky (klasse Bläsersätze bietet Fletcher auf), er ist gerne mal soulig (sehr hübsch: „Love Is More Than A Word“). Der Blues kann grooven wie die Hölle (lässige Kostprobe: „Fattening Frogs For Snakes“) und fast stillstehen (klassischer Slow Blues: „Heart So Heavy“).

Die Stratocaster darf singen, jammern und zetern

Kirk Fletcher agiert in diesem durchaus breiten Korridor dank seines sonoren Baritons und seiner Fender Stratocaster, die er mal singen, mal jammern, mal zetern lässt, höchst souverän. Und er verabschiedet sich rootsmusikalisch mit dem wehmütigen „Life Gave Me A Dirty Deal“. Der Song mit Resonatorgitarre und dem unverwüstlichen, inzwischen auch schon 76-jährigen Charlie Musselwhite an der Mundharmonika, ist ein würdiger Abschluss.

Aus der Meckerecke kommen angesichts dieser Vorzüge nur sachte Töne. Zum einen ist das schon eine Produktion vor allem für Bluesfans, Fletcher verharrt bei den Soli sehr stark in den allseits bekannten Skalen; dass er sich durchaus in angejazzten Gefilden wohlfühlt, deutet er viel zu selten an. Deshalb ist eine Nummer wie „Place In This World Somewhere“ eine wohltuende Abwechslung, Fletcher surft hier souverän durch Linien, die ziemlich weit draußen und dennoch klasse sind.

Warum kein Solo für den Mann an den Tasten?

Und außerdem fragt man sich, warum seine Band so stark in den Hintergrund treten muss. Man hätte beispielsweise dem exzellent begleitenden Tastenmann Jeff Babko durchaus ein Solo spendieren können. Was der da arg in den Hintergrund abgemischt abliefert, macht nämlich durchaus neugierig auf mehr.

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